Literatur-Vergewaltigung

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wahnsinnige „political correctness“

Seit einigen Jahren werden in Kinderbüchern „diskriminierende“ Ausdrücke ersetzt. Der Papa von Pipi ist also nicht mehr Negerkönig in Takatukaland, sondern Südseekönig. Das Negerlein in der „Kleinen Hexe“ ist nun ein Schornsteinfegerlein. Auch im Räuber Hotzenplotz wird es keine Zigeuner mehr geben. Desweiteren werden in der „Kleinen Hexe“ auch die Schuhe nicht mehr gewichst, sondern geputzt.

Gegen diesen Wahnsinn gibt es gute Gründe:
Zum einen ist ein literarisches Werk immer Ausdruck einer historischen Wirklichkeit, die sich auch im Sprachgebrauch niederschlägt. So finden sich im Althochdeutschen auch damals geläufige Ausdrücke, die wir heute so nicht mehr verwenden können, wenn wir nicht missverstanden werden wollen. Eine nachträgliche Veränderung wäre also ein Stück Geschichtsfälschung, auf das ja gerade die politisch Korrekten in anderem Zusammenhang sehr empfindlich reagieren.

Zum anderen ist das Wort selbst nicht diskriminierend, sondern die Konnotation bzw. die Interpretation. Worte werden mit Bewertungen behaftet, die ihnen zunächst nicht innewohnen. Diese sind aber auch erklärbar: „Das hat man früher so gesagt und hat damit dies und das gemeint.“

Ähnlich wie in der Musik gibt es immer wieder in der Geschichte eine Diskussion um sogenannte Werktreue. Also die Frage, wie ein Musik- oder Theaterstück aufzuführen sei. Die einen vertreten die Auffassung, dass das Stück neu zu interpretieren sei, die anderen möchten gern ein Original.

Das betrifft allerdings dann die Realisierung, nicht den Urtext. Dieser bleibt in der Regel als historisches Vermächtnis unangetastet.
Die Literaturvergewaltigung durch den Thienemannverlag in Stuttgart oder den Oetingerverlag ist Kulturfrevel und letztlich nicht zu akzeptieren. Wer gibt den Redakteuren das Recht, einen veränderten Text noch unter dem gleichen Titel und dem gleichen Autor zu veröffentlichen? Da würde es sich doch zumindest gehören, die Änderungen kenntlich zu machen. Aber da haben diese Banausen kein schlechtes Gewissen.

Warten wir doch bitte einmal darauf, ob es evtl. demnächst einen Sinti- und Roma-Baron als Operette gibt oder einen umgefärbten Othello.
Und überhaupt: Wer schützt eigentlich die Schornsteinfeger, die Südseekönige und die anderen Ersatzbegriffsträger vor Diskriminierung? Ist es nicht vielmehr auch eine Diskriminierung, wenn ich andersfarbige Menschen aus den Handlungen des literarischen Werkes herauslasse?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.