Angekommen! – „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“

Wanderstiefel

Wenn wir mit Pilgern und Wallfahrerinnen einmal genauer überlegen, ob dieser Satz: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ so stimmt, dann kommen wir ins Stutzen:
Ist das wirklich unser letztes Ziel?
Das ist es ganz sicher nicht.

Aber ein Ziel ist doch erreicht: Sie sind jetzt, wie geplant, an dem Ort eingetroffen, wo sie wohl auch hin wollten.
Treffender bezeichnen wir das wohl eher mit dem Erreichen eines Etappen-Zieles.

Und genau darum soll es heute hier gehen:
Um die Unterscheidung des letztendlichen Zieles von den vielen irdischen Etappen-Zielen, die wir so zu erreichen haben.

Im chinesischen Taoismus gilt als die höchste Maxime, dass der Weg selbst, das Tao, der Sinn und damit das Ziel des ganzen Lebens sei:
Der Weg ist das Ziel.
Das ist sicher nicht ganz falsch:
Das Leben ist ein Prozess, ein Fortschreiten, ein Weg, eine Bewegung, die von niemandem aufzuhalten ist, genau so wie auch die Uhr nicht angehalten werden kann.

Dass allerdings das reine Unterwegssein bereits der Sinn des Lebens sei, wäre genauso fragwürdig, wie es der Sinn der Zeit sein kann, dass sie vergeht:
Wir können unser Leben auch verschlafen oder vertrödeln, wir können damit also auch Zeit verbringen, ohne, dass es irgendwie für uns fruchtbar wäre.

Das reine Gehen eines Weges und das reine Vergehen der Zeit wirkt als Begründung und Sinn-Quelle ein wenig dürftig.
Vielleicht geht es doch eher darum, dass auf unserem Weg durch die Zeit etwas anderes passieren soll, das der wirkliche Sinn dieses Lebens ist.

Viele suchen sich ihren Sinn in ihren vielen Etappen-Zielen.

Da wird jeweils das nächste Fest, die nächste Party, die nächste Beförderung, die nächste Rast auf der Pilgerstrecke, der nächste Auftritt, das nächste entscheidende Fußballspiel und was es da sonst noch gibt, als das Höchste angesehen.

Aber: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Es geht dann in dieser Oberflächlichkeit immer so weiter.
Alle diese Dinge sind sicher schön und für viele auch eine Leidenschaft, – aber geben sie wirklich dem Leben einen letzten Sinn?

Andere suchen Sinn und Lebensziel in der Perfektion.
Wäre das vielleicht ein würdiges Ziel?

Wenn etwas in dieser Welt perfekt ist, kann es allerdings nicht mehr weiterentwickelt werden: Es ist fertig. Unwandelbar. Und damit in gewisser Weise tot.
Perfekt bezeichnet ja in der Grammatik die Vergangenheitsform.

Wenn also etwas lebendig, weiterentwickelnd und beweglich bleiben soll, kann es nie perfekt sein.
Das gottgeschaffene Leben ist ja gerade darin perfekt, dass es nirgendwo durch den Menschen wirklich verbessert oder perfektioniert werden könnte.

Es ist das Wunder des Lebens und und des Lebensweges, dass die Erkenntnis quasi zwischen den Zeilen zu finden ist und die Dinge stets irgendwie mangelhaft bleiben.
Wie wir selbst.

Thema heute: Lebensziel und Zielerreichung

Gott sendet den Abraham, den Urvater aller monotheistischen Religion, aus seiner angestammten Heimat weg „in ein Land das ich dir zeigen werde“.
Es ist das gelobte Land, das Land Kanaan. (Gen 12, 1-5)

Damit ist sicher zum einen eine konkrete geographische Landschaft, das Land Kanaan, gemeint,
aber genauso sicher auch die theologische Beschreibung des Gottesreiches am Ende des Lebensweges:

Ein Land, das noch nicht näher beschrieben wird, außer eben, dass es ein „gelobtes“, ein schönes, ein gutes neues Land sein wird, welches wir noch nicht sehen können, sondern welches uns dann gezeigt werden wird.

Und die Zielerreichung beginnt mit dem Start:
Der chinesische Tao-ismus sagt dazu so schön:

Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Abraham soll sich mutig auf den Weg machen, die vertraute Heimat hinter sich lassen und im Vertrauen auf Gott losmarschieren. Das ist sein Auftrag.

Sein Rüstzeug ist Glauben und Vertrauen: Das, was auch wir unserem Navi entgegen bringen. Wir haben nicht mehr und auch nicht weniger als er.

Und was soll denn nun unterwegs passieren?
Wen oder was sollen wir erkennen und lieben lernen?

Jesus sagt zu seinen Jüngern, dass das Lebensziel das himmlische Vaterhaus mit den vielen Wohnungen sei und sie den Weg kennen würden: Ihn selbst. (Joh 14, 1-10)

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er selbst, die Mensch gewordene Liebe, ist der einzige Sinn, der auf dem Weg erkannt werden kann und soll:
Wer mich sieht, sieht den Vater.

Sie haben ihr Ziel erreicht!

Haben wir jetzt schon das Ziel erreicht oder nicht?
Sind wir schon da, wo wir hin wollen, oder nicht?
Sind wir es schon, oder werden wir es noch?

Beides.
Wir sind als Christen in aller Offenheit für die Führung und Belehrung durch Gott unterwegs durch die Zeit, um uns durch unsere Erfahrungen und Erkenntnisse der Liebe anzunähern.
Darin gilt es sich zu perfektionieren. Und das ist für uns alle so schwer, dass wir darin eine ewige Baustelle vorfinden.

Wir haben unser Ziel, unser Land Kanaan, das Vaterhaus mit den vielen freundlichen Wohnungen – also unser göttliches Navi – fest im Blick und pilgern mutig drauflos.

Und im Glauben sind wir bereits da.

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