Was ist Berufung?

Diakonweihe

Der fühlt sich wohl zu etwas Höherem berufen! Dieser Mensch missachtet uns; der hält sich für etwas Besseres. Wir sind ihm nicht gut genug. Der überhebt sich und macht sich wichtig.

Die Aussagen Jesu werden als anmaßende Frechheit verstanden:

Wie kann der so etwas sagen! Der ist doch genau so hier unter uns aufgewachsen und damit uns doch vollständig vergleichbar. Wie kann er nun sagen, dass er eine besondere Berufung hat.

Was macht eigentlich eine Berufung aus?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Anmaßung und echter Beauftragung?

Wer kann das genau bestimmen?

Woran kann man das messen?

Diese Fragen sind auf den ersten Blick nur sehr schwer zu beantworten. Und doch sollten wir einmal einen Augenblick über Berufung nachdenken. Vielleicht kommen wir ja doch auf so etwas wie Kriterien für eine echte Berufung.

Wenn jemand sich wichtig machen will, dann doch eher in seinem eigenen Interesse. Es soll seiner oder ihrer Eitelkeit dienen, damit andere ehrfürchtig und eifersüchtig werden. Die Beanspruchung, mit einer besonderen Ehre behandelt zu werden, gibt den jeweils anderen das Gefühl, entehrt zu sein: Wir bekommen jetzt von ihm keine Ehrerbietung mehr, sondern wir sollen ihm die Ehre entbieten.

Wie kommt dieser Mensch dazu, wo er doch genauso viel oder genauso wenig wert ist, wie wir.

Und hier liegt das große Missverständnis.

Die Beauftragung, Botin oder Bote Gottes zu sein, dient niemals der eigenen Eitelkeit, oder wir machen etwas falsch. Derjenige, dem alle Ehre gilt und zu gelten hat, ist Gott selbst.

Die Berufenen haben keinen anderen zu verkündigen, als den lebendigen Gott selbst.

Aber diese Botschaft fordert – wie Gott selbst – eben die Anerkenntnis göttlicher Absolutheit und Macht – von denjenigen, die diese Botschaft hören und von denjenigen, welche diese Botschaft zu verkündigen haben.

Es hat schon immer Menschen gegeben, die unter dem Deckmantel göttlicher Berufung eigene Privilegien gesucht und sich weltliche Vorteile verschafft haben. Das ist jedoch besonders verwerflich.

Die Ehre, die den GottesverkünderInnen und -verkündern zuteil wird, gilt nicht diesen Menschen, sondern Gott.

Wenn sich also ein Mensch aufgrund seiner Berufung für etwas Besseres hält, hat er seinen Auftrag gründlich missverstanden.

Es kann hier niemals um einen Wertigkeitsunterschied gehen, eher um den Auftrag zu noch mehr Demut. Und das gelingt diesen Menschen natürlich jeweils mit wechselndem Erfolg. Alles menschlich.

Berufung zu identifizieren ist von daher eigentlich immer sehr leicht:

Berufen ist jeder Mensch, wenn er in sich den Drang erlebt, von Gott und von Gottes Liebe zu den Menschen zu sprechen. Und das in echtem Glauben und in glaubhafter Demut.

Letztlich sind wir also alle in dieser Weise berufen.

Dazu gehört stets und immer wieder die selbstkritische Prüfung, ob ich mich noch auf dem rechten Weg befinde und ob es wirklich die Botschaft vom lebendigen Gott ist, die ich verkünde.

Und so richtige Begeisterung lösen Berufungserlebnisse in der Schrift bei den jeweils Betroffenen zunächst eigentlich nicht aus.

Wir haben die Berufungsgeschichte von Jeremia gehört, aber sie erinnern sich sicher auch an den widerspenstigen Jona oder andere Propheten.

Die Berufenen müssen nämlich mit Widerspruch rechnen.

Aber warum eigentlich? Was ist es denn, was die Leute so wütend macht? Worin liegt der Grund der Ablehnung?

Ein Schlüssel dafür könnte in der alten Weisheit liegen, dass jeder über sich selbst spricht:

Die Synagogenbesucher unterstellen Jesus Anmaßung – und sind doch selbst anmaßend.

Sie unterstellen Jesus Selbstgerechtigkeit – und sind doch selber selbstgerecht.

Sie unterstellen ihm Eitelkeit – und sind doch selber tief gekränkt und in ihrer Eitelkeit verletzt.

Sie maßen sich an, besser über die Intentionen Gottes und seiner Wege Bescheid zu wissen und halten alles andere für eine Frechheit. Und wer etwas anderes behauptet, der muss dann eben sterben.

Nein, die Berufenen haben immer gegen die menschliche Selbstüberschätzung zu reden. Sie müssen uns immer wieder kränken und auf den Teppich bringen.

Gegenüber Gott haben wir keine Bedingungen zu stellen. Wir sollen uns an seiner Gnade genügen lassen. Und davon gibt er überreich.

Wir sind dazu berufen, ihm zu danken und zu dienen. Das ist bereits eine ganz besondere Gnade.

Und er schenkt sich uns im Wort und im Sakrament. Das sollte uns Ehre genug sein, denn diese Ehrung durch Gott selbst ist unüberbietbar.

(Lukas 4, 21-30)

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