Pilgerreise (5. Etappe): Bitte für uns

Bitte für uns heilige Gottesmutter  – so heißt es im Angelus-Gebet –

Wenn der Karren vollständig verfahren ist, dann sind wir froh, wenn jemand ein gutes Wort für uns einlegt. Das sollte jemand sein, der unsere Lage versteht, der uns nahe ist und der unsere Notlage nicht ausnutzt. Gleichzeitig muss es jemand sein, der eine besondere Nähe und einen besonderen Zugang zu demjenigen hat, von dem alles weitere abhängt. Wir wissen natürlich, dass die letzte Entscheidung von jenem getroffen wird. Ein Fürsprecher kann aber den Weg etwas frei machen und das Eis brechen.

Maria ist mehr als jeder andere Mensch diejenige an Christi Seite. Ihre Nähe ist eine körperlich unmittelbare. Sie geht mit Jesus durch die ganze Kindheit, ist auf allen seine Wanderungen dabei, steht unter dem Kreuz, nimmt den Leichnam in den Arm, ist mit den Jüngern die Allein-Gelassene und gehört zu denen, die die Auferstehung bezeugen. Sie ist Christus näher, als jeder andere Mensch es war.

Joh 2. 1
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

 Jesus weist Maria zurück: Sie bestimmt nicht über ihn. Sie wird zurück gewiesen in die Menge der Menschen. Sie steht als einfache Frau da, die ihm nichts zu sagen hat. Darin zeigt sich seine Absolutheit und Souveränität.
Maria macht Jesus auf einen Mangel aufmerksam und vertraut darauf, dass er das Richtige tun wird. Ihre versteckte Bitte wird zunächst abgewiesen. Auch eine Bitte mit Maria an der Seite heißt nicht, dass unsere Bitten wie ein Wunschkonzert erfüllt werden. Unsere Vorstellungen und Wege sind nicht identisch mit den Zeitvorstellungen und dem Wollen Gottes. Doch Maria vertraut darauf, dass Gottes Wollen ein gutes Wollen mit uns ist.
Das Bitten Mariens führt schließlich zu einem Handeln Jesu. Jesus fordert uns auf zu Bitten:

Mt 7, 7
Bittet,  dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten

Wer bittet gesteht sich seine Hilfsbedürftigkeit und Armut ein. Er gesteht zu, dass der Andere ein Mehr hat und Kann, als man selbst. Wer bittet, legt sein Schicksal in andere Hände.

Fürsprache für jemanden einlegen:
Das tat Marta für ihren kranken Bruder Lazarus,
Das tat die kanaäische Frau für ihre Tochter (Mt 15, 21)
Das tat der Hauptmann für seinen Diener (LK 7, 10)
Das tat Abraham für die Gerechten in Sodom (Gen 18, 23)

„Bitte für uns Maria“ zeigt auf eine Gemeinschaft des Bittens:
Es geht nicht immer nur um mich allein. Wir bilden eine Gemeinschaft, die für und miteinander vor Gott steht. Gott hat seine ganze Herrlichket, Macht und Richteramt Christus übergeben. So steht Christus in unserer Mitte als Bruder, der für uns vor dem Vater eintritt (Joh 17, 20), und er steht uns gleichzeitig gegenüber als Herr der Gemeinde. Mit Maria beten und bitten, heißt sich als Gemeinschaft des Glaubens auf Gottes gutes Tun in Christus verlassen.

Gebet

Herr Jesus Christus, wir bitten dich, schenke uns Vertrauen in die Kraft des Gebetes und der Bitte. Stelle unsere Bitte in der Gemeinschaft mit der Fürbitte deiner Mutter Maria. Schenke uns auch die Bereitschaft, deinen Willen anzunehmen, gerade dann, wenn er nicht unseren Vorstellungen entspricht.

 

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