Ich glaub, meine Lasagne wiehert . . .

Spiegeleier

Lebensmittelskandale sind regelmäßig ein Thema. Es gibt dann große Aufgeregtheiten, viele Missverständnisse und Überzeichnungen und eine – aufgrund von Informationsmangel und Mediengeschwindigkeit – angefachte Klein-Panik.

Pferdefleisch ist durchaus genießbar. Die Ur-Salami ist seit jeher aus Pferde- und Eselfleisch zubereitet und eine echte Delikatesse. Der Skandal ist der Etiketten-Schwindel.

Die meisten Schwierigkeiten mit unseren aktuellen Lebensmitteln kommen letztlich aus dem Umstand, dass in der Regel keine Rohware bei vertrauten Lieferanten bezogen wird, sondern industriell hergestellte vorverarbeitete Massenware, welcher man die Inhaltsstoffe nicht mehr ansehen kann. Man kann dann nur das Zutatenverzeichnis lesen, vielleicht verstehen, aber gewiss nicht überprüfen.

In der „Generation Fertigmenü“ unserer Tage, einer ganzen Generation von VerbraucherInnen von vorbearbeiteten Lebensmitteln, die in weiten Teilen weder das Wissen, noch die Erfahrung und die Logistik zum Selberkochen besitzt, ist hier auf Gedeih und Verderb auf das jeweilige Angebot guten Glaubens angewiesen.

Nicht nur in diesem Bereich, auch im Bereich Handwerk, Bildung, Familie, Landwirtschaft etc. werden die natürlichen Grundlagen und Notwendigkeiten weiter in Stücke geschlagen, um immer mehr digital, gleichgeschaltet, vorinstalliert und unüberprüfbar voran zu schreiten.

Aller Erfahrung nach schreit das geradezu nach Unfällen, Notlagen, Engpässen, Katastrophen und Skandalen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die hochgezüchteten vorbedingungsgestützten Systeme schwächeln und pausieren. Sie sind stets anfälliger als robuste Schlichtsysteme.

Nur, was passiert, wenn diese basalen Versorgungssysteme einmal flächiger ausfallen und es keine alternativen Versorgungsstrukturen gibt, die auf die Schnelle auch die Bevölkerungsmehrheit mit dem Nötigsten beglücken können?

Dann ist das bisschen Pferdefleisch in der Lasagne nicht mehr der Rede wert. Dann wird es ernst.

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