Der Diakon: Kundschafter und Botschafter

Nachbetrachtungen zum Mainzer Studientag für Ständige Diakone:

Kundschafter und Botschafter – Als Diakon unterwegs in Sozial- und Pastoralräumen

Diakone

Es war insgesamt ein ertragreicher Tag, an dem viele Facetten des diakonischen Dienstes und seiner Spiritualität im Alltag teilweise leidenschaftlich diskutiert wurden. Der Referent tat sein Möglichstes, den immensen Reichtum und die ungeheure Vielfalt der „überall“ tätigen Diakone zu verstehen und einzuordnen.

Und doch blieb bis zum Schluss der Eindruck, dass das Selbstverständnis des Ständigen Diakons nur teilweise verstanden und abgebildet werden konnte.

Sicher zu Recht wurde angemerkt, dass der Diakon ein Grenzgänger ist und genau das zu seinem besonderen Charisma gehört. Er lebt in einem eigenen Lebensraum, in seinem individuellen Sozialraum und im Pastoralraum sowohl der organisatorischen „Pastoralen Einheit“, als auch dem allgemeinen Pastoralraum „der allumfassenden Kirche“.

Die sozialarbeiterische Erkenntnis über die Zusammensetzung meines konkreten Sozialraumes über eine Sozialraumanalyse ist sicher wichtig, um Missverständnisse und falsche Schlussfolgerungen über die Bedürftigkeit der Mitmenschen zu vermeiden.

Die Erkenntnisse aus Millieu-Studien dienen ebenfalls der Orientierung in einer größeren Sicht auf meine Wirklichkeit.

Der Diakon ist auch hier qua Amt und Selbstverständnis ein Grenzgänger, der – bereits mit einer Botschaft versehen – Kunde bringt und Dinge erkundet, die er wiederum in seine gemeindliche pastorale Arbeit einbringt.

Diese Dinge sind sicher unstrittig und umreißen durchaus Kernaspekte des diakonischen Dienstes. Andere Kernaspekte des diakonischen Dienstes konnten – so der Eindruck – vom Referenten nur teilweise verstanden werden:

1. Für die Spiritualität des Diakones in seiner seelsorgerlichen Arbeit mit dem konkreten Menschen ist die Einteilung in Gruppen und Millieus letztlich zweitrangig.

2. Darüberhinaus ist für einen Ständigen Diakon der eigene Lebens- und Sozialraum durchaus mit dem Pastoralraum des Dienstes identisch.

Der Diakon besucht eben kein „Neubaugebiet“, kein „Villenviertel“ und keinen „sozialen Brennpunkt“, sondern ganz konkrete Menschen mit jeweils ganz eigenen Bedürfnissen und Bedingungen. Und der Gedanke an die Zugehörigkeit dieses konkreten Menschen zu einer wissenschaftlichen/wirtschaftlichen/sozialen/intellektuellen etc. Schublade ist der diakonischen Bemühung sogar eher abträglich.

Der Ständige Diakon ist Geistlicher. Sein spirituelles Wesen ist verändert. Und das 24 Stunden am Tag. Die Anfragen kommen eben nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch beim Straßekehren und am Abendbrottisch. Ein Ständiger Diakon ist ständig Diakon. Da gibt es keinen Feierabend, ebensowenig wie bei den priesterlichen Mitbrüdern.

Die Sozialraum- und Pastoralraum-Analysen sind eher etwas für die institutionelle Sicht der Sozialverbände und der Pastoralverwaltung. Hier sind sie auch sinnvoll. Für die konkrete Arbeit als Diakon mit dem Menschen sind sie entbehrlich, wenn der Diakon wirklich hinsieht und hinhört.

Dazu gehört genauso die Erkenntnis, dass die Menschen sich aus einem Sicherheitsbedürfnis von einander abscheiden. Die gewohnte Gemeinde in der gewohnten Kirche und im gewohnten Gemeindehaus geben auch Heimat und Halt. Eine unreflektierte Ausweitung dieses Sozialraumes ohne Würdigung dieser Nöte ginge ebenso an diakonischer Intention vorbei.

Nöte sind eben nicht nur materiell, sondern heute in besonderer Weise auch spirituell. Da hungern eben auch „Reiche“.

Letztlich kann es m.E. nicht darum gehen, eine Verschiedenheit von Sozialraum und Millieu um jeden Preis aufzulösen. Es kann auch nicht darum gehen, ob sich die diakonische Arbeit positiv auf die Zahl der Gottesdienstbesucher am Sonntag auswirkt, um ihren Wert zu bemessen.

Es geht immer um den konkreten Menschen in seiner konkreten Welt.

Und das ist überall. Und genau da ist der Diakon.

 

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