Gottes Geist wirkt – unscheinbar

Himmel1

Gottes Geist ist nicht immer das große und außergewöhnliche Ereignis, sondern er bewegt oft etwas im Unscheinbaren und Dinge erhalten eine Richtung, die man so nicht erkennen konnte. Gottes Geist weht wo und wie er will.

Die nachfolgende Lesung ist weniger bekannt. Sie schildert eine prekäre Situation in der griechischen Stadt Ephesus. In Ephesus gibt es unterschiedliche Interessen, Gruppen und Religionen, in denen die christliche Botschaft nur stört. Es ist eine Welt, die scheinbar „unbestreitbare Tatsachen“ aufzuweisen hat. Eine dieser unbestreitbaren Tatsachen lautet: »In der ganzen Welt weiß man doch, dass unsere Stadt den Tempel großen Artemis hütet und ihr Standbild vom Himmel gefallene ist. Das wird kein Mensch bestreiten!“.

Heute leben wir auch in einer Welt, in der Gott keinen Platz mehr zu haben scheint, oder aber ein fanatisches Zerrbild erhält, das nur abstoßend und menschenverachtend ist. Der christliche Glaube stört, ja er bedroht eine Gesellschaft, die sich ihre eigenen Götter gemacht hat. Christ-Sein und als Christ leben ist heute eine Herausforderung. Kinder und Jugendliche werden belächelt, wenn sie sonntags in die Kirche gehen. Sie werden geradezu überrannt von allerlei „wichtigeren, angenehmeren“ Dingen. Sie werden überrannt von allerlei Götzendienst.

In Ephesus spitzt sich die Gefahr so sehr zu, dass höchste Gefahr für Paulus besteht – doch seine Jünger halten ihn zurück. Sie verhindern, dass er sich in die Höhle des Löwen stürzt und dort möglicherweise umkommt. Gottes Geist wirkt hier in den Jüngern, die Paulus raten, die ihn zurück halten, ihn vor Fehlern bewahren. Unscheinbar – aber hoch- notwendig.

Der Jude Alexander wird aufgerufen und wagt sich vor die Menge. Was wird und wollte er sagen? Man ruft ihm noch schnell ein paar Ratschläge zu. Als Jude hätte er wohl auch gegen die Götzenverehrung vorgehen müssen – andererseits waren die Juden geduldet und hätten sich klar von den Christen distanzieren müssen. Möglicherweise hätte er gesagt: „Mit den Spinnern haben wir guten Juden nichts gemein!“ Aber er kam nicht zu Wort. – Gottes Geist? Sein Wirken?

Auf dem Höhepunkt des Tumultes tritt ein heidnischer Beamter auf. Er ist besonnen, er beruhigt, er führt den Fanatismus zurück und entlarvt ihn als große Seifenblase. Gottes Geist wirkt in diesem Beamten, der keinerlei Sympathie oder Bindung hat. Und doch wirkt Gottes Geist in ihm und durch ihn. Gottes Geist wirkt wo und wie er will. Gottes Geist wirkt unscheinbar und bewegt doch ganzen Massen und Gesellschaften. Dringend bräuchten wir mehr heiligen Geist.

Apg 19, 23 Gefährliche Unruhen in Ephesus

In dieser Zeit kam es wegen der neuen Lehre zu schweren Unruhen in Ephesus. Es gab dort nämlich einen Silberschmied namens Demetrius, der silberne Nachbildungen vom Tempel der Göttin Artemis* verkaufte; das brachte ihm und den Handwerkern, die er beschäftigte, einen schönen Gewinn. Dieser Demetrius rief alle, die in diesem Gewerbe tätig waren, zusammen und sagte: »Männer, ihr wisst: Unser ganzer Wohlstand hängt davon ab, dass wir diese Nachbildungen herstellen. Und ihr werdet erfahren haben, dass dieser Paulus den Leuten einredet: ‚Götter, die man mit Händen macht, sind gar keine Götter.‘ Er hat mit seinen Reden nicht nur hier in Ephesus Erfolg, sondern fast überall in der Provinz Asien. Es besteht aber nicht nur die Gefahr, dass er unseren Geschäftszweig in Verruf bringt, nein, auch die Achtung vor dem Tempel der großen Göttin Artemis wird schwinden! Es wird noch dahin kommen, dass die Göttin ihr Ansehen vollständig einbüßt – sie, die heute in der ganzen Provinz Asien und überall in der Welt verehrt wird!«

Als die Männer das hörten, wurden sie wütend und riefen: »Groß ist die Artemis von Ephesus!«
Die ganze Stadt geriet in Aufruhr und die Leute stürmten ins Theater. Gaius und Aristarch, Reisegefährten von Paulus aus Mazedonien, wurden von der Menge gepackt und mit dorthin geschleppt.
Paulus selbst wollte sich der Menge stellen, aber die Jünger* ließen ihn nicht aus dem Haus.  Auch einige hohe Beamte der Provinz, die ihm freundlich gesinnt waren, warnten ihn durch Boten davor, sich im Theater sehen zu lassen.

Unter den dort Zusammengeströmten herrschte die größte Verwirrung. Alle schrien durcheinander und die meisten wussten nicht einmal, worum es ging.
Die Juden schickten Alexander nach vorn. Alexander winkte mit der Hand und wollte vor dem Volk eine Verteidigungsrede für die Juden halten. Aber als die Leute merkten, dass er Jude war, schrien sie ihn nieder und riefen zwei Stunden lang im Chor: »Groß ist die Artemis von Ephesus!«

Schließlich gelang es dem Verwaltungsdirektor der Stadt, die Menge zu beruhigen. »Männer von Ephesus«, rief er, »in der ganzen Welt weiß man doch, dass unsere Stadt den Tempel großen Artemis hütet und ihr Standbild vom Himmel gefallene ist. Das wird kein Mensch bestreiten! Beruhigt euch also und lasst euch zu nichts hinreißen!

Ihr habt diese Männer hergeschleppt, obwohl sie weder den Tempel beraubt noch unsere Göttin beleidigt haben.
Wenn Demetrius und seine Handwerker Anklage wegen Geschäftsschädigung gegen jemand erheben wollen, dann gibt es dafür Gerichte und Behörden. Dort können sie ihre Sache vorbringen.
Wenn ihr aber irgendwelche anderen Forderungen habt, muss das auf einer ordentlich einberufenen Volksversammlung geklärt werden.
Was heute geschehen ist, kann uns leicht als Rebellion ausgelegt werden. Es gibt keinen Grund für diesen Aufruhr; wir können ihn durch nichts rechtfertigen.«

Mit diesen Worten löste er die Versammlung auf.

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