Lebendiges Kapital gut verwalten?

Kreuzverhüllungkl

(Matthäus 25, 14-30)

Wie gehen wir mit dem Wertvollsten um, das wir besitzen?

Da kommt zunächst einmal die Frage auf, was wir denn überhaupt für das Wertvollste halten.

Für manche ist es die Familie, für andere das Geld und für wieder andere vielleicht die Gesundheit, vielleicht aber auch das öffentliche Ansehen und die erwirtschafteten Güter.

Im Evangelium sind wir zunächst einmal überrascht über die Rede Jesu. Seine Rede vom Himmelreich – darum geht es ja hier – erscheint uns fast wie die Mahnung eines Anlageberaters. Auf den ersten Blick kommt seine Mahnung recht geschäftsmäßig und auch menschlich etwas unterkühlt bei uns an. Wo bleibt da die Liebe Gottes?

Ganz nebenbei: Für mich persönlich war schon auch erstaunlich, dass es zur Zeit Jesu schon so etwas wie eine Bank gegeben haben muss, auf welcher Geldeinlagen verzinst wurden.

Ist es denn so gemeint, dass wir gute Geschäftsleute werden sollen?
Dass wir etwas erwirtschaften sollen und dass die schwächeren hinten herunter fallen werden?
Was wäre denn dann der Unterschied zwischen Himmelreich und irdischem Kapitalismus?

Ganz sicher meint Jesus das nicht in dieser Weise.
Er nimmt die anvertrauten Geldwerte nur als Beispiel für die wesentlichen Werte, die uns von unserem Schöpfer anvertraut wurden. Werte, die wir nicht herstellen können.
Es geht um ewige Werte.
Werte, die nicht der weltlichen Vergänglichkeit unterworfen sind, weil sie zu unserer Seele und zu unserem inneren Wesen gehören.

Das wird etwas deutlicher, wenn wir im Matthäus-Evangelium weiterlesen. Direkt danach kommt die Scheidung der Schafe von den Böcken: Was ihr den geringsten meiner Geschwister getan habt, habt ihr mir getan.

Worum geht es also?
Welche Werte sind denn dann genau gemeint?
Es geht um unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebesfähigkeit.
Das sind die eigentlichen Werte, die ewigen Werte, die wir eben nicht erarbeiten können, sondern von Gott anvertraut bekamen.

Und wie gehen wir damit um?
Wie sollten wir damit umgehen?

Diese anvertrauten Werte sind nicht dazu bestimmt, dass wir sie in uns wegschließen, uns daraufsetzen oder sie zu verstecken.
Diese Werte können erst dann wirklich fruchtbar werden und ihre Heilkraft entwickeln, wenn wir sie nicht mehr nur für uns behalten.
Für sich selber zu glauben, hilft niemandem, der auf der Suche nach heiligem Glauben ist. Wir erfüllen dadurch unseren Auftrag nicht.

Genauso ist es mit der Hoffnung: Gebt jedem Auskunft, der Euch nach dem Grund eurer Hoffnung befragt, schreibt Paulus. Auch diese Hoffnung ist nicht nur für uns selbst bestimmt, sondern will sich heilsam ausbreiten – durch uns.

Und die Liebe, unsere Liebesfähigkeit, ist der größte Wert von diesen dreien, lesen wir im Korintherbrief. In ihr lebt Gott selbst.
Wenn wir diese Gaben, vor allem die Liebe, nicht in der Welt äußern, begehen wir ein regelrechtes Verbrechen gegen Gott: Wir betrügen uns selbst, unseren Gott, aber vor allem unsere Mitmenschen um Werte, die eigentlich genau für unsere Mitmenschen gedacht sind.
Wir verfehlen unseren Auftrag als Salz in der Welt und sind als Heilshelfer Gottes unbrauchbar.

Diejenigen also, die ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern auf den Leuchter, die ihren Glauben und ihre Hoffnung auch durch Gebet nachfüllen wie die klugen Jungfrauen,
diese werden reich belohnt, weil sie den Willen unseres Vaters erfüllen: Bringt Frucht, liebt, heilt.

Die anderen, die lau bleiben möchten, aus Angst, aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen, vernachlässigen ihre Werte. Wenn ein Wert versteckt wird, nennen das die Geschäftsleute „totes Kapital“. Und genau das ist es: „totes Kapital“!
Es kommt nicht ans Tageslicht. Es ist ja gerade so, als wäre es gar nicht vorhanden. Versteckt und nicht vorhanden lässt sich hier gar nicht mehr unterscheiden.

Und wenn dann Situationen im Leben auftauchen, wo ich meinen Glauben und meine Hoffnung dringend brauche, könnte es dann passieren, dass ich ins Leere greife.
Ich möchte dann vielleicht glauben, aber ich bekomme es dann nicht mehr hin.
Mir ist auch noch das Wenige genommen, das ich noch hatte.
Die aktiven Gläubigen dagegen fühlen sich gestärkt und ermutigt, bekommen also noch mehr dazu.

Und genau in diesem Sinne ist auch das Motto unseres heutigen Diaspora-Sonntags zu verstehen:
„ Keiner soll alleine glauben. Ihre Hilfe. Damit der Glaube reifen kann.“

Es ist unser Auftrag, unseren Schwestern und Brüdern im Glauben zu helfen, damit deren Glaube reifen kann.
Und damit wir das tun, was unser Auftrag ist.
Es steht nicht in unserem Belieben, ob wir helfen sollen. Wir sollen es. Es steht in unserem Belieben, wie wir das tun. Und Jesu Mahnung soll uns dabei Ansporn sein.

Lasst uns unser lebendiges spirituelles Kapital gut verwalten.

Lasst uns mutig und aktiv glauben, hoffen und lieben. Nicht nur diejenigen Menschen, die ohnehin zu uns gehören, sondern alle Menschen sind uns „Schwester, Bruder und Mutter“.

 

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