Adventvesper – Vorabend zum 1. Advent

Stundengebet

Wir Christen leben in ständiger Erwartung.
Für uns ist jeder Moment unseres Lebens eine Art „Vorabend“:

In jedem Moment unseres Lebens, so wissen wir, könnten wir unser weltliches Leben aushauchen und vor unserem gnädigen Richter stehen. Also ein Moment der Vorfreude und der Spannung, wie das wohl sein wird.

Damit wir nicht überrascht werden, sollten wir darauf vorbereitet sein. Um uns das klar zu machen, hält uns Jesus an, ständig zu beten.

Das ist doch total anstrengend, mögen manche da meinen.

Ja, und ich dachte, wir bräuchten uns doch den Himmel nicht zu verdienen durch ständiges Beten, denken vielleicht andere.

Um diesen Sachverhalt aufzuklären, sollten wir einmal einen Moment über diese Dinge in Ruhe nachdenken.

Die Vesper ist eine Lichtfeier am Vorabend. Vergleichbar etwa mit der Osternacht. Was ist der theologische besondere Sinn dieser Feier?

Nun, in dieser Haltung der vorabendlichen Lichtfeier feiern wir unseren Glauben in zweierlei Hinsicht:
Zum einen preisen wir das Licht Christi, das unsere Hoffnung ist, wenn es dunkel wird. Wenn der Abend hereinbricht und die Sonne untergeht genauso, wie wenn wir uns bedrückt und innerlich in Dunkelheit fühlen.
Zum anderen bringen wir damit unseren Glauben zum Ausdruck, dass diese Dunkelheit nicht das letzte Wort hat, sondern dass wir uns darauf stützen und verlassen können, dass uns ein ewiger Morgen erwartet. Ganz erfüllt vom Licht der Liebe Gottes.

Dieser Glaube nimmt am „Vorabend“, in der ansteigenden Dunkelheit in dieser Welt, bereits das Licht des Morgens vorweg.
Es macht uns Christen bereits im Angesicht der Schwierigkeiten in unserem Leben und im Angesicht der allgemeinen Schwierigkeiten und Bedrohungen – froh!

Auch hier feiern wir – wie in allen Feiern und Sakramenten – Pascha! Den Übergang vom Dunkel zum Licht, durch den Tod in das ewige Leben! Das macht uns Christen froh!

Ein Umstand, den wir uns erhalten sollten.

Und das ist der Sinn der Rede Jesu:
Lasst Euch nicht einfangen von der Dunkelheit, den Sorgen, den Untergangsgefühlen dieser Erdenzeit!
Betet ständig.

Was bedeutet eigentlich ständig beten?
Es bedeutet: Gott denken.
Jedes Gebet – ob es nun ein formuliertes oder freies ist – ist ein Denken an Gott. Und damit ist es ein Sich-erinnern an die Heilszusage Jesu Christi.

In diesem Geist der Vorfreude, der Feier des Vorabends sind wir auch jetzt zusammen. Darin sind unsere Konfessionen vereint im selben Glauben und in derselben Freude.

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