Was – und vor allem: wem – kann man schon glauben?

Nebel

 

Neulich kam es zu einer Begegnung der besonderen Art.

Ein Laubfrosch fiel in einen Brunnen.

Dort lebte ein Brunnenfrosch, der im Brunnen geboren war und noch nie außerhalb des Brunnens war. Zunächst herrschte Schweigen. Beide hatten einen großen Schrecken bekommen. Der Laubfrosch war noch etwas benommen vom tiefen Sturz und dem heftigen Aufprall. Der Brunnenfrosch war schockiert, weil er so etwas grünes noch nie gesehen hatte.

Irgendwann die Frage: Quak, wer bist den Du?

Die Antwort: Laubfrosch.

Was ist denn das?

Und so kam es zu einem Gespräch zwischen den beiden, wo jeder dem andern aus seinem Leben und seiner Lebensumgebung berichtete.

Danach wieder längeres Schweigen.

Und dann endlich der Schlusssatz des Brunnenfrosches: Du lügst.

Glauben und Glaubenmachen sind nicht einfach.

Da könnte ja jeder kommen und etwas erzählen.

Da berichten einige von phantastischen Erlebnissen aus Urlaubsreisen, z.B. Ritte auf Elefanten, Kamelen, Delphinen, Walen, Bekanntschaften mit netten Meerjungfrauen und Klabautermännern.

Andere berichten von Erlebnissen bei der Jagd, z.B. von selbsterlegten 16Endern (kapitale Hirschbullen), von riesigen Wildsauen, von gehörnten Hasen, gefiederten Dachsen und persönlichen Begegnungen mit Elben, Hobbits und Drachen.

Wieder andere erzählen von geheimnisvollen Erfahrungen, spiritistischen Sitzungen, Hellseherei, unsichtbaren Dingen, wunderbaren Visionen, z.B. bei der Kirmes nach 20 Gläsern Bier und so weiter.

Kann man das alles einfach so glauben?

Sicher ist es gut, wenn wir da eine gewisse Skepsis und eine gewisse Zurückhaltung üben, denn es wird viel gelogen und übertrieben.

Und oft ist das Ziel dieser Erzählungen, dass diese Menschen bestaunt und bewundert werden wollen, die uns da diverse Bären aufbinden wollen.

Aber wie ist es denn dann umgekehrt?

Stellen wir uns einmal vor, wie hätten eine ganz besondere Erfahrung gemacht und möchten die unseren Leuten zuhause mitteilen.

Und, wie könnte es anders sein, stoßen wir auf genau diese Zurückhaltung und Skepsis:

Du erzählt ja ein Zeug! Und das sollen wir Dir wirklich glauben? Was hast Du denn eingenommen gehabt? Vielleicht bist Du ja auch nicht mehr ganz gesund?

Bezüglich dieser Schwierigkeit als Zeuginnen und Zeugen einer Wahrheit, die nicht mal eben auf den Tisch zu legen ist, sitzen wir mit Jesus und mit den Propheten in einem Boot:

Uns wird nicht geglaubt.

Naja, schon so ein bißchen, aber eben nicht wirklich.

Wenn Sie einmal bei Ihren Bekannten nachfragen würden, ob sie an Gott und das Jenseits, das Reich Gottes und das ewige Leben glauben, was würden sie hören?

Also, irgendwie glaub´ ich ja schon, dass es da etwas gibt, das größer ist, als wir.

Ob wirklich nach dem Tod noch etwas kommt, weiß man ja nicht. Ich wüsste es gern, wie das ist, aber so richtig fest glauben, dass es dann weitergeht, fällt mir schwer.

Gott? Wie soll der denn aussehen? Ein alter Opa auf der Wolke mit Rauschebart? Das kann ich irgendwie nicht glauben.

Manchmal glaube ich schon, dass meine verstorben Lieben noch irgendwo sind. Zumindest würde ich mir das wünschen.

So, oder so ähnlich würden wohl die Antworten ausfallen, richtig?

Ich habe schon öfter in meiner beruflichen Arbeit damit zu tun gehabt, dass Menschen dem Tod sehr nah waren und dabei besondere Dinge erlebt haben.

Das, was diese Menschen erzählen, lässt sich oft in erstaunlich guten Zusammenhang mit der Predigt Jesu über das Reich Gottes in Einklang bringen.

Doch diese Menschen haben zwei große Probleme:

Das erste Problem ist, dass es mit unserer menschlichen Sprache äußerst schwierig ist, Sachverhalte zu beschreiben, die es hier so nicht gibt:

z.B. andere Farben, andere Klangerlebnisse, Bewegungserlebnisse, Lichterlebnisse, Begegnungserlebnisse oder gar der durchgängige Bericht aller Betroffenen, dass es ein Erleben und Verstehen ohne Sinnesorgane gibt, das zwar einen sinnvollen Ablauf hat, aber die Zeit dabei entweder nicht existiert oder zumindest keinerlei Rolle spielt.

Wie soll man so etwas beschreiben, dass es wirklich auch gut verstanden wird? Und da sind wir schon beim zweiten Problem:

Das zweite Problem ist, dass einem niemand glaubt.

Ja, das kommt, weil im Sterben so viele Endorphine und andere Hormone ausgeschüttet werden, dass es zu solchen Halluzinationen und Phantasien kommt. Das ist halt wie Träumen.

Und wie kommt es dann, dass eine Frau während ihres Nahtoderlebnisses mit der Oma spricht, die zeitgleich an einem anderen Ort verstarb und nach ihrem Aufwachen berichten kann, dass diese Oma verstorben ist, ohne es von jemandem anderen erfahren zu haben?

Wir wissen es nicht. Wir können ihr nur glauben.

Unser heutiges Evangelium nimmt das Osterereignis ein wenig vorweg. Es gibt viele Parallelen, wenn man einmal sehr genau nachliest. Es lohnt sich. Ich möchte es ihnen einmal empfehlen.

Doch zuerst zum Glaubensproblem mit der Verkündigung:

Jesus hat das gleiche Problem: Meister, wenn Du hier gewesen wärst, wäre Lazarus noch am Leben.

Jesus sagt: Dein Bruder wird auferstehen.

Ja, am jünsten Tag.

Jesus sieht die Not und das Leid der Hinterbliebenen und Trauernden. Er wird so sehr davon angerührt, dass er weint.

Und er wird innerlich sehr unruhig. Er hatte schon bevor er in Bethanien ankam erklärt, dass diese Ereignis geschehen müsse, damit der Menschensohn verherrlicht würde, aber er scheint noch mit dem Machtwort zu zögern. Doch dann hält er es nicht mehr aus: Er muss ein Zeichen setzen. Er bittet seinen Himmlischen Vater und seine Bitte wird erhört: Lazarus tritt aus dem Grab hervor und – geht. Er bleibt nicht. Er geht weiter.

Übrigens sind die Folgen dieser Zeichenhandlung Jesu sehr schwerwiegend:

Es kommen ungeheuer viele Menschen zum Glauben an ihn und direkt darauf lesen wir im Johannes-Evangelium vom Tötungsbeschluss der Hohepriester: Jesus soll sterben.

Die Hohepriester glauben offensichtlich nicht: Sie meinen, man könnte die Wahrheit und das Leben selbst töten. Sie haben nicht verstanden, dass genau wie Lazarus auch andere Menschen unsterblich sind.

Unsterblich? Auch wir? Was glauben Sie?

 

 

 

 

 

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