2017

Luther

Wenn Christen miteinander beten, erscheint das Ziel der Einheit naeher. Es hat den Anschein, als wuerde die lange Geschichte die durch mannigfache Zersplitterung gezeichneten Christen wieder zusammengefuegt, wenn sie nach jener Quelle ihrer Einheit strebt, die Christus ist.

Johannes Paul II. (1920 – 2005)

500 Jahre sind eine lange Zeit. Es herrschte damals eine so ganz andere Mentalität, eine so ganz andere Sprache und ein so ganz anderes Lebensgefühl.

Demokratie, Aufklärung, Gleichberechtigung, Kinder- und Tierschutz, Flugreisen und Datenfernverkehr, Eisenbahn und Telefon waren damals undenkbar.

Es gab eine mächtige Polit-Kirche, die dicht verwoben mit weltlicher Gewalt vieles an problematischen Ansichten und Verdrehungen christlicher Theologie und Philosophie vertrat.

Damals trat ein Geistlicher auf, der Veränderungen wollte: Dr. Martinus Luther, Augustinerpater und Theologie-Professor.

Das war nicht zum ersten Mal der Fall. Bereits in den Jahrhunderten vorher gab es solche Menschen, z.B. Franziskus von Assisi oder Elisabeth von Thüringen. Auch sie veränderten die Kirche und trieben Reformen voran.

Bei Luther verhielt es sich anders: Es entstand ein Schisma, eine Kirchenspaltung. Etwas, was für die Kirche als spirituelle Gemeinschaft eine besondere Verwundung bedeutet.

Mittlerweile sind 500 Jahre vergangen. Die Kirche hat sich verändert. Die angeprangerten Missstände sind lange schon Geschichte. Ja, es gab zwischendurch bereits weitere „Reformationen“, z.B. das II. Vatikanische Konzil in den 1960er Jahren und viele weitere Veränderungen.

Für die katholische Kirche steht die Frage an: Was ist an der Reformation und dem Schisma durch Luther zu feiern? Haben wir hier etwas zu feiern?

Eine Theologie der Verdienstlichkeit zum Heilerwerb ist schon lange passé. Das haben auch vor 500 Jahren schon andere Theologen als Luther formuliert, im 13. Jd. z.B. Franziskus. Ist das also etwas feierwürdig Neues? Es gab Bilderstürme und Kriege. Es entstand eine tiefe Kluft in der Kirche auf deutschem Boden. Teilweise bis heute. – Etwas zum Feiern?

Die Kirche Jesu Christi ist diejenige Gemeinschaft, die Gemeinschaft mit Gott und untereinander feiert. In jedem Gottesdienst und eigentlich in jedem Moment. Nun ist Gemeinschaft und Überwindung von Trennung schon etwas ganz anderes als Spaltung und Trennung. Es ist das Gegenteil.

Wir feiern im Glauben die Überwindung von Schuld und Bestrafungsangst im Angesicht des Kreuzes. Ist das vereinbar mit der institutionellen Zementierung eines rein historischen Vorwurfs?

Die Barmherzigkeit Gottes, des gütigen Vaters dürfte das einzige sein, das hier wirklich zu feiern ist. Wie könnte das gemeinsam in guter Weise geschehen?

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