Das ist eine Zumutung!

thomas_guercino

Das ist eine Zumutung!

In den Evangelientexten der Osterzeit werden wir immer wieder mit Schilderungen konfrontiert, die davon erzählen, dass Jesus auferstanden ist und seinen Jüngerinnen und Jüngern leibhaftig erschienen ist.

Ja, in der Begegnung mit Thomas legt der Evangelist Johannes sogar noch eine Schippe oben drauf: Nimm deine Hand und lege sie in meine Wunde, fass mich an, damit du so sicher sein kannst, dass Du glauben kannst.

Das ist kaum vorstellbar. Nach unserer Erfahrung ist es doch so, das jemand der verstorben ist, eben nicht mehr leiblich unter uns ist. Das ist doch auch gerade das Schmerzliche am Verlust eines Menschen:

Dieser Mensch ist jetzt eben nicht mehr so da wie früher.

Wir können nicht mehr direkt miteinander reden, sich anlehnen, zärtlich oder tatkräftig hilfreich sein. Genau diese Realität der Existenz ist doch verloren.

Da ist es doch eine Zumutung, wenn wir glauben sollen, dass Jesus leibhaftig durch verschlossene Türen geht, an anderer Stelle etwas zu Essen verlangt und immer wieder die Apostelgemeinschaft auffordert, ihn anzufassen, um mehr Sicherheit zu gewinnen.

Alle unsere Erfahrungen und auch die Physik und die Biologie sprechen genau dagegen. Das kann nicht gehen.

Und dann kommen wir in die Kirche und die Prediger wollen uns weis machen, dass das alles ginge. Sagen die dort wirklich die Wahrheit, wie sie behaupten?

Das ist doch unglaublich! Eine Zumutung!

So, oder so ähnlich hören wir Menschen sprechen. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir selbst auch schon so gedacht: Das kann doch gar nicht sein!

Die Evangelien sind keine historischen Erzählungen im Sinne eines Geschichtsbuches. Wenn wir so daran gehen, laufen wir genau in die Falle, die ich eben genannt habe: Wir verstehen die Texte nicht.

Was ist eigentlich mit den Erscheinungstexten gemeint und worin liegt ihre eigentliche Kraft auch für unseren Glauben?

Dazu müssen wir stets die Frage: Was ist damit eigentlich im Glauben gemeint? an die Texte richten. Und zwar in dem Sinne von: Welches Unsagbare soll hier ausgesagt werden?

Wir werden dann feststellen, das diese scheinbar so unsinnigen Texte einen besonders tiefen Sinn vermitteln können.

Wir stellen dann fest: Jawohl, es geht hier um eine Zumutung! Es geht um einen zentralen Punkt unserer Religion, die immer eine Zumutung ist. Es geht hier um die Sichtbarkeit der unsichtbaren Welt Gottes.

Ist Gott für uns sichtbar?

In einem vordergründigen, leiblich-physikalischen Sinne ist er es nicht. Im Glauben ist er es. Da haben wir innere Bilder.

Wenn ein geliebter Mensch verstorben ist, ist er dann noch sichtbar? Er ist es vordergründig genauso wenig, aber wir haben innere Bilder, eine innere Sicherheit, dass es das Wesen dieses Menschen noch gibt, das bei mir ist und bei mir bleibt.

Wenn ich also wirklich an die Gegenwart Jesu Christi z.B. jetzt in unserem Gottesdienst glaube – wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen –, dann ist es für diese Realität absolut gleichwertig, ob ich nun behaupte, er ist im Geiste oder leibhaftig da: Er ist da.

Die Vorstellung, er sei menschlich körperlich da, ist eben eine Steigerung meines Glaubens: Ja, er ist wirklich da! Er ist so da, wie meine Banknachbarin und mein Banknachbar. Ganz selbstverständlich und real.

Also erst dann können wir die Intensität unseres Glaubens ausdrücken, wenn wir sagen können: Ja, er ist unter uns da. Er ist wirklich da. So wie du und ich.

Das ist die Aussage der Erscheinungsberichte:

Er ist wahrhaft auferstanden und er ist wirklich bei uns.

In diesem Erleben der Wirklichkeit Jesu Christi ist die Intensität wie wir merken erst mit der leiblichen Beschreibung der Erscheinung abbildbar.

Und in der Eucharistie, besonders in der Kommunion, erleben wir eine weitere Steigerung: Wie sollen wir das ausdrücken, was da passiert?

Da vereint sich unser Schöpfer mit seinen Geschöpfen auf eine ganz wesentliche Weise. Abgebildet im Herrenmahl meint es eine spirituelle Wesensvereinigung mit unserem Gott. Irre. So etwas auszusagen, ist eine Zumutung!

Die Zumutung liegt darin, dass wir hier das Menschlich-weltliche zugunsten des Göttlichen verlassen müssen, was uns einfach überfordert. Es muss unsere Vorstellung, die wir aus der Welt gebildet haben, überfordern, sonst wäre es nicht logisch.

Gott mutet uns das zu. Das bedeutet aber auch: Er hält uns für würdig und fähig, damit umzugehen.

Das ist eine große Ehre und ein großes Geschenk.

Genau wie seine Gegenwart jetzt unter uns. Ganz real.

Im Friedensgruß, in meinen Glaubensschwestern- und brüdern, in den eucharistischen Gaben. Ganz real.

Jetzt und hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.