„Wenn ich Dir die Füße nicht wasche, hast Du keinen Anteil an mir.“

Schmutzfuessekl

„Wenn ich Dir die Füße nicht wasche,
hast Du keinen Anteil an mir.“

Gott selbst wäscht uns die Füße. Welch ein Zeichen!

Der heutige Hohe Donnerstag ist der Beginn des Heiligen Dreitägigen Ostergeschehens, des Triduum Paschale.
Wir verstehen also den heutigen Tag als Auftakt zu einem einzigen Gottesdienst, der sich über drei Tage erstreckt und erst mit der Feier der Auferweckung Jesu Christi seinen Höhepunkt findet.

Die heiligen Texte zu unserer heutigen Feier haben selbstverständlich beide Seiten biblischer Aussagen:
Zum einen die immanente, weltliche Seite, die sich auf unser Verhalten in der Welt bezieht.
Zum anderen die transzendente, die himmlische, Seite, die sich auf die Wirklichkeit des Göttlichen bezieht.

Wir lesen im Korinther-Brief die Einsetzung des eucharistischen Mahles am Vorabend der Kreuzigung und zum gleichen historischen Zeitpunkt von der Fußwaschung im Johannes-Evangelium. Beides hat also etwas Bedeutendes miteinander zu tun.

Die Fußwaschung ist ein Zeichen der Demut, der Liebe und der Fürsorglichkeit. Ein Liebesdienst. Und zwar ein sehr intimer Liebesdienst.
Wir wissen alle, dass Füße schmutzig werden, ohne, dass wir uns besonders darum bemühen müssten, dass sie schmutzig werden.
Zur Zeit Jesu trug man hauptsächlich Sandalen und die Straßen und Wege waren staubig. Das Füße-Waschen war der Dienst an den Gästen, den damals zumeist niedrige Hausangestellte oder Sklaven übernahmen.
Schmutzige Füße sind nicht unbedingt eine sehr angenehme Sache. Nicht selten riechen sie auch anderes als es z.B. bei Rossmann riecht. Und wir wissen das.

An dieser Stelle fühlen wir uns nicht perfekt und wir möchten gern die Veröffentlichung dieser vielleicht etwas peinlichen Intimität vermeiden. Da waschen wir uns die Füße lieber für uns alleine selber.

Dieser Effekt wird mit ziemlicher Sicherheit jedes Jahr vor Gründonnerstag deutlich. Nämlich bei der Frage an die Gemeinde-Mitglieder, Kommunion-Kinder, Firmlinge oder die Mitglieder des Pfarrgemeinderates, ob sie denn bereit wären, sich in diesem Gottesdienst die Füße waschen zu lassen.
Zuerst: Schweigen. Unter sich schauen.
Dann: Ausreden suchen, Schwierigkeiten nennen.
Oder: Auf geeignetere Opfer verweisen.
Oder ähnliches.

Was ist da los?

Sicher haben Sie schon mit Pflegebedürftigen zu tun gehabt, kennen Menschen die pflegebedürftig sind oder sie brauchen selbst Unterstützung aus Alters- oder Krankheitsgründen.
Allein schon beim Nachdenken über diese Dinge überkommt uns ein komisches Gefühl.
Wie werde ich mich fühlen, wenn mir jemand beim Waschen oder Anziehen helfen muss?
Was wird dieser Mensch über mich denken, wenn ich vielleicht schmutzig bin und gereinigt werden muss?
Ich muss ja dann anderen zur Last fallen, sie belästigen.
Das ist mir peinlich. Obwohl ich doch gar nichts dafür kann.

Ohne diese Hilfe kann ich aber auch nicht bleiben. Ich bin ja darauf angewiesen, dass mir dieser Dienst geleistet wird.

Ein Dilemma.

Und dieses Dilemma haben wir auch in spiritueller Hinsicht:
Wir können uns nicht die eigene Schuld und unsere Schwächen, unsere Allzu-Menschlichkeiten selber vergeben. Wir machen uns immer wieder deswegen Vorwürfe.
Aber wir machen nicht nur uns wegen unserer Unvollkommenheit Vorwürfe, wir machen sie auch anderen, wenn uns etwas an ihnen oder ihrem Verhalten nicht passt.

Wir scheitern also wieder an unsere menschlichen Erbsünde: Nämlich, dass wir die Maßstäbe setzen und die Abweichungen abwerten: „Wussten, was gut und böse ist, und wollten sein wie Gott.“ – so wird es über Adam und Eva berichtet.

Genauso, wie das Kreuz, das Schreckenszeichen der Menschen-Quälerei, für uns zum Zeichen der Hoffnung und des ewigen Lebens wird,
genauso wird uns der Liebesdienst der Fußwaschung, ein Akt der demütigen Fürsorge – zur Peinlichkeit.

In diesem Moment erkennen wir den Unterschied, die Distanz, den Abstand zwischen unserer Anmaßung und der übermächtigen Herrlichkeit der demütigen Liebe Gottes zu uns.

Das ist peinlich. Ja, das ist zu Recht peinlich.
Unsere Füße sind es nicht. Auch unsere Schwächen und Eigensüchteleien sind es weniger.
Unsere Anmaßung ist es.

Und das ist auch die bedeutsame Gemeinsamkeit unserer heiligen Texte in diesem Gottesdienst:

In beiden Texten geht es um intime und unvermittelte Gottes-Begegnung. Gott will uns berühren. Er will uns pflegen.
Er will uns leben helfen, während wir immer wieder in unsere anmaßende Distanz zu ihm abrutschen.

Begegnung mit Gott, Begegnung mit dem lebendigen Christus ist Reinigung. Es geht dabei nicht darum, wie Petrus es zunächst missversteht, wie vollständig der Körper gereinigt wird. Es geht um Seelenreinigung.

Seelenreinigung im Sinne der Befreiung von Lasten, Selbstvorwürfen, Befreiung von eigenen Perfektionsforderungen an uns und andere, Befreiung von eigenen unerreichbaren Zielstellungen und Lebensmaximen. Befreiung letztlich von unserer Eitelkeit.

Die gereinigte Seele darf ruhig und getröstet sein.
Sie darf sich an der reichen Fülle Gottes nähren, am heiligen Leib und Blut unseres Herren.
Dort gibt es dann keine Not mehr, keine Peinlichkeit oder Angst vor Unvollkommenheit.

Hier ist die Liebe Gottes vollkommen.
Sie kostet uns nichts.
Außer dem Einverständnis dazu, uns reinigen und lieben zu lassen.

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