Konfessionelles Lernen?

SouNordGerade im Zusammenhang mit unserem Papst Franziskus entbrennen Gedanken in eine ganz besondere konfessionelle Reflexion: Hat er etwas „Evangelikales“ an sich?

Vielleicht ist es sinnvoll, diesen Gedanken einmal etwas ernsthafter zu bedenken, auch, was das in den unterschiedlichen Dimensionen des Glaubenslebens bedeuten kann.

Diese Zuordnung kam zunächst aus den eher konservativen katholischen Kreisen und war mit durchaus skeptischem Unterton zu verstehen: Kommt hier am Ende ein Verlust an liturgischen und kirchenpraktischen Errungenschaften heraus?

Genauso spannend ist es, zu erleben, dass gerade die freikirchlich-evangelikalen Gemeinden in Südamerika ein teilweise sehr intensives Glaubensleben entfachen und – unser Papst ist Argentinier.

Zudem spielt sicher eine Rolle, dass es der erste nicht-europäische Papst ist, wo die Kirche doch bislang nur andere Erfahrungen hatte mit europäisch geprägter Spiritualität in der Amtsführung.

Es ist in katholischen Kreisen nahezu unstrittig, dass die Eucharistie als Höchstform gottesdienstlicher Spiritualität ein Schatz ist, der nicht geschmälert werden darf. Zum einen nicht durch eine zu sehr entspannte liturgische Lässigkeit, zum anderen nicht durch eine Überhöhung der Formen, was ebenfalls den Gehalt der Gottesbegegnung verdunkeln kann.

Eine mögliche Stärke der evangelikalen Perspektive ist sicher die Betonung der persönlichen Entscheidung des einzelnen Gläubigen für Jesus und seine Nachfolge. Hier wird eine als selbstbestimmt wahrgenommene Verbindlichkeit betont, die in katholischen und evangelischen Gemeinden so nicht unterstrichen wird. In den großen Konfessionen ist es doch allzu oft ein treuer Konformismus, der die Gläubigen bei der Stange hält, auch wenn dieser durchaus eine tiefe und feste Glaubensbasis hat.

Die Betonung der individiuellen und persönlichen Entscheidung könnte sowohl die eigene emotionale Betroffenheit, aber vor allem die Verbindlichkeit und letztlich vielleicht auch die Auskunftsfähigkeit über den Glauben steigern. Die Gläubigen erleben sich hierdurch evtl. durchaus in einer Gegenüber-Position zum Mainstream der säkularisierten Welt. Dazu muss sich der einzelne Mensch zunächst überwinden, entscheiden und sich dazu bekennen – aber dann ist eine durchaus offensive Glaubensposition bereits emotional bezogen.

Wo bei den großen Konfessionen eher dankbar fast alles „durchgewunken“ wird, was sich auch nur annähernd brauchbar taufen, firmen, trauen (und auch weihen?) lassen will, könnte es zu einer Erosion der Verbindlichkeit im Glaubensbekenntnis und letztlich auch im Glaubensleben der einzelnen Mitglieder kommen, was letztlich nicht wünschenswert ist.

Besteht das Wagnis nicht letztlich darin, sich wirklich auf das Wehen des Heiligen Geistes zu verlassen, immer wieder Seelen zum Glauben zu führen und auch Arbeiter in den Weinberg zu berufen?

Die Krise der großen Konfessionen könnte hier eine ihrer Wurzeln haben: Im Laufe der Geschichte kam es vielleicht wirklich zu einer gewissen „Entmündigung“ der Gläubigen und eine Zentrierung der Blicke auf die Gemeindeformen und die Geistlichkeit – die Organisation. Auch in dem Sinne, dass sich die Gläubigen nicht mehr als selbst-verantwortliche VerwalterInnen des Glaubens verstanden.

Vielleicht fehlt es gerade hier: Wo die Neu-Evangelisierung in aller Munde ist, fehlt evtl. die Präzisierung, durch wen diese zu leisten ist. Durch die Geistlichen und die Kirchenangestellten?

Oder vielleicht doch durch die Fischer, Zeltmacher, Bürokaufleute, Betriebswirte und die Auto-Mechatroniker unserer Zeit?

Dann wäre eher die Frage, wie dieser Begeisterung und der Verkündigungsfreude dieser Menschen gedient werden könnte. Hilfreich wäre hier eher Ermutigung und „Befreiung“ und weniger das Schüren von Unsicherheit und Selbstzweifeln:

Geh nur, ER ist schon dort!

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