Alles Prekariat

Prekariat

 

Prekariat ist ein neues Wort, das sich ableitet vom lateinischen precarium, der Bittleihe und preces, den Bitten. Es bedeutet, dass etwas auf Zeit widerruflich überlassen wird und damit keine Bestandssicherheit des Nutzungsverhältnisses zulässt. Es kann jederzeit genommen werden.

Prekariat meint heute hauptsächlich sozial schwache Menschen in unsicherer wirtschaftlicher Lebenssituation.

Es ist jedoch darüber hinaus ein wichtiger Begriff, der es verdient einmal etwas näher betrachtet zu werden.

Da nichts auf der Welt eine Bestandsgarantie besitzt, könnte man diesen Begriff ausweiten und behaupten, dass alles prekär ist. Alles kann jederzeit vergehen. Irgendwie.

Und besonders die Menschen trachten danach, irgendwelche Nachhaltigkeit zu entwickeln, welche sich dieser Vergänglichkeit entgegenstellt. Weil uns die Vergänglichkeit Angst macht.

Häuser werden möglichst haltbar gebaut, Politiker versuchen vieles Redliche und manchmal auch Unredliche, um ihr Amt zu behalten oder wieder gewählt zu werden, Vorräte werden möglichst für lange Zeit konserviert und schließlich wird das Geld erfunden, als materielles Wertsymbol für etwas, das man eigentlich nicht festhalten kann. Und so geht auch zuweilen eine Währung unter.

Auf was können wir uns stützen, was trägt uns letztlich? Materielle Güter und Besitz haben stets den Nachteil, dass sie prekär sind und wir uns Sorgen und Ängste machen um den möglichen Untergang der Dinge. Zu recht. Ja, aber was beruhigt mich denn dann? Was kann mich trösten, was taugt als ruhiger Ankerplatz für mein inneres Empfinden?

Wir können Anzeichen davon durchaus erleben. Natürlich auch wieder eher symbolhaft – aber spürbar. Zum Beispiel, wenn wir krank sind und jemand uns fragt, was wir brauchen oder uns einen Tee kocht. Zum Beispiel, wenn ein ehrlicher Finder uns etwas Verlorenes zurück gibt. Zum Beispiel, wenn jemand in einem schweren Moment meine Hand nimmt.

Was ist das, was da hinter diesen Zeichen, zwischen den Zeilen aufleuchtet?

Es ist Gott selbst. Liebe. Nicht käuflich. Prekär nur und vor allem im Zusammenhang mit Menschen.

Gottes Liebe wird uns nämlich nicht genommen. Sie ist treu, verlässlich, heilsam, unvergänglich. Mein Gebet, meine preces, stellen diese Liebe weder her, noch beeinflussen sie die Liebe Gottes. Aber in meinem Gebet mache ich mir diesen Halt in der Liebe Gottes bewusst. Und das hilft mir leben. Ich brauche keine Angst um mehr mich selbst zu haben.