Hier bin ich, Herr

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„Und Gott sprach“ heißt es am Anfang der Bibel.
Wie können wir uns das vorstellen?
Wie spricht Gott?
Welche Sprache spricht er?

Für Psychologen wäre es diagnostisch sehr auffällig, wenn ein Mensch erzählen würde, er hätte Gottes Stimme gehört. Man müsste nachfragen.
In welcher Sprache hat er gesprochen?
Haben Sie die Stimme innerhalb Ihrer Person oder von außen wahrgenommen?
Und noch viele andere Fragen. Einfach deshalb, um heraus zu bekommen, ob dieser Mensch nicht vielleicht an einem religiösen Wahn oder an einer schizophrenen Psychose erkrankt ist.

Es gibt auch noch andere Schwierigkeiten mit Gottes Stimme und Gottes Willen.
Nicht selten wurde früher der liebe Gott auch als Erziehungsverstärker von den Eltern verwendet: „Du versündigst Dich gegen Gott, wenn Du mir nicht gehorchst!“ – oder so ähnlich.
Zugegeben: Das findet in unseren Tagen immer seltener statt. Einfach deswegen, weil der Gottesgedanke kaum noch im Alltagsleben stattfindet.

Ja, aber wie ist es denn dann mit Gottes Wort an mich?
Gibt es das dann gar nicht? Bilde ich mir das vielleicht einfach nur ein?
Sind dann wirklich diejenigen, die sich von Gott gerufen fühlen, alle krank?

Offenbar braucht es, genau wie in der Textstelle von der Berufung Samuels, einen Schlüssel, eine Erfahrung, ein Wissen um diese Dinge, damit wir sie recht verstehen können.
Eli war ein erfahrener Prophet des Herrn und konnte Samuel die helfenden Hinweise geben.

Gott spricht keine Menschensprache. Er hat auch keinen besonderen Dialekt.
Gott spricht die Sprache des Herzens.
Es ist die Seelensprache.
Unsere fünf Sinne – hören, sehen, schmecken, riechen und berühren – sind an unseren Körper gekoppelt.
Sie werden nicht mehr bestehen, wenn wir sterben.

Und dennoch gibt es ein Gespür für eine Information, das nicht auf diese körpergebundenen Sinne angewiesen ist.
Vielleicht können wir dieses Gespür am ehesten vergleichen mit einer sprachähnlichen Eingebung. Etwa in dem Sinne von:
„Und plötzlich wusste ich, was ich tun sollte!“

Ich selbst durfte eine solche Erfahrung im Alter von ca. dreizehneinhalb Jahren machen. Ich war damals Konfirmand in der hiesigen Schlosskirchen-Gemeinde. Mir sind noch Ort, Datum und Uhrzeit in lebendiger Erinnerung an dieses Ereignis.
Der Effekt war damals bei mir, dass ich sofort begann, mich in der evangelischen Jugendarbeit zu engagieren. Ich blieb ein Suchender. Vielleicht darf ich es so formulieren, dass mich in der Folge Gottes Führung durch evangelische Freikirchengemeinden über evangelikale Gemeinden schließlich in die römisch-katholische Kirche geführt hat. Alle Erfahrungen, die ich auf diesem Weg machen durfte, sind bis heute für mich sehr wichtig und wertvoll.

Am heutigen Tag beginnt für uns die Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Gott spricht alle Menschen persönlich an, z.B. den Juden Samuel.
Uns Christen sogar höchst persönlich durch seinen eingeborenen Sohn Jesus von Nazareth.
Und zwar alle Christen. In allen Konfessionen.
Da ist keiner bevorzugt oder benachteiligt.
Gottes Liebe gilt uns allen gleich. Diese Liebe eint uns zu seiner Familie. Wir sind alle Gottes geliebte Kinder. So trifft es sich ganz gut, dass wir heute auch den Familiensonntag begehen.
Uns eint die Schuldigkeit, unserem himmlischen Vater zu danken:
Gemeinsam. Für alles was es gibt.
Einfach nur danken. Alle zusammen.

Dazu braucht es keine gemeinsame Kirchenorganisation und auch keine gemeinsame Liturgie.
Natürlich wäre es viel schöner, wenn wir das zusätzlich hätten, aber im Himmel ist das persönliche „Ja“ des einzelnen Menschen auf Gottes Anfrage viel, viel wichtiger.

„Hier bin ich“, sagte Samuel.
Und dann hat er gar nicht mehr weiter gesprochen.
Er hat gehört. Warum?
Weil das Wichtigste bereits geschehen ist: Samuel hat seinen „Empfangskanal“ für Gott geöffnet. Bildhaft im Text wird es „hören“ genannt.

Inhaltlich war diese Offenbarung für Samuel schon eine Zumutung: Er sollte Eli eine schlechte Botschaft überbringen. Und das als sehr junger Kerl.
Wenn uns Gott ruft, bedeutet das in der Regel nicht, dass dieser Auftrag etwas sehr Angenehmes ist. Eher im Gegenteil:
Wir werden dazu berufen, uns selbst und anderen etwas deutlich zu machen.
Wir werden dazu berufen, zu dienen und uns vollständig zur Verfügung zu stellen, auch wenn es unangenehm wird.
Und – wir schaffen das.
Wir schaffen das, weil wir wissen, dass wir nicht in eigenem Namen handeln, sondern letztlich „von ganz oben“ beschützt und gesendet sind. So missverständlich sich das anhört. Aber darüber habe ich ja eingangs schon gesprochen.

Was bleibt für die Berufenen, für Samuel?
Er weiß jetzt, worauf er zu achten hat, wohin er aufmerksam sein soll, auf welche „innere Stimme“ er hören sollte. Ab jetzt ist er „online“.
Er verläßt sich nun nicht mehr auf seine eigenen Berechnungen und Hochrechnungen, sondern hört/fühlt dorthin, wo er erkennen kann, was jetzt und hier das Richtige sein soll.

Das jeweils Richtige ist – wie wir wissen – niemals ein und dasselbe. Die Welt ändert sich, jeder Moment ist neu.
Es kann also nicht um eine immer gleiche gültige Regel gehen, sondern immer nur um das, was in dem aktuellen Moment das in Liebe „Passende“ ist.

Und das können wir nur erspüren, in uns tief drinnen hören, wenn wir dabei Gott um seine Hilfe bitten.
Öffnen wir unsere Herzen und Sinne für die Stimme Gottes, die jeden von uns erreichen will und lasst uns innen ganz still antworten: „Herr, hier bin ich, rede, denn dein Knecht, deine Magd hört.“

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