Ein echter Papst: Ecce homo!

Petersdom

Was bedeutet eigentlich der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. am vergangenen Montag, dem 11. Februar 2013 für die heilige römische katholische Kirche und das Papstamt?

Papst Benedikt hat sicher für die Kirche einen unschätzbaren Dienst in seinem achtjährigen Pontifikat geleistet. Es könnte sein, dass nun gerade sein Rücktritt von diesem Amt in besonderer Weise ein einzigartiger Dienst an der Kirche bedeutet, vielleicht mit weitreichenden Auswirkungen auf das Verständnis des Papstamtes allgemein und damit auf die weltweite Ökumene und letztlich das Selbstverständnis der Kirche im Besonderen.

Das Papstamt war seit seiner Errichtung verschiedenen Strömungen und Verständnissen unterworfen. Es gab in diesem Amt schon immer neben demütigen Dienern auch „kleine Herrgötter“, die dem Amt nicht nur gute Dienste geleistet haben. Durch die – für das Gläubigenvolk oft missverständliche – Unfehlbarkeitsbeimessung war einer ungesunden Mystifizierung des Amtes ein weiteres Tor geöffnet. Das Amt war so in einer besonderen Weise mit dem amtierenden Menschen verknüpft, so dass dieser in die Gefahr kam, überhöht wahrgenommen zu werden. In dieser Überhöhung war es demütigen Päpsten stets schwer, die Demut des Dienstes zu kommunizieren.

Der Rücktritt vom Amt durch Papst Benedikt ist in der Kirche ein einmaliges, ein einzigartiges Geschehen. Das Kirchenrecht CIC sieht im Canon 332 §2 den Rücktritt als Möglichkeit vor, wenn er freiwillig vollzogen und verkündet wird.

Selbst wenn es schon einen verbrieften historischen Rücktritt am Ende des 13. Jahrhundert von Papst Coelestin V. gegeben hat, so war dieser doch so ganz anders von den Begleitumständen her und daher von diesem aktuellen Ereignis wesenhaft verschieden.

Papst Benedikt XVI. demonstriert mit seinem Rücktritt in besonderer Weise seine unspektakuläre und bescheidene Gläubigkeit und Demut, was diesem Amt in ebenso besonderer Weise gut tut. Er demonstriert die Unterschiedlichkeit von Amt und Amtsträger. Er stellt sich als Mensch dar, den es nach diesem Amt durchaus noch geben kann. Das Amt wird dadurch von mystifizierenden Überhöhungen, etwa dahin gehend, dass ein Papst ohne Amt nicht mehr als normaler Mensch leben könne, wohltuend befreit.

Auch der Papst ist nur ein Mensch! Und gerade der Rücktritt vom Amt adelt diesen besonderen Menschen zu einem besonderen Menschen.

Das würdige Menschsein reicht aus!

Fast komisch mutet hier schon das Problem der Kurie an, wie man einen solchen Menschen denn nun ansprechen könne. Als papa emeritus? Als Bischof und Kardinal? Seine Heiligkeit und Heiliger Vater gebührt ja dem Amt und nicht der Person.

Nun ja, sie werden eine Anrede finden. Schon allein deswegen, weil es eine solche braucht. Aber offenbar war bisher überhaupt nicht im Traume daran gedacht worden, dass eine solche Notwendigkeit überhaupt entstehen könnte. Auch das hat Bedeutung.

Das Papstamt hat gewonnen. Es hat in Wahrhaftigkeit des Glaubens und der Liebe zu Gott und den Menschen einen Menschen geboren! Einen gottgeweihten weisen Menschen, der in der Demut ein wahrer Zeuge Christi ist: Ecce homo!

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