Kann man islamistische Haltungen verstehen?

Muslima

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich kann die Greueltaten der IS-Rebellen nicht gutheißen und: Ja, ich lehne jegliche Gewalt im Namen der Religion ab.
Wie kommt es nun zu diesen Entwicklungen, die uns alle so sprachlos und auch die politischen Mächte so machtlos erscheinen lassen?

Perspektiven lassen sich nur von innen verstehen. Religiöse insbesondere.
Denken wir uns in einen gläubigen Moslem hinein, der einen hohen Wert in der Familie, der gesellschaftlichen Ordnung, im sozialen, materiellen und politischen, aber auch im sittlichen Verhalten erkennt.
Die westliche, aus seiner Sicht wirtschaftsimperialistische, ausbeutende und amoralische, Gesinnung ist für ihn bedrohlich: Die Jugend wird zu Faulheit, zu großer sexueller Freizügigkeit, zu Drogen, Alkohol und übermäßigem Konsom ebenso verzogen, wie zu Respektlosigkeit den Alten und der Familie insgesamt gegenüber.
Die weltweit anerkannten Methoden, sich politisch dagegen zu wehren, kommen entweder nicht zum Tragen oder sie werden mehr oder weniger subtil von der Weltwirtschaft unterdrückt und mundtot gemacht. Er sieht sich einem Kartell der selbstsüchtigen, materialistischen, umwelt-zerstörerischen und wirtschaftlich nahezu allmächtigen Eitelkeit der westlichen Denkart gegenüber und fühlt sich – hilflos. Aber moralisch natürlich auf der richtigen Seite!
Was können wir gegen diese arrogante Zerstörungsmacht ausrichten, die unsere ganze Welt aus reiner Macht- und Kapitalorientierung kunststoff-verseucht und amoralisch-atheistisch unterwandert?
Es bleibt wohl nur der bewaffnete Widerstand.
Haben die expansiven Kräfte auch digital gelenkte Raketen und elektronische Drohnen – wir haben die Wahrheit, den Koran, die Kalaschnikow und den Pickup: David gegen Goliath!
Soweit der Versuch, den kämpferischen Islam zu verstehen.
Und wer nun meint, dass diese islamische Ansicht über religiöse Verbindlichkeit, Familie, Konsum, Respekt etc. sich sonderlich von der christlichen Ansicht unterscheidet, irrt gewaltig!
Und nur, weil etwas irgendwie westlich geprägt erscheint, ist es mit Sicherheit noch lange nicht christlich.

Wenn also die westlichen politischen Kräfte nicht mehr zu bieten haben, als ein ideologisches „Weiter-so“ mit wirtschaftlichen Sanktionen und Militärschlägen ohne philosophische, nein, religiöse Selbstkritik, ohne Unterbau einer Selbstmäßigung und Moral, die letztlich religiösen Ursprungs sein wird, werden sie gegen die Macht der gläubigen Verzweiflung nicht viel entgegen halten können.

Wir sollten innehalten, nachdenken und umkehren. Dann ist der Frieden vielleicht näher als wir denken.

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