Die Kirche sollte sichtbar büßen

Franziskus stützt die Kirche

Die Kirche, vor allem die katholische Kirche, hat es in diesen Tagen sicher nicht leicht. Durch vielerlei Aspekte hat sie genauso sicher auch selbst dazu beigetragen.

Dass der Sohn von Rudi Dutschke sich im Handelsblatt als oberster Moralapostel aufführt und genau das tut, was er der Kirche vorwirft ist, das eine. Dass aber auch ein CDU-Politiker im Wahlkampf lieber die Seiten wechselt, um sich für den Mainstream zu öffnen, fällt in besonderer Weise auf, wie aktuell im Focus zu lesen ist.

Die Kirche verliert so nach und nach ihre Lobby in der Bevölkerung – das ist bedauerlich, allerdings regt das auch zum Nachdenken an.

Das äußere Erscheinungsbild der Kirche, die Bekleidung der Würdenträger und die aktuell verminderte Bereitschaft der Bevölkerung, auch noch Nebensätze zur Kenntnis zu nehmen, spielen hierbei eine besondere Rolle. Man hat den Eindruck, dass die Kirchenleitung – leider unberechtigter Weise – davon ausgeht, dass noch so etwas wie Glaubenswissen oder ein Bedürfnis nach christlicher Spiritualität – gepaart mit dem Bedürfnis, die überkommen Strukturen und äußerlichen Formen beizubehalten – in der Bevölkerung vorliegt. Dem ist nicht so.

Eine sehr kleine Gruppe auch jüngerer Menschen sucht heute ganz bewusst die Heilige Messe auf – allerdings Leute, die das sehr reflektiert tun und bereits über ein kompatibles Glaubenswissen verfügen.

Die meisten anderen hingegen verstehen nichts von den Inhalten und noch weniger von den tradierten Formen. Sehr viel mehr wird hingegen verstanden von der Problematik des Wahrheitsvertretungsanspruches, vor allem, wenn dieser gegen die gängigen Dogmen des aktuellen Wellness-Regenbogen-Hedonismus quasi-sozialistischer Prägung spricht.

Ein absolutes Tötungsverbot wird da nicht mehr akzeptiert, wenn das Leben mit dieser Entscheidung – z.B. für eine Abtreibung – doch für den einzelnen Menschen leichter erscheint. In dieser wohlstandsverwahrlosten Narzisstenwelt, wo jeder sein eigenes Recht definieren will, findet der Ruf zu Umkehr, Umdenken, Sich-Aufopfern wenig Widerhall, vor allem, wenn die Kirchenvertreter nicht äußerlich sichtbar auch Buße tun.

Von besonderer Wichtigkeit scheint mir hierbei durchaus das äußere Erscheinungsbild der Würdenträger zu sein: Sich auch außerhalb der Messe in sehr auffälliger Gewandung zu zeigen, signalisiert der Bevölkerung schon zu allen Zeiten, dass diese Menschen an und für sich eine besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchten.

Das ist problematisch: Wäre es nicht denkbar, dass auch höhere Würdenträger im Alltag im einfachen Collarhemd gehen? Wäre es nicht auch denkbar, alle Gewandungen etwas franziskanischer zu gestalten?

Die Akzeptanz und die Erneuerung von Kirche wurde in der Geschichte stets von den barmherzigen Orden gestützt und untermauert. Die gibt es kaum noch. Und das Welt-Priestertum – als noch sichtbare Gruppe – hat sich durch die unsäglichen Missbrauchsfälle als unglaubwürdig befleckt. Da werden von der Bevölkerung alle Geistlichen in Sippenhaft genommen: „Die sind doch alle so!“

Erst wenn die Kirche selbst wieder das Knien lernt, wenn sie wieder erklärt, worum es im Glauben, im Gottesdienst und in den Sakramenten eigentlich geht, entsteht wieder die Chance, verstanden zu werden.

Ein Beharren auf Traditionen und Äußerlichkeiten signalisiert eben genau diese monolithische Haltung, die der Kirche gern unterstellt wird und die sie in ihrer Pastoral ja gar nicht hat.

Dass die Kirche die absolute Wahrheit zu vertreten hat, steht dabei auf einem anderen Blatt. Natürlich ist die Wahrheit unwandelbar und dem Zeitgeist nicht unterworfen – aber, braucht es dazu diese Selbstverliebtheit, die manche Vertreter in die Welt halten?

Geht das nicht viel besser in Demut und offener Gesprächsbereitschaft ohne Amtsdünkel? Es gibt aktuell wirklich wenig Grund, als Kirche in der Gesellschaft besonders selbstbewusst daher zu kommen.

Auch und gerade die Kirche in allen ihren Ebenen sollte sich diese Fragen in der kommenden Bußzeit einmal besonders nahe gehen lassen.

 

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