Auf Diebestour durch den Advent

Die dunkle Jahreszeit lockt wieder mehr Einbrecher an. Im Schutz der Dunkelheit versucht so mancher sich zu bereichern.

Was denken Sie, wie es Leuten geht, die abends heim kommen und feststellen, die Tür ist aufgehebelt, die Sachen durchstöbert, alles liegt auf dem Boden, das ein oder andere ist weg. Einiges ist zu Bruch gegangen?

Menschen, bei denen eingebrochen wurde beklagen noch nicht mal so sehr die Wertgegenstände, die weg sind, als das Gefühl nicht mehr sicher zu sein. Da ist jemand in den eigenen Bereich eingedrungen. Da wurde die Intimsphäre verletzt.

Seltsam ist es da schon, dass es in der Bibel einen Vergleich mit Diebstahl gezogen wird. Christus – der Dieb? Jesus, der unsere Intimsphäre durchbricht und plötzlich in unser gut geschützte, innere Geheimnisse eindringt. Der Plötzlich sieht, wie es tatsächlich in uns aus sieht und wie es mit uns bestellt ist! Ein recht komische Vorstellung, mit leichtem Unbehagen.

MT 23, 42  Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

 

Wachsam sein. Aufpassen dass nicht etwas plötzlich verloren geht oder geklaut ist. Was für wichtige Sachen können geklaut werden? Weg gerissen wird die Illusion, wir könnten unsere Gefühle, Gedanken, unsere Sehnsüchte und Antriebskräfte auf Dauer nach Außen verbergen. Irgendwann steigen alte U-Boote immer wieder auf.

Weg kommen können aber auf ganz heimliche Art und Weise Dinge, die uns gar nicht immer so bewusst sein.

Unsere Aufmerksamkeit dafür, was gerade heute wirklich notwendig ist. Das wirklich Wichtige erkennen, hinter dem scheinbar so Wichtigen.

Unsere Achtsamkeit auf uns selbst, dass wir uns nicht auffressen lassen von allen möglichen Ansprüchen, Gedanken, Sorgen …

Unsere Zuversicht, dass wir auch mal großzügig über Dinge hinweg sehen können, gerade wenn es uns gegen den Strich geht

Unser Gespür, dass da in unserem Leben noch tiefe Saiten gibt, die gerne anklingen würden und in Schwingung versetzt werden wollen. Saiten mit einem schon fremd gewordenen Klang, den man Geist, Gott und Begegnung mit Christus nennt. Geklaut werden können Dinge wie Güte, Liebenswürdigkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität und Lebensmut.

Einfach wachsam sein für das Leben um uns und in uns. Ich wünsche Ihnen heute etwas Wachsamkeit in diesem Sinn.

Gebet:

Guter Gott, ich will dir mein Leben hinhalten. Ich will dir meine ganze Person offenlegen, so wie ich bin. Du kennst sowieso schon meine tiefsten Geheimnisse, Gedanken und Befürchtungen. Gib mir Wachsamkeit. Gib mir Achtsamkeit, dass ich mir das Wichtige nicht stehlen lassen: Den Blick für die Not in den Augen der Leute um mich; die Bereitschaft zum Verstehen, zur Güte und  zum Verzeihen. Hilf mir aufzupassen auf meinen Lebensmut, auf Schöne und Gute. Halte meine Augen auf – nur einen Spalt weit – , damit ich dich erkenne, wenn du vor mir stehst. Amen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.