Wie sich die Zeiten ähneln! – hier: Martin Luther über Globalisierung und Schuldenkrise

 

Handelbarock

Dass Kaufen und Verkaufen eine notwendige Sache ist, kann man freilich nicht leugnen. Man kann es nicht entbehren und kann es auch durchaus in christlicher Weise tun, besonders in den Dingen, die notwendig sind und einem zur Ehre gereichen. So haben auch die Patriarchen verkauft und gekauft Vieh, Wolle, Getreide, Butter, Milch und andere Güter. Es sind Gaben Gottes, die er aus der Erde gibt und unter die Menschen austeilt.

Aber der ausländische Handel, der aus Kalkutta, Indien und anderswoher Waren hereinbringt. z. B. diese kostbaren Seiden, Goldwaren und Gewürze, die nur zur Prachtentfaltung dienen, aber keinen Nutzen bringen, der zieht Land und Leuten das Geld aus [der Tasche] und sollte nicht zugelassen werden, wenn wir eine Regierung und einen Fürsten hätten.

Aber darüber will ich jetzt nicht schreiben, denn ich meine, dass es. wenn wir dann schließlich kein Geld mehr haben, von selbst unterbleiben muss so wie auch der Kleiderluxus und das Fressen. Schreiben und Belehren helfen doch ohnehin nicht, bis uns nicht Not und Armut zwingen.

Gott hat uns Deutsche fallen lassen, so dass wir unser Gold und Silber in fremde Länder wegwerfen müssen, alle Welt reich machen, selber aber Bettler bleiben.

England würde wohl weniger Gold besitzen, wenn ihm Deutschland nicht sein Tuch abkaufte, und der König von Portugal würde auch weniger haben, nähmen wir ihm nicht seine Gewürze ab.

Rechne selber nach, wieviel Geld während einer Frankfurter Messe aus Deutschland herausgebracht wird ohne Notwendigkeit und Grund! Du wirst dich wundern, wie es kommt, dass überhaupt noch ein Heller in Deutschland ist. Frankfurt ist das Silber- und Goldloch, durch das alles abfließt, was wächst und gedeiht, bei uns gemünzt und geprägt wird. Wäre dieses Loch zugestopft, brauchte man sich jetzt nicht die Klage anzuhören, dass es überall nichts als Schulden gibt, aber kein Geld und dass alle Länder und Städte mit Zinsen belastet und vom Wucher ausgesogen sind.

Aber lass es gehen, wie es will. Wir Deutsche müssen Deutsche bleiben. Wir lassen es nicht, wenn wir nicht gezwungen werden.

(WA 6, 36)

D. Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe (Weimarer Lutherausgabe, abgekürzt WA), 120 Bände, 1883–2009

 

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