Kirche? Was ist das?

Kirche 063

Stellen wir uns einmal vor, wir wären auf einem Stadtbummel unterwegs und alles wäre so weit in Ordnung:

Das Wetter ist gut, die Mitmenschen friedlich und es gibt viele schöne Sachen zu sehen.
Und dann kommen wir an einem Schriftenstand vorbei, an dem eine politische Partei dafür eintritt, dass die Kirchensteuer abgeschafft werden sollte, dass der Einfluss der Kirche begrenzt oder besser abgestellt werden sollte und dass die Kirche letztlich eigentlich aufgelöst gehört.

Ein Mensch stellt sich uns in den Weg, hält uns ein Flugblatt mit diesen Forderungen hin und fragt: „Wissen Sie eigentlich auch nicht, was die Kirche in unserer Gesellschaft zu suchen hat?“
Natürlich ist das als suggestive Frage gemeint, die nach dem Wunsch der Aktivisten mit „Ja“ beantwortet werden sollte.

Es wäre durchaus spannend, einmal dabei zu sein und zu beobachten, welche Reaktionen eine solche Frage bei den Passanten, auch bei uns, auslösen würde.

Diese Fragen sind ja nicht aus der Luft gegriffen, sie werden durchaus so gestellt und die Kirche wird durchaus in Wirklichkeit so kritisch bekämpft.

Wenn wir diese Frage einmal ernst nehmen wollen und nicht nur als politische Herausforderung von uns weisen wollen, dann kommt die Frage auf:
Was könnten wir auf die Frage, was Kirche eigentlich ist, antworten?
Was ist das Kirche? Wie kann sie definiert werden, wenn wir einmal etwas genauer sein wollen als die landläufige Vorstellung von einem „unvernünftigen Gebetsverein“.
Was bedeutet eigentlich das Wort „Kirche“?
Könnten wir das spontan erklären?

Damit wir das können, möchte ich heute einmal etwas Zeit darauf verwenden, diesen Begriff zu klären. Er hat nämlich sehr viel mit dem Bild vom Weinstock und den Rebzweigen zu tun. Aber er hat auch sehr viel mit „Volk Gottes“ und dem „Leib Christi“ zu tun, wie wir noch hören werden.

Das Wort „Kirche“ leitet sich aus dem griechischen Wort „Ekklesia“ ab. Schön und gut. Aber was bedeutet das nun.

Das Wort „Ekklesia“ steht in Verbindung mit dem griechischen Tu-Wort „Ekklein“ – Herausrufen.
Aber wie passt das zusammen?
Aus der Kirche werden wir doch nicht herausgerufen.
Nein, es meint, dass Gott sein Volk aus dieser Welt herausruft – und damit in die Kirche hinein.
Wie können wir uns das klar machen?

Wenn wir den Namen Gottes nicht kennen würden, wären wir letztlich auf die Welt angewiesen. Das Leben bliebe ein steter Leidensakt und der Tod wäre das Ende.
So sehen es übrigens viele nichtgläubige Menschen durchaus.

Diejenigen, die sich von Gottes Wort, dem lebendigen Christus, aus dieser Welt herausrufen lassen, beginnen, über diese Welt hinaus zu denken.
Da gibt es mehr, als das, was wir sehen und anfassen können.
Hinter dem Horizont geht es weiter. Die Welt und der Tod haben nicht mehr das letzte Wort. Es gibt eine Wirklichkeit jenseits der materiellen Welt.

Diese Gedanken nennen wir „Glauben“. Wir gehen von einer Wirklichkeit aus, die zwar nicht in einem materiellen Sinne sichtbar ist, aber die uns trägt, uns hoffen und leben lässt, die uns tröstet und heilt.

Der Begriff „katholisch“ ist dabei übrigens keine zufällige Vereinsbezeichnung, sondern eine theologische, eine spirituelle Kernaussage: Diese Gotteswelt, an die wir glauben, das Reich Gottes, welches Jesus gepredigt hat, ist allumfassend, unendlich, alles einschließend. Es lässt niemanden außen vor, Gottes Liebe gilt allen, ohne Ausnahme.

Einzig der freie Menschenwille kann sich dagegen entscheiden, diese Liebe für sich selbst anzunehmen. Wir können dieses Liebesangebot Gottes eben auch ausschlagen.

Gott ruft uns aus dieser Welt heraus durch sein einziges lebendiges Wort, Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.
Er wird damit zum zentralen Bindeglied unserer Beziehung zum lebendigen Gott. Über diesen Gedanken, dieses Wort bleiben wir in Verbindung mit der göttlichen Welt, welche die geschaffene Welt übersteigt.

Er ist der Weinstock, über welchen wir, seine Anhänger, seine Rebzweige, den Zugang zum Winzer erhalten.
Nur in dieser Verbindung können wir die gewünschten Früchte, die Trauben ausbilden, wie es unser Auftrag ist.

Was sind diese Trauben? Wofür steht dieses Bild?
Die sichtbare Frucht des Glaubens ist die gelebte Nächstenliebe.

Dadurch, dass ich durch den Weinstock mit dem väterlichen Winzer verbunden bin, brauche ich keine Angst mehr um mich selbst zu haben. Ich brauche nicht mehr zu fürchten, zu kurz zu kommen oder wichtige Dinge zu verlieren, denn ich bin im Vater geborgen.
Was kann mir schon Schlimmes passieren? Dass ich nach Hause gehen kann zu meinem Vater? Das ist nicht schlimm, sondern ein Grund zum Feiern!

Der Weinstock und die Rebzweige bilden das fruchtbare Ganze. Sie bilden einen einzigen ertragreichen Organismus, der nur zusammen das gewünschte Ergebnis erbringen kann – die Liebe.
Der Weinstock selbst ist auf die Rebzweige angewiesen, – aber die Rebzweige sind ohne Weinstock sinnlos und wertlos.

Wir bilden als Kirche diesen Organismus, den Leib Christi.
Diese Verbundenheit mit Gott in unserem tröstlichen Glauben feiern wir in den kirchlichen Gottesdiensten: Im Gottesdienst dient uns Gott. Damit wir dem Mitmenschen dienen können.

Und der Höhepunkt für uns katholische Christen ist als das innigste Zeichen der Verbundenheit mit dem Weinstock Jesus Christus: die Kommunion.
Hier begegnen wir in Brot und Wein der wahren Person Christi.
Hier werden wir sichtbar und spürbar als Rebzweige von unserem versorgenden Weinstock genährt und gehalten.

Dabei sollen wir die liebevolle Verpflichtung zum Fruchtbringen niemals vergessen: Die Nächstenliebe.
Hier entscheidet sich die Glaubwürdigkeit des ganzen Systems. Und das hat mit uns zu tun. Daran entscheidet sich, ob wir Kirche sind.

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