Warum rennst Du dauernd in die Kirche? Jeden Sonntag! Völlig überzogen!

Nein, ich muss keine besondere Leistung erbringen. Ich muss mich weder präsentieren und profilieren, wenn ich vorne stehe, noch muss ich irgendwelche Kirchengesetze oder Anforderungen des Kardinals erfüllen.

Nein, ich bin auch kein besonders ängstlicher Gallier, der jeden Moment glaubt, der Himmel müsste ihm auf den Kopf fallen.

Ich gehe in die Kirche, um dort Gott zu begegnen und aus dieser Begegnung heraus ein Stück weit anders zu werden. Jede echte und innere Begegnung verändert uns. Ich meine jetzt nicht so eine oberflächliches „Hallo“, sondern ein wirkliches Gespräch. Wenn wir mit anderen Menschen wirklich zusammen kommen, uns auf sie einlassen und uns ihnen anvertrauen, dann verändert das unsere Sicht auf diesen Menschen. Es verändert auch unsere Sicht auf Probleme, Situationen und vorherige Einschätzungen. Jede echte Begegnung verändert immer auch ein Stück weit uns.

Dasselbe geschieht in einer noch viel tieferen Art und Weise in der Begegnung mit Gott – in dem Aufeinandertreffen mit Christus. Wir denken in unseren Begriffen und Zeitvorstellungen und Raumgrenzen – Gott hat andere Zeitdimensionen und Räume, die diachron zu unserer Zeit steht. In den Momenten der Gottesbegegnung bricht Gottes Wirklichkeit, Gottes diachrone Zeit in unsere Zeit ein. Dieser Einbruch bereits verändert uns, wandelt uns, wie er die Jünger verwandelt hat. Da es die Zeit Gottes ist, ist es ein Akt, der nicht unserem Zeitbegriff unterliegt, sondern zeitlos ist: Der Einbruch Gottes in unsere Wirklichkeit schafft eine neue Wirklichkeit, die unvergänglich und zeitlose Bedeutung hat. Ein Ereignis, das bereits jetzt ein zeitloses, ewiges Faktum ist. Es kann überhaupt nicht mehr verändert werden. Deshalb kann Johannes sagen: „Wer glaubt hat schon das ewige Leben“ So ist auch das Wort Jesu an den Schächer: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“ zu verstehen: Heute – im Moment des Einbruchs Gottes in sein Leben, im Moment der Begegnung mit Christus ist bereits das Entscheidende geschehen. Das heute Geschehene hat für immer Bestand und erhält seine volle Entfaltung in der Auferstehung – Der neuen, unmittelbaren Begegnung mit Christus – Einer Kraft, die uns insgesamt und endgültig wandelt, verändert und ihm angleicht.

Deshalb gehe ich immer wieder in die Kirche und warte auf die Momente der Begegnung, die manchmal überwältigend sind, meistens aber auch nur ganz einfach, schlicht und unspektakulär.

Schon mal ausprobiert? Versuchen Sie es mal – auch wenn im ersten Moment nichts zu passieren scheint.

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