Den Geist nicht zähmen

Dynamik

Da klingelt immer wieder so ein lästiger Vertreter an der Tür. Auch telefonisch kommt immer wieder so ein penetranter Mensch auf uns zu und belästigt uns.

Das ist unangenehm. Lästig, unbehaglich, unbequem. Immer wieder werden wir dadurch aus unseren gewohnten Abläufen herausgerissen. Es werden unsere Pläne vereitelt und wir sollen wir uns mit den Anliegen beschäftigen, die nun auf uns zu kommen. Unbequem.

 Viel schöner wäre es doch, wenn alles ruhig und friedlich bliebe. Wenn alles hübsch eingetütet und vorhersehbar wäre und ich mich bequem zurücklehnen könnte. Traumhaft.

 – Aber wir wissen es, weil wir es erlebt haben: Es kommt immer anders, als man gedacht hat. Das Leben, der Geist Gottes, ist unruhig – lebendig eben.

 Kann sich denn der Liebe Gott und der Heilige Geist nicht endlich einmal an meine Pläne halten? Ich habe mir doch alles so schön zurechtgelegt. Alles hat seinen Platz und ich habe die Kontrolle darüber. So könnte es doch bleiben.

 Nein. Es kommt anders. Im Volksmund heißt das: Es iss owwer ouch als wos annesch. Wannses ey net is, isses es annen.

 Was bedeutet das?

 Es bedeutet ganz einfach, dass wir Menschen nicht die Herren dieser Welt sind, was wir allerdings gern wären. Dieses Ansinnen ist so alt wie die Menschheit selbst. Wir wollen uns sicher fühlen, alles im Griff haben: Planungssicherheit.

 Wenn das gelänge, wären wir gottgleich: Wir hätten uns selbst erlöst. Das klappt aber nicht.

 Warum?

 Weil eben Gott Gott ist und niemand anderes. Und weil das genau die Wahrheit ist und nichts anderes. Dieser Wahrheit haben wir uns zu unterwerfen, auch wenn uns das noch so unangenehm und lästig ist.

 Alle menschlichen Wahrheiten sind eben keine Wahrheit, sondern Lüge. Und die hat irgendwann ein Ende, wie wir wissen, Denn irgendwann kommt eben alles ans Licht. Eben an das Licht der Wahrheit, das Christus selber ist, wenn er uns dereinst mit uns selbst und unserem Leben konfrontiert.

 Ich zitiere aus einer Predigt von Papst Franziskus vom 16. April:  „Um es klar zu sagen: Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung. Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche, weiter zu gehen. Aber wir sind wie Petrus bei der Verklärung, ‚Ah, wie schön ist es doch gemeinsam hier zu sein.’ Das fordert uns aber nicht heraus. Wir wollen, dass der Heilige Geist sich beruhigt, wir wollen ihn zähmen. Aber das geht nicht. Denn er ist Gott und ist wie der Wind, der weht, wo er will. Er ist die Kraft Gottes, der uns Trost gibt und auch die Kraft, vorwärts zu gehen. Es ist dieses ‚vorwärts gehen’, das für uns so anstrengend ist. Die Bequemlichkeit gefällt uns viel besser.“

An anderer Stelle sagt er:

„Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar auch Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück: Das ist dickköpfig, das ist der Versuch, den Heiligen Geist zu zähmen. So bekommt man törichte und lahme Herzen. (…) Dasselbe gilt auch für das eigene geistliche Leben: Der Heilige Geist drängt zu einem Leben gemäß dem Evangelium, aber wir sind zu bequem, wir widerstehen.“

 Aber warum ist das so?

Sicher ist es so, dass wir bequem sind. Sicher ist es auch so, dass wir eitel sind und es genießen würden, wenn unsere Pläne verwirklicht werden könnten.  Aber ist es nicht auch so, dass uns die Vorstellung, nicht die Kontrolle zu besitzen, sondern vom Geist geleitet zu werden, nicht auch Angst macht?

 Ja, wo kommen wir denn da hin, wenn wir die Kontrolle nicht hätten?

In denjenigen Lebenssituationen, in welchen uns diese vermeintliche Kontrolle aus der Hand geschlagen wird, kommen wir genau an diese Grenze. Und da entscheidet es sich dann, ob ich ein tragfähiges Gottvertrauen habe, oder ob ich daran verzweifeln muss, dass meine Pläne dahin sind.

Paulus schreibt genau dazu folgendes an die Gemeinde in Rom:

Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Bei Luther heißt der erste Satz dieses Abschnittes passend knackig:

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Hier wird eben ausgesagt, dass wir uns auf die liebevolle Führung Gottes durch den Heiligen Geist verlassen dürfen. Wir werden eben nicht ins Verderben laufen, wenn es nicht nach unserem Kopf geht.

 Der Heilige Geist ist lebendiger, als wir uns vielleicht vorstellen können. Er ist mit Sicherheit liebevoller, als wir selbst es hinbekommen. Und er lässt sich nicht eingrenzen, zähmen, an die Leine legen. Aber er meint es gut mit uns.

 Wie oft kommt es vor, dass unsere Pläne und Aktionen schief gelaufen sind und wir hinterher feststellen dürfen, dass es letztlich besser war, dass sie schief gelaufen sind?

 Gerade das soll uns Trost sein. Aber noch viel mehr Ermutigung, uns auf das Abenteuer einzulassen, mit Freude auf die himmlische Achterbahn zu steigen.

 Nur hier ist die Freiheit von der Angst zu versagen, Freiheit von der Angst, die Kontrolle zu verlieren (die wir letztlich sowieso nicht haben)

– und Freiheit von unserer selbstüberfordernden Überheblichkeit.

 

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