Die Ostereier sind weg – Was ein Glück!? oder wie…oder was?

  • Die Ostereier sind endlich aus den Regalen verschwunden – bis auf ein paar Restposten, die es jetzt billiger gibt. Das Geschäft ist gut gelaufen, zumal es gelungen ist die Aktion aus wirtschaftlicher Sicht die gesamte Fastenzeit über in Schwung zu halten. Dabei gehörten die Eier ursprünglich mal zu den Speisen, auf die in der Fastenzeit verzichtet werden sollte. So rum ist es aus Sicht der Erzeuger, des Handels und der Discounter aber sicher besser, auch wenn keiner mehr weiß, warum die Eier bunt gefärbt werden. Verstecken braucht man sie an Ostern auch nicht mehr, weil jedes Kind ja mehr als genug schon vorher davon bekommen hat.
  • Was es mit diesen bunten Eiern auf sich hat, fragten sich auch einige muslimische Asylanten. Leider bekamen sie in ihrer christlichen Umgebung keine Antwort, außer dass das nun mal so sei und irgend etwas mit Ostern zu tun habe. Auf die Frage was Ostern denn sei, bekamen sie auch keine befriedigende Antwort.Ich habe es dann mal so versucht:Ostern ist nicht ein Fest an einem Tag, sondern es ist ein Fest an drei Tagen in einem Drei-Klang, den heiligen drei Tagen.Der erste Akkord erklingt am Donnerstag Abend mit dem Gedenken an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Jesus lädt zu einer Tischgemeinschaft ein. Er ist Gastgeber eines großen Festmahls. So lädt Gott uns bis zum heutigen Tag ein Gemeinschaft mit ihm zu haben, mit ihm an einem Tisch zu sitzen und seine Gäste zu sein, ja seine Freunde. Weil es dabei nun mal ums Essen geht, erinnert das Osterei an genau diesen Aspekt der Tischgemeinschaft und Essensgemeinschaft mit Gott. Die Muslime, welche aus einer Gegend kommen, wo Gastfreundschaft und Mahlgemeinschaft durchaus einen hohen Stellenwert haben, verstanden das sofort und erkannten, welch hoher Wertschätzung und welch hohe Gnade Gottes hier zum Ausdruck kommt.

    Der zweite Akkord ist Karfreitag und das Gedenken an Leiden und Sterben Jesu. Das ist jetzt schon etwas schwieriger mit einem Ei zu verbinden. Versuchen wir es dennoch:

    Karfreitag ist nicht nur Leiden und Sterben Jesu, sondern in diesem Leiden und Sterben wird das menschliche Leben insgesamt vollzogen bis zum Schluss. Jesu Leben bis zum letzten Schluss. Das heranwachsende Küken im Ei lebt in seiner eigenen Welt, es kennt nur die Welt-im-Ei. Diese Welt ist von außen betrachtet -aus unserer Sicht-, äußerst beschränkt und klein. Aus der Sicht des Küken ist sie einfach alles was es gibt. In Jesus nimmt Gott sich dieser kleiner Welt an, wird Teil dieser kleinen Welt und diese Welt mit uns. Können wir uns das vorstellen? Wären wir gerne ein Küken in einem Ei? Wohl kaum! Gott ist bei uns in unserem ganzen Leben – da nickten auch die Muslime. Dass er unser Leben in Jesus so mit uns teilt, hat ein zweifelndes Nachdenken ausgelöst. Kann das Sein? Als Christ kann ich sagen: Ja, das ist so.

    Das Küken muss im Ei reifen, wie auch wir in unserer Welt reifen und groß werden müssen. Mit uns sollte auch unser Glauben reifen und groß werden. Wie dem auch sei: Das Leben im Ei ist begrenzt und geht definitiv so oder so zu Ende. Nicht selten, stirbt das Leben in diesem Ei einfach ab; nicht selten wird die Ei-Welt zerstört und mit ihm das heranwachsende Küken. Nicht selten wird das Ei ausgesaugt und sein Inhalt vertilgt. Und dann gibt es noch die große Schar derer, deren Eiwelt zwar zerbricht, denen sich aber

  • der dritte Akkord des Osterfestes eröffnet wird: Sie treten ein in eine neue Welt, die so unsagbar größer, bunter, schöner, voller Klangfarben, Gerüche und Eindrücke ist, wie man es in der Welt-im-Ei nie für möglich gehalten hätte: Ostern – Auferstehung in eine neue Lebensform und Existenz, durch den Tod und das Zerbrechen der Welt-im-Ei hindurch! Auch hier stimmten die Muslime mir wieder zu.Am Ende waren meine muslimischen Freunde und ich uns einig, dass sie nun mehr zu Ostereiern sagen können, als viele in ihrer christlichen Umgebung. Das Schöne an der ganzen Sache ist: Auch wenn die Ostereier aus den Regalen verschwunden sind: Auferstehung gibt es weiterhin jeden Tag – bis zum nächsten Osterfest.

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