Taufe im Jordan – Eine Kleinigkeit ?

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Sie kennen die Erzählung?

Der gute Johannes fasziniert die Leute, predigt und tauft sie im Jordan. Da kommt Jesus hinzu, stellt sich mitten unter die Leute, betet, lässt sich auch taufen. Das war`s?

Das wirklich wichtige im Leben findet sich immer im Kleinen und Unscheinbaren, das nur allzu gern übergangen und beiseite geschoben wird. Mein Bruder ist letztes Jahr noch mal Vater geworden. Seine Frau und er müssen sich jetzt mit Frischling Karl  und dem 1jährigen Hans rumschlagen. Wirklich kein leichtes Unterfangen, bei dem ich mich frage, ob ich dazu auch noch mal die Kraft hätte?

Die Kraft dazu geben einem die Kleinen: Durch ihr Lächeln, durch ihre Unbefangenheit, ihr schier grenzenloses Vertrauen. Das macht es oft aus: Ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine gütige Geste – und schon ist vieles anders.

Meist sind es nicht die großen Worte und heroischen Taten, die harten Lernfächer und das geniale Können. Es ist die Vertrautheit und Offenheit mit der ich einem Freund meine Ängste mitteilen kann. Die Ausgelassenheit mit der Späße gemacht werden.

Das steht ganz und gar zum Gegensatz zu unseren rationalistischen und rationalisierendem Denken. Möglichst effektiv sein. Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Zum Kern der Sache kommen. Ballast beiseite lassen, Ziel genau definieren, Handlungsstrategie entwerfen und umsetzen: Erfolg messen. Das wirklich Wichtige im Leben findet sich nicht dort, sondern immer im Kleinen und Unscheinbaren, das nur allzu gern übergangen und beiseite geschoben wird.

Das Evangelium von der Taufe Jesu im Jordan (LK 3, 15ff) ist bekannt und geläufig. Texte, die man häufig hört, verleiten dazu, dass man schnell was überliest. Es sind meist die Kleinigkeiten und scheinbaren Randpunkte. Zwei der Randpunkte will ich Ihnen heute näher bringen.

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen“

Jesus stellt sich in die Mitte des Volkes. Er ist mitten unter dem Volk, Teil des Volkes. Es geht auch bei uns nicht immer nur um uns als einzelne Wesen, auch wenn der Individualismus uns täglich sagt, wir wären das A + O der Welt. Auch wenn man der Jugend suggeriert, es käme nur darauf an, was „er denn davon hat“. Es käme darauf an mit möglichst keinem Einsatz möglichst viel raus zu holen.

Johannes steht versteckt in der Versuchung selbst zum Messias und Retter gemacht zu werden. Aber Johannes verweist auf den, der in der Mitte des Volkes steht, der stärker ist als alle individuellen Machtgelüste ist.

Es geht um die ganze Gemeinschaft des Volkes Israel, es geht um die Gemeinschaft der Kirche als Ganzes, es geht um die Gemeinschaft der Menschheit. Jesus stellt sich in diese Gemeinschaft und in ihre Mitte. Er steht in der Mitte dieses Volkes und heiligt das Volk durch seine Anwesenheit in dem Volk.  Er sieht den Einzelnen – als Teil dieses Volkes.

Der zweite Punkt: „während er betete…“

Beten scheint uns nicht so wichtig – mehr das Tun. Beten ist was für alte Frauen mit `nem Rosenkranz, eigenbrödlerische Diakone oder Pfarrer. Und wenn wir mal beten, dann mehr so in der Art eines Wunschzettels ans Christkind, der sich vielleicht, vielleicht aber auch nicht auf dem Gabentisch des kommenden Jahres wiederfindet.

Wir verkürzen das Gebet auch dort, wo wir kein Zutrauen in die Handlungsmacht Gottes haben, für den „ nichts unmöglich ist“ LK 1, 37. Zacharias – der kinderlose Vater von Johannes dem Täufer – glaubt nicht an die Erfüllung seiner eigenen Gebete und muss erst lernen sich wirklich ganz Gott anzuvertrauen.

  • Sich ganz Gott anvertrauen,
  • mit seinem ganzen Leben vor Gott hinzustellen,
  • es ihm hinzuhalten und
  • es aus seiner Hand zu empfangen,
  • sich in seinen Willen fügen,
  • aus der Kraft des einen Gottes leben.

All das geschieht im Gebet. Jesus betet: Er betet und in seinem Gebet öffnet sich der Himmel. Im Beten erleben wir eine neue Dimension der Existenz und Wirklichkeit.  Das Öffnen des Himmels ist die erfahrbare Wirklichkeit Gottes, die uns an sich unzugänglich ist. Eine Wirklichkeit, die wir nur erahnen und ertasten können. Und doch wird sie zur absoluten Sicherheit. Dasselbe Erlebnis wurde Stephanus zuteil: „ Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen Apg 8, 55“.

Wie und was Jesus betete, ist nicht gesagt. Das scheint gar nicht so wichtig. Es scheint nicht so sehr auf die gewählten Worte anzukommen. Von Jesus wissen wir, dass er sehr oft mit den Worten der Bibel betete, dass er sehr oft in den Worten der Psalmen und Hymnen des AT betete.

Beten wird nicht zu einem Tun, das wir allein vollbringen, was wir allein bewerkstelligen können. Wenn es nur ein Herunterleiern von bekannten Sätzen, ein Brabbeln unser eigenen Stimmen ist, dann reicht das nicht aus. Beten wird getragen vom heiligen Geist und muss uns im Letzten von Gott geschenkt werden.

Freilich: Das was hier geschieht, geschieht an und mit Jesus. – und doch ist es nicht nur ein Geschehen, das ihn betrifft. Lk sagt nicht, dass alles Geschehene ein inneres Erleben Jesu war. Nein, es war keine Sache, die Jesus und Gott angeht, sondern es war ein Erlebnis, das die Anwesenden berührte. Für die Umstehenden war es erfahrbare Realität. Die, die dabei waren bezeugen, dass hier Ungeheuerliches geschehen ist. Genau beschreiben können sie es nicht. „Wie eine Taube“ – „sie hörten eine Stimme“: Was hier geschieht ist schier körperlich greifbar – und doch nicht auszudrücken. Was hier gesagt wird, ist wie eine Stimme so klar – und doch nur stotternd zu sagen. 

Jesus gibt der Menge Anteil an seinem Beten, Anteil an seiner Geist-Erfülltheit und Anteil an seiner Beziehung zum Vater. Wir haben Anteil an seinem Beten, beten mit und durch ihn im hl. Geist. Im Beten vollzieht sich die Zusage: Du bist von Gott her geliebt. Wie Gott den Sohn liebt, so liebt er dich um des Sohnes willen.

Für Viele mögen Gebete ein veraltetes Ritual sein, das nicht mit einer konkreten Lebengestaltung zu tun hat. Für mich ist das Gebet eine Kraft, die mich verändert und die meine Umwelt verändert.

 

 

 

 

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