Beten hilft! – Hilft Beten?

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Das Gebet ist der Inbegriff jeglicher Religiosität: Wer glaubt, der betet.

Aber wie funktioniert das eigentlich mit dem Beten? Janis Joplin sang vor vielen Jahren den Hitsong: „Oh Lord, won´t you buy me a mercedes benz!“ – Sie starb leider schon sehr früh und fuhr bis dahin meines Wissens keinen Mercedes Benz. Was ging da schief?

Den größten Verdruss beim Beten verschafft uns das Modell „Kaugummi-Automat“: Oben Gebet rein, unten die Wunscherfüllung raus.
In der Regel beziehen wir dieses Modell ja ohnehin nur auf Bitt-Gebete. Aber wer das schon so probiert hat, stellt fest, dass es nicht so schnell und häufig auch nicht so, wie gewünscht, klappt. Ganz oft erkennen wir dann deutlich später, dass die Wünsche durchaus erfüllt wurden, aber eben nicht selten ganz anders, als wir uns das vorgestellt hatten.

Eines der brauchbarsten Denkmodelle über das Beten möchte ich das Modell „Rundfunk-Empfänger“ – oder moderner: „WLAN-Empfänger“ – nennen: Der Sender/das Internet sendet nonstop über 24 Stunden am Tag; der Empfänger muss den Sender suchen und immer wieder sauber einstellen.
Öfter hört man solche Sätze wie: „Na, da habt ihr aber einen Schutzengel gehabt!“ oder „Also, da hatte wohl der liebe Gott die Finger im Spiel!“ Gilt das nur für diese auffälligen Momente, in welchen mir Gottes Fügung bewusst wird? Was macht denn bitteschön der Himmel in der Zwischenzeit? Urlaub? Ganz ähnlich mit der Sendeanstalt bzw. dem Funkhaus oder dem Internet: Wenn ich den Sender/WLAN-Anschluss verstelle, bekomme ich den Eindruck, dass da wohl niemand mehr arbeitet. Das hängt aber nicht am Sender und den Mitarbeitern dort, sondern an der Einstellung meines Empfängers.
Unser Gebet verändert Gott nicht: Seine Liebe für uns ist stets maximal und etwas wirklich Neues können wir ihm auch nicht erzählen.
Ja, aber ist dann das Beten nicht sinnlos? Nein. Im Gebet richte ich mich auf Gott aus, schalte ich mich mit Gott „online“: Ich bin/werde mir seiner Gegenwart in mir und um mich herum bewusst und weiß mich gut gehalten und geborgen bei ihm, auch und gerade, weil ich ganz sicher sein darf, dass er meine Lebensumstände sehr genau kennt und für mich das letztlich Beste will.
Allerdings sind seine Wege für mich nicht gradlinig berechenbar oder einsichtig und nicht unbedingt die bequemsten, aber darum geht es im Leben auch letztlich nicht. Wir sollen hier ganz individuell bestimmte Erfahrungen machen und möglichst aufmerksam dafür bleiben, wo wir von anderen gebraucht werden.
Am besten: immer „online“.

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