Drei sind eins?

Trinitas

Haben Sie schon einmal über sich selbst nachgedacht?
Vielleicht schon einmal überlegt, wer wir so sind, wie wir mit uns und anderen umgehen?
Vielleicht sind Sie dann streng mit sich oder nachgiebig?
Vielleicht suchen Sie einen Sinn oder eine Erklärung für manche Dinge?
Vielleicht haben Sie aber auch schon darüber nachgedacht, was eigentlich das bessere eigene Verhalten wäre und wie Sie sich ihr eigenen Verhalten begründen?
Wenn Sie – wovon ich ausgehe – schon einmal in dieser Weise über sich selbst nachgedacht haben, dann sind wir dem Geheimnis des dreieinen Gottes schon ein ganzes Stück näher gekommen.
Auch wenn wir es mit dieser Annäherung ein weiteres Mal nicht werden erklären können.
Erlauben Sie mir, dennoch einmal von dieser Denkposition aus, über den dreieinen Gott nachzudenken, damit wir antworten können, wenn uns jemand danach fragt.
Vielleicht ist es Ihnen ja auch schon so gegangen, dass jemand nach der Dreieinigkeit Gottes fragt und einem dann nichts Rechtes einfällt.
Wenn wir so über uns nachdenken, kann das eigentlich nur so sein, dass wir mindestens zwei sind:
Das Subjekt, welches nachdenkt und das Objekt, über welches nachgedacht wird. Ach ja, und auch das Denken selber. Also drei.
Im Nachdenken über uns selbst sind wir nicht mehrere Personen, oder?
Nein, wir sind eine Person, in deren Innerem all das stattfindet.
Wir sind die urteilende Person, die bewertet und unterscheidet.
Und wir sind die beurteilte Person, die sich dann mal stolz, mal traurig, mal verletzt oder geborgen fühlt.
Ich fühle mich.
Ich fühle mich traurig.
Ich fühle wen?
Ja, mich.
Ist das jemand anderes als ich?
Und wo findet das Gefühl selber statt?
Das muss doch dann auch ich sein.
Wir stellen also fest, dass wir selbst dem Rätsel des dreieinen Gottes schon so nah sind, dass wir es in uns selbst vorfinden.
Dass dieses Rätsel damit gelöst wäre, ist allerdings nicht der Fall: Wir werden uns damit vielmehr ebenfalls zu diesem Rätsel.
Im ersten Kapitel der Bibel lesen wir dazu Folgendes: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.“ Und etwas weiter: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, Als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“
Unsere Gottes-Ebenbildlichkeit ist also keine sichtbare, sondern eine wesentliche.
Wir sind in uns selbst Beziehung. So wie Gott in sich selbst Beziehung ist.
Der heilige Augustinus von Hippo hat allein dem Thema Trinität drei Buchbände gewidmet. Eine Hauptthese möchte ich in diesem Zusammenhang nennen:
Im Jakobusbrief lesen wir: „Gott ist Liebe.“
Augustinus führt aus, dass Gott eben in seinem inneren Wesen Liebe ist, die nur dann leben kann, wenn sie aufeinander bezogen ist.
Gott ist also liebevolle Beziehung zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn, die der Heilige Geist ist. Er ist das jeweils Eine und das jeweils Andere und auch noch das Dazwischen.
Genau wie wir.
Aber wir sind doch – im Unterschied zu Gott – zu begreifen, oder?
Naja. Ich kann mich selbst bei der Hand nehmen. Diese Hand kann ich dann begreifen. Ja.
Aber bin das ich? Das ist doch nur meine Hand, ein Körperteil, und nicht mein Wesen.
Wenn wir uns also einmal die Mühe machen, etwas genauer hinzusehen und etwas gründlicher nachzudenken, dann wird es einem schon ein wenig schwindlig:
Wir werden uns immer mehr selber zum Rätsel.
Und gleichzeitig ist doch alles wie immer. Ich bin da.
Alle diese Gedanken führen uns zu einem guten Schluss:
Wir sind ein Teil Gottes. Wir sind seine Kinder. In unserem Inneren sind wir wie er.
Und wir könnten auch so liebevoll, gütig und barmherzig wie er sein, wenn wir uns nicht immer wieder für unseren engstirnigen Dickkopf entscheiden würden.
Diese Erkenntnis, dass die Dreieinigkeit jede Sekunde des Lebens in uns und bei uns ist, sollte uns anspornen, immer mehr in diese dreieine Liebe hinein zu wachsen in der Hoffnung, letztlich zum Ziel zu gelangen:
In die vollkommene Liebesbeziehung in Gott, die er uns immer wieder anbietet.

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