Aber Hallo! Wenn ich den mal zu Gesicht bekäme…

Abbe Nicols Jouy beuroner Kunstverlag
Abbe Nicols Jouy beuroner Kunstverlag

Hallöchen , Hallo und Hallöchen – Hotline für alle Lebenslagen

So beginnt die SWR 3- Comedy, die mir morgens auf dem Weg zur Arbeit ein Lächeln ins Gesicht zaubert, weil der arme Herr „Opfer“ mal wieder in eine Hotline-Warteschleife geraten ist. „Nennen Sie Ihr Anliegen“ – „Drücken Sie die 1“, oder doch besser die 2“ – so antwortet ihm die automatische Stimme. Er wird verbunden und weiterverbunden, landet schließlich bei einem Sachbearbeiter, der ihm Antworten auf Fragen gibt, die er gar nicht gestellt hat. Zum Schluss weiß er weniger als am Anfang und muss jeden Morgen resignieren: „Ich gebe auf“.

So ähnlich müssen sich doch die armen Griechen im Johannes-Evangelium gefühlt haben. Sie wollten Jesus sehen, wurden an Philippus weiter geleitet, der hat sie mit Andreas verbunden und schließlich kriegen sie eine Antwort, die gar nicht zu ihrem Anliegen passt.

Was wollten sie eigentlich von Jesus? Was hatten sie von ihm erwartet?

Johannes gibt uns einen Hinweis, indem er die Fragesteller als Griechen vorstellt. Keine Angst – die wollten kein Geld von ihm leihen. Nein, die Griechen zur Zeit Jesu standen für einen anderen Schlag von Mensch: Sie waren an Erkenntnis, an Wissen, an philosophischen Diskussionen und mythischen Erfahrungen interessiert. Vielleicht erhofften sie von Jesus da neue Impulse. Oder sie hatten von seinen Wundern und Heilungen gehört und wollten das Rezept für ein sorgenfreies Leben. Möglicherweise war es ihnen auch sehr ernst – sie kamen schließlich zum beten. Was es auch war: Wahrscheinlich stellen sie sich auch die nahe liegende Frage, welche Gegenleistung Jesus von ihnen erwartet und welche Ansprüche er an sie stellt.

Nach der ganzen Vermittlungskette antwortet Jesus nicht direkt. Sie wollten ihn sehen. Er spricht von etwas ganz anderem. Hat er die Frage nicht verstanden?

Jesus zeigt auf 3 Pole, die ihm wichtig sind:

  1. Die Herrlichkeit Gottes. Er kommt aus der Herrlichkeit Gottes. Gott gibt ihm diese Herrlichkeit zurück und nimmt ihn in sein aller überstrahlendes Licht der Liebe und der allumfassenden Macht auf. Er hat die Macht alle, die ihm vertrauen an sich zu ziehen – mitten in diese Herrlichkeit hinein.
  2. Das Leben in dieser WeltTrotzdem oder gerade deswegen weicht Jesus dem Leben nicht aus. Er weicht dem Leben in all seinen Facetten nicht aus, auch wenn er in diesem Leben hier Ablehnung, Verleumdung, unsagbare Schmerzen und den Tod findet. Er definiert sein Leben hier als Dienst an den Menschen. Er lebt nicht nur mit den Menschen, sondern er lebt für die Menschen seiner Zeit. Das ist seine Lebenshingabe – für die anderen da sein. Zwischen den Zeilen kommt ein Grundton zu klingen, der wie eine Untermalung sein Leben prägt: Das grenzenlose Vertrauen in Gott!Das ist genau sein Weg: Das Leben durchschreiten in allen Höhen und Tiefen bis zum Tod – Lebenshingabe im Dienst für die Menschen – und grenzenloses Gottvertrauen. Damit wird Jesus zu dem neuen Menschen, von dem der Prophet Jeremia gesprochen hat. Der neue Mensch, der Gott in sein Herz geschrieben hat, den niemand mehr belehren muss, weil er Gott ganz und gar kennt und angenommen hat. Ein neuer Mensch, an dem keine Schuld ist, die ihn von Gott trennen könnte.
  3. Der dritte Punkt ist seine Antwort an die Griechen: Nachfolge!Nicht eigene Wege gehen in der es um die eigene Selbstverwirklichung geht, sondern den eigenen Lebensweg mit Christus gehen, ihm nachfolgen und sich von ihm anziehen lassen. Seinen Weg gehen in der Lebensannahme mit allem was da kommt, einschließlich des Todes-im Leben für die Mitmenschen, was einschließt, dass man sich durchaus auch helfen lassen darf, ja sogar die Hilfe der anderen als Hilfe Gottes anzunehmenim Leben aus einem Gottvertrauen heraus.

Das Evangelium sagt uns nicht, wie die Griechen reagiert haben. Es lässt diesen Punkt offen als Frage an Sie:

Wir kennen Christus nicht direkt. Ja, wir würden ihn auch gern mal leibhaftig sehen, mit ihm diskutieren und reden. Aber unser Wissen und unsere Beziehung zu ihm sind vermittelt über Eltern, Lehrer, Kirche, Vorbilder. Da geht es uns nicht anders als den Griechen, die auf die Vermittlung von Philippus und Andreas angewiesen waren. Auch uns stellt sich die Frage, was wir von Christus denn erwarten, dass er tut oder sagt. Und seine Antwort ist die gleiche, wie diejenige an die Griechen:

Ich führe euch in die Herrlichkeit Gottes!

Der Weg dorthin geht genau durch dieses irdische, weltliche Leben.

Ihr müsst mir auf dem Weg nachfolgen im Leben und Dienst an dieser Welt – im Gottvertrauen – durch den Tod hindurch.

Wer diesen Weg der Nachfolge ablehnt und in seinem eigenen Leben verharrt, der wir im Tod bleiben – im Tod verharren, zerfallen zum Nichts, zu Staub.“

Tja: Das ist die Karwoche, da geht`s zu Ostern

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