Schon vergessen? Wir können Weltmeister werden – Wir können auch…

Schon vergessen? Wir sind Fußballweltmeister! Erinnern Sie sich nicht mehr an das Endspiel? Das war ein echter Krimi. Bis zum Schluss wurde um jede Minute gezittert. Das Unfassbare war so nahe und konnte jede Sekunde zerstört werden. Schweinsteiger hat sich voll rein gehängt, alles gegeben bis zur Erschöpfung. Danach: welch eine Erleichterung, ein Jubel und ausgelassene kindliche Freude. Ich konnte mich an den Bildern kaum satt sehen. Ganz ehrlich: Vor der WM habe ich daran nicht geglaubt. Ich dachte, die Vorrunde werden sie überstehen – mehr nicht. Die Kommentatoren haben in den Tagen danach ebenso wie die Spieler aufgezeigt, dass der Kern der Mannschaft seit 10 Jahren auf dieses Ziel hin gearbeitet hat. Mit vielen Rückschlägen und Zweifeln, ob sie das je schaffen könnten. Lahm sagte, dass er von Kindheit an von diesem Moment geträumt hat. Nur ganz langsam ist da die WM-Mannschaft gewachsen.

Das passt ganz gut auch zur Botschaft der Bibel: Gottes Reich kommt nicht einfach mit einem Schlag daher, sondern es muss langsam wachsen wie ein kleines Samenkorn. Es muss in uns wachsen und in unserer Gesellschaft. Es fängt im kleinen an mit der Aufforderung sich auf die Mitte, die Nabe unsere Lebens zu konzentrieren. Gott zur Nabe unserer Existenz zu machen und uns auf dieses kleine, unscheinbare Ding – das Vertrauen in Gott – zu verlassen. Gott beginnt  im Kleinen und ist im Schwachen mächtig. Oder im Blick auf die WM-Geschichte:

Eine WM-Generation entsteht nicht von heute auf morgen – ein WM-Sieg ist möglich ist! Gottes Reich ist möglich,  weil es diese unbeschränkte Herrschaft Gottes und Gewalt Gottes gibt, vor der keine Macht in der Welt bestehen kann. Petrus (2 Petr. 1, 16-19) sagt es seinen Hörern im Angesicht seines eigenen Todes: Das sind keine Ammenmärchen oder klug ausgedachte Worte. Das ist eine Realität die wir ganz persönlich erfahren haben. Diese Realität ist so konkret, dass mein eigener Tod mich nicht mehr schreckt!

Aber ist Gott ein alter Mann, schon arg ergraut, stöhnend und ächtzend mühsam auf seinem Sessel Platz nehmend? So beschreibt es jedenfalls das Buch Daniel 7, 1ff:

Throne wurden aufgestellt und ein Hochbetagter nahm Platz“.

Wenn wir etwas äußerst Komplexes beschreiben wollen, dann müssen wir uns Bilder, Vorstellungen und Skizzen machen. Was ist ein Atom? Was ist Licht? Es ist einerseits elektromagnetische Welle und quantenphysikalisch ein Photon-Teilchen, das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt und eine Energiemasse trägt. Alles klar? Wir brauchen Bilder, Zeichnungen, Greifbares, um abstrakte Wirklichkeiten unser Welt zu beschreiben. Umso mehr brauchen wir Bilder und Visionen, um etwas über Gott zu sagen, der die Vorstellungskraft unserer Welt ganz und gar übersteigt.

Genau das tut der Prophet im Buch Daniel. Der Kerl liebt Bilder und Umschreibungen. Er malt geradezu die Gesellschaft und die Geschichte seiner Zeit in kraftvollen Bildern. Es ist die Zeit der griechischen Herrschaft über Israel um ca. 170 vChr. unter Antiochus Epiphanes.

Er beschreibt das babylonischer Reich als gierigen Löwen mit Adlerflügeln, der die umliegenden Völker nieder reißt.

Die Zeit der Meder ist die des Bären. Kraftvoll mit todbringenden Pranken und die Reste einer Rippe im Maul.

Die Perser werden im Bild eines Panther mit 4 Köpfen dargestellt.

Und schließlich bricht die Zeit des 4. Tieres an, das ganz anders war als die Anderen, mit 10 Köpfen und Zähnen aus Eisen. Es fraß und zermalmte alles, und was übrig blieb, zertrat es mit den Füßen.“

Wahrscheinlich ist dies das Weltreich Alexander des Großen mit der seleukidischen Dynastie, andere sehen das römische Weltreich angedeutet.

In jedem Fall verweisen diese Bilder bis in unsere Zeit heute auf den Machthunger und Gefräßigkeit von Weltmächten. Sie können bis heute Bilder sein für die Unmenschlichkeit des 3.Reiches, die stalinistischen Weltmachtsträume des Kommunismus oder einen die Welt umspannenden, rücksichtslosen, Profit – Kapitalismus, der das Lebensrecht von Menschen auffrisst. Es kann auch die Skrupellosigkeit und Menschenfeindlichkeit radikaler Islamisten sein.

In dieses Szenario stellt der Prophet unsere Textstelle mit dem Hochbetagten. Hochbetagt meint hier nicht einen alten Herrn, sondern von ewigen Zeiten her, ja geradezu zeitenlos.

Platz nehmen auf dem Thron, heißt: Herrscher sein und Gericht halten. Sein weißes Gewand und weißes Haar zeigt auf absolute Klarheit, Heiligkeit und Fehlerlosigkeit. Bei ihm hat alles Wissen und alle Weisheit ihren Ursprung. In der Offb sind es die von Gott geheiligten Frauen und Männer, die dann ebenfalls mit einem weißen Gewand vor ihm stehen.

Das Feuer deutet seine unumschränkte Macht und Gewalt an. Er kann alles vernichten, zu Asche verbrennen. Es ist ein Feuer der Reinigung, das die unreinen Bestandteilen des Roh-Goldes von dem reinen Gold trennt (Ps 66, 10 Sach 13,9 jdt 8, 27). Vor allem scheint es mir das Feuer und die Leidenschaft der Liebe Gottes zu sein, die größer ist als die Macht des Todes (Hld 8, 6+7: Stark wie der Tod ist die Liebe. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen) Es ist ein Feuer, vor dem wir uns nicht fürchten sollten, sondern das das Beste in uns – die Liebe – zum Glänzen und Strahlen bringen will.

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn.

Es ist jemand, wie ein Mensch – und doch mehr und anders. Er entstammt nicht unserer Existenzweise, sondern er entstammt Gott selbst. Ihm wird vom Hochbetagten alles übergeben, alle Herrschaft und alle Gewalt. Durch ihn werden alle vorhergehenden Reiche und Tiere vernichtet. Ihm unterstehen alle Nationen, Völker und Sprachen.

Genau das haben Petrus, Jakobus und Johannes bei der Verklärung Jesu konkret erfahren und erlebt. Jetzt wissen wir auch, was es bedeutet, wenn Jesus Christus in den Evangelien von sich als dem Menschensohn spricht.

Weltmeister kann man mit viel Mühe alle 30 Jahre werden und die Erinnerung daran verblasst. Man kann auch zu den „Tausend mal Tausend und zehntausend mal zehntausend Heiligen Gottes“ werden, deren zeitlose Ewigkeit in Christus ihren Bestand hat.

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