Was Petrus erkennt – und wir manchmal vergessen

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Lukas schildert uns, wie eine Menschenmenge nichts anderes zu tun hat, als zu einem Zimmermanns-Sohn zu kommen, ihm zuzuhören. Sie sind ganz wild auf seine Worte. Er berichtet, dass der Zimmermann in das Boot eines Fischers mit Namen Kephas steigt, von ihm solch unsinnige Sachen verlangt, wie am hellen Tag Netze auszuwerfen, und schließlich der Fischer dem Zimmermann hinterher rennt.

Was wollen die Leute denn da hören? Worte sind nicht einfach nur gesagte Buchstaben. Egal was wir sagen: Worte bewirken etwas, sie verändern, schaffen Vertrauen, verletzen, manipulieren, verführen, begeistern, ermuntern und können ganze Volksmassen in Bewegung setzen, sind manchmal schön und manchmal leere Versprechen. Worte sind Macht. Erst recht, wenn sie von jemandem ausgesprochen werden, der mit seiner ganzen Person dahinter steht, glaubwürdig ist und auch die Fähigkeit hat mit und neben diesen Worten Tatsachen und Fakten zu schaffen.

Das geschieht im heutigen Evangelium: das Volk drängte sich um Jesus um das Wort Gottes zu hören. Das Wort Gottes ist noch viel mehr als unser menschliches Wort eine Macht. Es ist wirkmächtig und tatkräftig. Das Wort Gottes schafft und erschafft. Im AT wird das Wort Gottes als harter Krieger beschrieben, als unerbittliches Schwert, welches den Befehl Gottes vollzieht (Weish 18, 5). Es ruft ins Leben und fordert den Tod (Dtn 32, 47). Paulus hat es den Korinthern in Erinnerung gerufen: (1 Kor 15, 1) „ Durch das Wort des Evangeliums werdet ihr gerettet“ In dem vorangegangenen Kapitel hat Lukas beschrieben, wie auf das Wort Jesu hin die Schwiegermutter des Petrus geheilt wurde. Auf das Wort Jesu hin werden Dämonen ausgetrieben und Menschen neu ins Leben gerufen. Petrus fährt entgegen seinen beruflichen Erfahrungen erneut auf den See: „wenn du es sagst“ oder wie es in der Lutherübersetzung heißt: „auf dein Wort“.

Strandboot

Das muss man bedenken und Wissen, um zu verstehen, warum das Volk in Scharen so sehr Jesus bedrängte, dass er mit einem Boot Distanz schaffen musste. Von diesem Jesus geht mehr als nur eine Faszination aus. Was er sagt, was er tut, das ergreift nicht nur irgendwie die Herzen, sondern die Menschen erkennen mit Petrus: Hier ist jemand, der weit mehr ist als wir erahnen. Von ihm geht eine Macht aus, die mehr ist als wir uns vorstellen. Nach Lukas redet Petrus den Jesus erst als Meister an, als Respektsperson, als Chef. Dann aber sagt er „Kyrios – Herr“ . Das ist nicht irgendeine Anrede, sondern im röm-griechischen Denken die Anrede des Kaisers – im hebräischen kennt man die Anrede Adonai. Und die ist die Anrede Gottes. Petrus dämmert, mit wem er es hier zu tun hat. Er sieht, welche Welten zwischen ihm liegen und dem der vor ihm steht. Deshalb sagt er „Herr, geh weg. Ich bin ein Sünder“. Jesus sagt nicht, etwa: Na, jetzt übertreibst du aber. Nein: Fürchte dich nicht!, d.h. im Grunde hast du Recht, aber hast du von mir nichts zu befürchten. Der Evangelist LK betont diesen Punkt immer wieder: Das Erschrecken und Erstaunen, wo man Gott erkennt, wo man dem Engel Gottes begegnet, wo man begreift, wer dieser Jesus ist.

Jesaja ( Jes 6, 7) sieht voll Entsetzen: „Weh mir, ich bin verloren. ..meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen“. Ebenso der Paulus: Er sieht sich im Angesicht Gottes als Missgeburt. Er ist überhaupt nur noch am Leben aus der Gnade Gottes heraus.

Vielleicht vergessen wir wirklich zu häufig, mit wem wir es zu tun haben. Der Theologe Klaus Berger (Jesus,Pattlochverlag 2004 S. 88 + 99) kreidet unserer Zeit an, dass sie einen sanften Jesus in Softievariante malt, den man nicht mehr richtig ernst nehmen muss. Einen Gott, der doch immer irgendwie alles verzeiht, mit dem ich locker auf Du und Du stehe und der mir doch nichts krumm nehmen kann. Er kommt zu dem Schluss, dass man einen solchen Gott eigentlich nicht braucht und eigentlich nicht ernst nehmen muss. Er schreibt: „Die heilige Schrift nähert sich Gott mit äußerster Distanz, mit Erschrecken vor dem ganz Anderen. Zunächst einmal ist Gott heilig, d.h. erschütternd, befremdlich, gefährlich, in die Knie zwingend, groß und unfassbar.“

Genau so reagiert Petrus: Ihm wird klar, wer da zu ihm ins Boot gestiegen ist. Er fällt Jesus zu Füßen, ist erstaunt und erschrocken. Von daher lässt er sich an die Hand nehmen, lässt sich aufrichten. Von daher kann er alles was ihm bisher wichtig war von einer Sekunde auf die andere verlassen und Jesus nachfolgen. Er rennt eben keinem Softie und keiner Schmusekatze hinterher, sondern er hat es

mit dem Gesalbten Gottes,

dem Mensch gewordenen Sohn des Allmächtigen,

dem Fleisch gewordenen Wort Gottes selbst zu tun.

Niemand Geringerem unterstellt er sich, mit Weniger gibt er sich nicht zufrieden

 

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