Was ist in Limburg eigentlich los? – Versuch einer Analyse

Praxis

Das diözesane Zentrum in Limburg ist ein wunderbares Gebäude: Schlichte Eleganz, zeitlose Schönheit, die noch viele Jahrzehnte diese Bedeutung nicht verlieren wird. Die Kosten sind hoch.

Aussagen über Flüge und andere Fehler sind offenbar geworden. Aber wieso lösen diese Dinge solch eine Hetze auf einen einzelnen Menschen aus?

In der Politik, in großen Bauvorhaben unserer Tage, werden ein Vielfaches der mehrfach genannten Limburger Summe verbraten, ohne dass man in dieser Weise z.B. Herrn Wowereit durch alle Zeitungen und Plattformen jagt.

Was ist passiert? Wie lassen sich diese Dinge in einen Zusammenhang bringen?

Der aktuelle Bischof zu Limburg ist Nachfolger von Bischof Franz Kamphaus, der sich in besonderer Weise demütig und sparsam, kooperativ und offen verhielt und verhält. Während seiner Amtszeit bewohnte er nicht die Bischofswohnung, sondern wenige Quadratmeter im Priesterseminar und fuhr ein kleines Auto. Mit den Priestern, Diakonen, Pastoral- und GemeindereferentInnen ging er wertschätzend und freundschaftlich um. Letztere waren ihm auch als SeelsorgerInnen wichtig, z.B. in der Kategorialseelsorge, etwa in Krankenhäusern.

Als er die Domstadt aus Alters- und Krankheitsgründen in den Ruhestand verließ, bezog er wiederum wenige Quadratmeter in der Behinderteneinrichtung des Vinzenz-Stiftes in Aulhausen (Rüdesheim).

Bischof Tebartz-van Elst kam aus dem Bistum Münster und genießt das besondere Wohlwollen von Kardinal Meisner in Köln. Den notwendigen Prozess der Bistumsneustrukturierung legte er – vielleicht ungeschickt – autoritär an: Während in anderen Bistümern die Mitarbeit und Mitverantwortung der Gläubigen, der pastoralen MitarbeiterInnen und Laien-Räten angestrebt wurde, wenn z.B. Gemeinden fusionieren sollten, ordnete er die neue Struktur an. Damit machte er sich nicht gerade beliebt.

Zum anderen vertrat er die Ansicht, dass die Bezeichnung „Seelsorger“ lediglich geweihten Männern, also dem Klerus zusteht, was weitere Berufsgruppen und Gläubige verletzte.

Letztlich scheint bei den Bauvorhaben ebenfalls die Kommunikationsstruktur ungünstig gewesen zu sein, so dass sich nun Teile der beratenden Gremien über den Tisch gezogen fühlen.

Unter dem Strich erscheint es nun so, dass die sozialen Verhaltensweisen und die Kommunikationsstruktur letztlich die Stimmung und die Abneigung vor allem gezeitigt haben. Da fühlen sich viele übergangen, verletzt und gedemütigt. Die einzelnen „Vergehen“ mögen dabei letztlich gar nicht so schwer wiegen: Sie sind lediglich Projektile.

Nun zur Frage der psychologischen Prognose:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die soziale Verhaltensstruktur und Kommunikationsmuster durch schlichte Appelle, Erklärungen oder Ermahnungen ändern werden, ist nahezu durchsichtig. Um komplexe Verhaltensstrukturen nachhaltig zu ändern, braucht es längere therapeutische Arbeit, welche allerdings den Erfolg auch nicht in jedem Fall garantieren kann.

In der aktuell eskalierten emotional vergifteten Situation werden aufrechterhaltende Entscheidungen nur zu weiterer Eskalation führen. Man schäumt. Das bedeutet sicher nicht, dass das angemessen sein muss oder auch gerecht. Aber es ist eine emotionale Wirklichkeit, die nicht übergangen werden darf, wenn man die Risiken beschränken möchte.

Wie auch immer die „Schuld“ verteilt werden wird:

Im Interesse aller Beteiligten sollte man sich trennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.