Ganz schwierig: Hohepriester – Mittler – Fürsprecher?

Christus-Mittler-Hohepriester2

Johannes berichtet, dass Jesus für seine Junger bittet und betet (Joh 17.9). Ich wurde auf einen Predigtansatz eines Pfarrers aufmerksam gemacht, bei dem dieser auf die Frage antwortet, was Jesus die ganze Zeit im Himmel mache:

Er tritt unablässig vor uns bei Gott ein und bittet für jeden von uns bei Gott. Das korrespondiert mit Hebr. 4, 14- 5.10; 7.24f; 9.11f.

Kann man das so stehen lassen? Ich habe mir schwer getan mit einer Antwort, weil es kein klares JA oder NEIN, gibt. Das unablässige, ständige Eintreten Jesu Christi für uns bei Gott zeigt auf ein Gottesbild, in dem Gott der strafende, rächende, gewaltige und unnahbare Allmächtige ist, in dessen Nähe wir nicht kommen dürfen. Ein Gottesbild, in dem Gott die Seite des Gerechten und Vollstreckers einnimmt und Jesus die Seite des Guten und Barmherzigen. Gott die abstrakte, kalte Wahrheit über uns – Jesus, der mitfühlende und mitleidende Bruder.

Man entfernt sich dann noch ein Stück mehr von Gott, wenn man neben Jesus als Fürbittender bei Gott, Maria als Fürbittende bei Jesus sieht. Gerade im Mittelalter war es üblich, dass jeder oder jede Gruppe ihre eigenen Fürsprecher hatte, weil man eben nicht ohne Weiteres zum Fürsten gehen konnte.

Das alles passt in dieser Form schon nicht, weil Christus gerade der erhöhte Herr und Herrscher ist (Phil 2, 9). Ihm ist das Richteramt übertragen, er hält Gericht, vor ihm muss sich die ganze Schöpfung verneigen (Mt 25.31). Es passt auch nicht, weil Christus nicht das Gegenüber des strengen Gottes ist, sondern die Dreifaltigkeit ist Gott sein in allem. Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott. Eins-Sein mit dem Vater. Gott hat sich in der ganzen Geschichte des AT bereits als der liebende, fürsorgende und rettende Gott gezeigt. Er ist andererseits nicht gute Onkel von nebenan, den man mal belächelnd Duzen darf. Er war aber auch immer schon der nahe Gott, der bei seinem Volk ist in Feuersäule und Wolke, im brennenden Dornbusch, in der Thora, im Offenbarungszelt.

Der Hebräerbrief greift eine jüdisch-semitische Denkweise auf, die wir erst nachvollziehen müssen, um sie verstehen zu können. Der nahe Gott ist immer auch zugleich der unnahbare / ferne Gott, dessen Namen man nicht aussprach, der hoheitliche Gott, dem sich nur der Hohepriester einmal im Jahr nähern durfte. Der Vorhang zum Heiligtum war geschlossen. Damit wurde symbolisiert, dass der Zugang zu Gott verschlossen ist.

Aufgabe des Hohepriesters war es, den Zugang zu Gott zu ermöglichen. Er hat hier nicht in erster Linie für sich gehandelt, sondern sein Beten und Handeln war ein Bitten und Handeln für das Volk. Sein Handeln musste unvollkommen bleiben, weil es ein rein menschliches Handeln war, das zwar von Gott berufenes Handeln ist, aber eben doch menschliches Handeln. Zuerst musste er sich und sodann das ganze Volk durch ein Opfer mit Gott versöhnen (Lev 16, 1). Das heißt zunächst ein Bitten und Beten für das Volk. Sodann beinhaltete es das Sühneopfer. Es wurde ein Bock ausgewählt, der Sündenbock, auf den alle Schuld Israels geladen wurden und der dann in die Wüste geschickt wurde. Zum anderen hat Sünde und Schuld den Tod zur Folge. Die Opferung des Stieres/Bockes und das Bestreichen des Altares mit Blut bedeuten, dass die Menschen den Tod verdient haben und ihr Leben Gott zurück geben muss. Die Tiere sterben dann anstelle des Menschen. Das alles ist Aufgabe des Hohepriesters.

Das Hohepriestertum Christi ist im Gegensatz zu dem aaronitischen Priestertum kein unvollkommen, menschliches Handeln, sondern vollkommenes göttliches Handeln. Hier handelt Gott selbst. Seine Sündenvergebung ist vollständig, der Zugang zu Gott ist uneingeschränkt und unbegrenzt. Sein Handeln, sein Vergeben und sein Zugang zu Gott sind nicht ein einmaliges Ereignis im Jahr oder in einem zeitlichen Moment der Geschichte, sondern es ist ein permanent fortbestehendes Ereignis, das kein Ende kennt, weil Christus endlos und zeitlos ist.

Es ist also richtig, dass Jesus Christus der Mittler des Heiles Gottes ist. Es ist aber kein Mittlungsverhältnis, in dem Jesus quasi als Mittelsmann ein gutes Wort für uns bei Gott einlegt, sondern ein Mittlungsverhältnis, indem wir Anteil an seinem Verhältnis zu Gott, an seiner Einheit mit Gott im hl. Geist erhalten. Wir dürfen die Aussage, dass wir Glieder am Leibe Jesu sind, dass wir in der Taufe mit ihm vereint sind und Teil dieses Jesus Christus geworden sind, durchaus nahezu wörtlich nehmen: Indem wir Teil Christi geworden sind, haben wir Anteil an seinem Gottsein, an seiner Einheit und Gemeinschaft mit Gott im hl. Geist (Röm 6, 3 + 12.4; 1Kor 12.12) Das, wofür Jesus in der Ausgangsszene bittet ist genau diese Einheit: „Alle sollen eins sein. Wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen aus sie in uns sein“ Joh 17.21 Darin liegt die Mittlerrolle und das Mittlerverhältnis. Darin besteht die endgültige Versöhnung mit Gott (vgl Hebr.10, 1) Beten wir nicht im Vater Unser, gerade das Abba-Verhältnis Jesu zu Gott nach? Oder besser: Mit und in Jesus erhalten wir Anteil an dem ABBA-SAGEN des Sohnes.

In Taufe/Firmung schenkt uns Christus Anteil an seinem Amt als König-Prophet -Hohepriester (1 Petr 2,4+9, 5.10+14). Christus tritt deshalb vor Gott vor uns ein, weil die gesamte Menschheit in der Person Jesus Christus vor Gott steht, von ihm angenommen ist und Anteil an seiner Gottheit erhalten durfte. Jesus ist unser Fürsprecher, weil Gott in Jesu Christus unser Menschsein zu seiner eigenen Natur angenommen hat.

Zugegeben: keine einfache Kost. Was ich sagen will: Das Mittlungsverhältnis Jesu Christi geht weitaus tiefer als nur das eines Fürsprechers im herkömmlichen Sinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.