Das einzig Wahre

Milch

„Ach, warum können denn nicht alle Menschen ein der einen Welt friedlich zusammen leben?“ hört man in diesen Tagen viele Menschen mit Blick auf die blutigen Konflikte sagen. Und da kommt man ins Nachdenken, denn solche Konflikte sind in der Geschichte ja nichts Neues – so schmerzlich das immer wieder ist.
Offenbar gibt es hier ein wesentliches Problem zu meistern, das schon immer eine Aufgabe der Menschen gewesen ist: Der Umgang mit folgendem Paradoxon.
Sicher dürfen wir behaupten, dass wir in ein und derselben Welt zusammen leben.
Genauso sicher dürfen wir behaupten, dass jeder Mensch aufgrund seiner einzigartigen Entwicklungsbedingungen in seiner je eigenen „Welt“ lebt.
Das ist irgendwie ein Widerspruch, aber trotzdem gleichzeitig wahr: Wir erleben objektiv dieselben Lebensbedingungen, aber je nachdem, wie wir die Welt bisher erlebt haben, bewerten und erleben wir diese Bedingungen unterschiedlich. Z.B. ist der eine Mensch in Armut und Gewalt groß geworden, ein anderer Mensch in Wohlstand und in einem behütenden Elternhaus. Diese beiden Menschen werden mit unterschiedlichen Annahmen über die Welt leben.
Und da lauern auch die Konflikte: Wir gehen in der Regel – wie könnte es auch anders sein – von uns und unserer bisherigen Erfahrung aus, wenn wir die Welt beurteilen. Und damit machen wir immer etwas falsch. Eben weil diese Beurteilung der Welt zunächst nur für uns gilt. Wissen wir wirklich, wie diese oder jene Bedingung auf unseren Mitmenschen wirkt? Kennen wir wirklich dessen Geschichte dazu?
Es ist durchaus in Ordnung, wenn Menschen meinen, sie hätten den „einzigen richtigen Weg“, z.B. in religiöser Hinsicht, für ihr Leben gefunden. Es geht allerdings immer dann schief, wenn wir andere nötigen wollen, diesen Weg mitzugehen. Das erleben wir z.B. immer wieder in Form von unterdrückenden Missionierungsversuchen – auch in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht! Und insbesondere, wenn dabei Gewalt ins Spiel kommt.
Sich mit anderen Ansichten, auch Religionen oder Glaubensüberzeugungen auseinander zu setzen, ist immer etwas unbequem. Vielleicht wird dadurch meine Haltung infrage gestellt, vielleicht erscheint das neue Argument irgendwie stichhaltiger als meine bisherigen Argumente. Aber letztlich gehen wir entweder nachdenklich, ergänzt oder auch bestärkt aus diesen Begegnungen heraus.
Jesus von Nazareth hat diese Diskussionen stets gesucht und dabei viele Schmähungen und auch Steinwürfe erduldet. Und er hat davor gewarnt, andere zu verurteilen. Er ist unser Vorbild.

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