Diebestour: Soll der Chef wirklich kommen?

Der Dieb möchte mit Sicherheit nicht, dass ihn jemand stört oder dass gar die Hausherr und die Bewohner vorzeitig zurück kommen.
Vielleicht wollen wir im Grunde auch gar nicht, dass es wirklich Weihnachten wird. Man stelle sich das mal vor! Jesus, der Christus, der Chef selbst käme plötzlich in unser Leben. Gerade haben wir es uns so gemütlich eingerichtet. Im Wesentlichen läuft doch alles ganz gut. Wir haben es uns gerade gemütlich gemacht mit der Sicherheit eines zwar nicht üppigen, aber ausreichenden Einkommens. Man wird zwar ab und zu krank, aber der Doktor kann`s schon richten. Der Kühlschrank ist gut gefüllt. Man freut sich auf die Geselligkeit am Abend, oder zumindest die Zerstreuung vorm Fernsehen. Ab und zu muss man noch was mit den Kindern regeln – aber das klappt schon ganz gut und wir können zufrieden sein. Wirklich Sorgen um die Zukunft brauchen wir uns nicht zu machen – die Aufgeregtheit in der Zeit muss doch sein, sonst wär es ja zu langweilig.
Wenn es Probleme gibt, haben wir unsere Problemlöser: den  Arzt, der Rechtsanwalt, der Handwerker, der Sozialpädagoge, das Jugendamt, das Arbeitsamt, den Versicherungsvertreter, die Polizei. Wir haben alles ganz gut geregelt und im Griff.
So richtig brauchen tun wir diesen Jesus nicht! Wenn der jetzt käme – der würde nur stören. Er würde uns wie die Hirten aufscheuchen uns in Bewegung bringen und aufbrechen lassen.
Womöglich müsste ich mein Leben ändern, zumindest an der ein oder anderen Stelle. Ich müsste meinen Groll auf die blöde Kuh neben an aufgeben. Wahrscheinlich verlangt er sogar, dass ich mich mit diesem Arsch von …versöhne.
Ich müsste die Not der Flüchtlinge in Lampedusa tatsächlich an mein Herz lassen. Er würde verlangen, dass ich die Menschen ansehe, wie er sie halt als Menschen ansieht. Nicht nur als Kollege, als nervende Kunden, störrischen Alten, verlogene Schmarotzer oder …
Er wollte vielleicht sogar, dass ich ihn ganz und gar in mein Herz aufnehme. Christus in meinem Herzen? Gott direkt in mir. Ein Herz das staunt, ergriffen wird und das dann aufweicht zur Menschenfreundlichkeit und Gottesoffenheit?
Nein – es ist doch besser, wenn alles so bleibt wie es ist. Der Wohnungsinhaber kann sich noch ein bisschen Zeit nehmen. Das Ganze ist ein Stück weit zu unheimlich.

Die Geschichte von Hirten, die es sich gerade am Feuer zu richtig warm gemacht hatten, die ihre Ruhe haben wollten, aufgescheucht wurden durch einen penetranten Engel. Ein paar Hirten, denen der Schlaf geraubt wurde, die sich aufmachten und Christus suchten. Eine Geschichte, die die Hirten verändert hat und die die Leute um sie veränderte. Einfache Menschen, die erfahren haben, dass sie keine Angst vor Veränderungen haben müssen, sondern dass man Staunen kann, und in aller Aufgeregtheit sich ein neuer Friede einstellen kann.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
Verherrlicht ist Gott in der Höhe /
und auf Erden ist Friede /
bei den Menschen seiner Gnade.
…Die Hirten sagten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.“

Die Hirten kehren zu ihrer Arbeit. Sie müssen wir zu ihren blökenden Schafen, dem störrischen Hund und in die Kälte. Aber es sind andere Menschen geworden. Ihr Innerstes hat sich verändert und sie sehen die Welt mit anderen Augen. Auch wir müssen immer wieder in die Welt und unser Leben zurück. Ich wünsche Ihnen die Veränderung der Weihnacht, der von Gott geweihten Nacht.

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