Ein Heide als Glaubensvorbild?

Hauptmann von Kafarnaum

Da staunt selbst Jesus. Ein heidnischer Mann, ein römischer Offizier bittet ihn um seinen Beistand für einen Sklaven in seinem Hausdienst.

Dabei offenbart dieser Mensch nicht nur seinen tiefen Glauben, sondern auch eine ganz besonders wertvolle Gesinnung.

Und wir sollten uns diesen Mann, diesen mächtigen Soldaten, einmal etwas genauer anschauen. Wir können von ihm und aus dieser gesamten Angelegenheit eine Menge lernen.

Oberflächlich betrachtet handelt sich bei dieser Evangelien-Perikope um einen Heilungsbericht, wie es viele im Evangelium gibt: Jesus wird um Hilfe gerufen und ein offenbar unheilbar kranker Mensch wird geheilt.

Aber irgend etwas ist an dieser Geschichte anders.

Hier ist es nicht ein Hilfebedürftiger selbst, oder ein Angehöriger eines Hilfesuchenden, der um Hilfe bittet. Sondern ein Vorgesetzter, der mit dem Kranken nicht verwandt ist.

Hier ist es nicht ein Jude oder ein Angehöriger des „Neuen Weges“, der Glaubensgemeinschaft um Jesus. Hier ist es ein heidnischer römischer Soldat und Offizier.

Hier ist es nicht die direkte Ansprache an Jesus. Hier ist es aus Ehrfurcht und Demut die Vermittlung durch Boten, die allerdings den Bittsteller selbst und leibhaftig vertreten. Es sind jüdische Älteste, die ein gutes Wort für den Hauptmann und sein Anliegen einlegen.

Wie reagiert Jesus auf die Anfrage?

Er macht sich auf und geht mit den Boten zum Haus des Hauptmannes. Unterwegs wird er von Verwandten quase wieder ausgeladen: Voller Demut lässt der Hauptmann ausrichten, dass schon allein das Wort Jesu geglaubt werde und heilend sei.

Und als diese ohne Jesus wieder im Hause des Hauptmannes eintreffen, ist der Diener gesund.

Aber wir wollen noch genauer hinschauen:

Was ist das für ein besonderer Mann mit diesem besonderen erstaunlichen Glauben. Was wissen wir über ihn?

Er ist ein römischer Hauptmann, der die militärische Ordnung von Befehl und Gehorsam kennt. Er kann befehlen, aber er kann sich auch demütig unterordnen.

Er schätzt seinen todkranken Diener, einen Sklaven, so sehr, dass er sich selbst um Hilfe bemüht. Das ist nicht selbstverständlich.

Er wird von den jüdischen Ältesten, die er als Boten gesandt hat, sehr gelobt. Er verdiene Hilfe, weil der das Volk liebt und den Juden eine Synagoge gebaut hat.

Er ist so demütig, dass er es nicht wagt, Jesus direkt anzusprechen. Ja, er hält sich nicht einmal für würdig, dass Jesus sein Haus betritt. In seinem tiefen Glauben reicht ihm das Wort Jesu.

Und Jesus nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass der Glaube dieses Mannes größer ist, als bei sehr vielen Israeliten.

Der Hauptmann von Kafarnaum liebt, er demütigt sich, er demütigt sich sogar für seinen Knecht und baut den Angehörigen einer Religion, welcher er nicht angehört eine Synagoge. Und er glaubt an Gott und dessen gesandten Messias so sehr, dass ihm sein Wort genügt.

Welch ein Glaubensbeispiel!

Wie oft hören wir Menschen sagen: Ja, wenn Jesus jetzt käme und direkt bei uns wäre, das wäre sicher eine Glaubenshilfe.

Diese Geschichte sagt uns etwas anderes. Sie sagt uns genau das, was Jesus zu Thomas nach Ostern sagte: Selig, wer nicht sieht und dennoch glaubt.

Unser Glaube hat eben nichts mit optischem Sehen zu tun, sondern vielmehr mit Erkennen.

Der Hauptmann hat Jesus nicht von Angesicht sehen müssen, um zu erkennen, dass er der Gesandte Gottes ist, der das Heil in die Welt bringt. Er hat es geglaubt. Und darin liegt das Heil und die Heilung. Hier auch für den Diener des Hauptmannes.

Dieses Glaubenszeugnis eines Heiden macht ebenso wieder klar, dass Jesus zu allen Menschen gekommen ist. Und alle diejenigen, die ihn als den Messias Gottes erkennen und erkennen wollen, werden Anteil am Heil haben. So schreibt es auch der Apostel Paulus.

Dieses Glaubenszeugnis ist so bemerkenswert und zentral auch für uns Katholiken, dass es an zentraler Stelle Eingang gefunden hat in unsere Liturgie:

Nachdem unter dem Gesang des Agnus Dei das Eucharistische Brot gebrochen wurde, zeigt der Priester die gebrochene Hostie der Gemeinde mit den Worten des Täufers aus dem Johannes-Evangelium:

„Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“.

Die Gemeinde antwortet:

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Dabei wird zumeist gekniet, verbreitet ist auch das dreimalige Klopfen an die Brust.

Auch wir bezeugen damit genau diesen Glauben des Hauptmannes von Kafarnaum, von dem diese Worte überliefert sind.

Auch wir sagen damit, dass wir an Jesus Christus, den Messias Gottes glauben, auch wenn er als Mensch nicht direkt unser Haus betritt.

Wir wissen im Glauben von seiner Heilsmacht allein in seinem Wort, und wir bezeugen unsere Demut seiner Göttlichen Herrlichkeit gegenüber.

Und gleichzeitig erinnert uns dieser kleine Ritus immer wieder an die beispielhafte Persönlichkeit eines heidnischen Soldaten und Offiziers, der sich für seinen Knecht, die Andersgläubigen und für sein Volk kümmerte und erniedrigte.

Wenn wir nach dem Agnus Dei diese Worte sagen, können wir nun noch bewusster darin unser Glaubensbekenntnis, unser Demutbekenntnis und unsere Heilungshoffnung spüren, die uns mit dem römischen Soldaten und allen Gläubigen – auch diejenigen, von denen wir es am wenigsten erwarten – vereint.

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