Mut zur Familie!

Familienordseekl

„Die traditionelle Familie ist ein Auslaufmodell.“ So heißt es in den Überschriften.

„Eine Familie mit Kindern ist heute ja gar nicht mehr zu finanzieren.“ So heißt eine weitere verbreitete Formel.

„Wir bräuchten mehr Kinder.“ Sagen andere.

„Wie und wo finde ich einen guten und treuen Partner oder eine solche Partnerin?“, fragen junge Menschen.

Die Familie ist also gleichzeitig für tot erklärt und andererseits sehnsüchtig erwünscht.

Was ist da los?

Eine junge, gebildete und auch attraktive Frau von Anfang/Mitte 20 Jahren kommt in meine Praxis und ist nahe an der Verzweiflung: Sie selbst ist in einer guten Familie groß geworden und hat sich zuhause stets wohlgefühlt. Sie möchte nun auch selbst eine Familie gründen, aber es erscheint fast unmöglich, einen jungen Mann zu finden, der dieselben Ziele hat, oder aber einen jungen Mann zu finden, der sich das traut, sich auf eine Frau verbindlich einzulassen.

Viele von uns bejammern diese Entwicklungen in der Gesellschaft: Entweder, die jungen Leute trauen sich nicht, oder sie finden niemanden. Die Kinder werden älter und ob sich noch einmal Enkel einstellen, wird von Jahr zu Jahr unsicherer.

Was sind die Gründe dafür?

Um es schon vorweg zu nehmen: Wir sind daran nicht ganz unschuldig.

Die meisten von uns messen der Ehe, besonders auch dem katholischen Verständnis von Ehe, einen hohen Wert bei.

Wir würden uns alle gern wünschen, dass unsere Kinder und Enkel eine haltbare und fruchtbare Ehe führen können.

Aber wie mutig gehen wir mit den jungen Leuten diesen Weg?

Da kommen dann die Untiefen:

„Ach Kind, Du bist doch noch so jung. Mach doch erst mal Deine Ausbildung zu Ende und dann ist doch immer noch Zeit.“

Oder:

„Meinst Du, das ist der/die Richtige? Lass Dir lieber Zeit und sieh dich erst einmal um.“

Oder:

„Ein oder zwei Kinder sind doch genug. Was wollt ihr euch denn mit mehr Kindern abplagen? Ihr wollt doch auch noch etwas vom Leben haben.“

Oder:

„Was soll das denn alles kosten? Wisst ihr denn, wie sehr ihr Euch einschränken müsst, wenn ihr so früh oder so viele Kinder habt?“

Oder auch:

„Junge, wenn Du heiratest und Deine Frau sich von dir trennt, wird sie dich finanziell bis auf die Haut ausziehen. Heirate lieber nicht, sonst bist Du am Ende ein armer Mann durch deine Unterhaltspflichten. Manche von den jungen Dingern legen es ja direkt darauf an, jemanden auszunutzen.“

Diese Äußerungen kennen wir zu Genüge und vollständig falsch sind sie nicht.

Und doch machen sie nicht Mut, sondern Angst. Die Angst aber lässt uns erstarren. Vor lauter Angst können wir ja nicht mehr leben.

Sicher sollen wir unsere Kinder nicht verantwortungslos und leichtsinnig in irgendwelche Beziehungen und ins Kinderkriegen entlassen. Aber wir sollen ihnen Mut machen und ein paar Kriterien anbieten, wie Treue geht und wie gesegnet eine treue und liebevolle Ehe ist.

Letztlich hängt es auch an uns. Auch wenn wir das ungern zugeben.

Wenn unsere Kinder sich einlassen, wenn sie dann Kinder haben – dann wird auch unser Leben etwas ungemütlicher.

Ob nun die junge Familie funktioniert oder scheitert: Wir bekommen mehr Arbeit. Vielleicht ist es auch das, was hinter unserer Zurückhaltung steht und hinter unseren Sorgen.

So verständlich das alles ist: In der Weltgeschichte war das noch nie anders.

Auch zur Zeit Jesu nicht.

Wir können uns nicht auf die negativen Möglichkeiten herausreden.

Wir können auch nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und abwarten. Wenn wir keine Familien gründen, dann tun es andere. Und da brauchen wir uns dann gar nicht mehr zu wundern, dass sich manche Dinge in der Gesellschaft auch sehr ändern können.

Dass sich Maria zu dem Kind bekannte, dessen leiblichen Vater sie nicht kannte,

dass sich Josef zu Maria bekannte, deren Kind nicht leiblich von ihm stammte,

dass beide sehr jung waren und keine großen Reichtümer oder Erbteile besaßen, sollen uns Vorbild sein.

Kindergeld, Erziehungsurlaub, Geburtshäuser, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Elterngeld, Kindergärten, Krabbelgruppen etc. sind alles erst Entwicklungen der letzten 100 – 150 Jahre.

Und wie lange gibt es Familien?

Es ist interessant festzustellen, dass die genannten sozialen Einrichtungen erst mit dem Aufkommen der Industriegesellschaft entwickelt wurden. Die Industriegesellschaft verhieß mehr Wohlstand, Geld und Ansehen – aber für die familiären Pflichten und Aufgaben gab es immer weniger Zeit und Energie.

Ich möchte behaupten, dass mit der Industrialisierung die Abwertung der Familie anfing.

Aktuell ist das Ansehen des Geldes maximal und das Ansehen der Familie minimal in unserer Gesellschaft. Diese Entwicklung geht aber nicht ewig so weiter und sie wird auch nicht gut enden.

Wir Christen tun gut daran, den Wert der Familie hoch zu halten und in ihr den besonderen Segen zu sehen, den Gott ihr geschenkt hat.

Wir sehen es an den einigermaßen funktionierenden Familien. Da ist richtig viel Segen drin.

Das ist sicher für die beteiligten Menschen nicht immer leicht: Das Interesse des Einzelnen muss hinter dem Interesse der Familie zurücktreten. Das ist frustrierend und nervig. Und öfter gibt es auch einmal gereizte oder auch laute Worte.

Doch das Zusammenhalten in guten und in schlechten Tagen macht erst den Wert der christlichen Ehe und Familie aus. In den Tagen der Harmonie ist das alles viel leichter.

Maria und Joseph im Tempel mit dem kleinen Jesus waren sehr mit den Alltäglichkeiten beschäftigt und waren sehr erstaunt, was Simeon und Hannah da alles sagten. Die Bedeutung dieser Dinge verstanden sie erst später.

Sie haben sich gläubig auf das Abenteuer mit Gott und der Welt eingelassen.

Auch wir sollen uns hoffnungsvoll, zuversichtlich und voller Gottvertrauen auf unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder einlassen.

Und wir sollen uns gegenseitig helfen und unterstützen.

Wir sind nämlich alle „eine“ Familie.

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