Asyl…Auch ich habe keine Antwort

Der Strom der Flüchtlinge wird allein in diesem Jahr 1 Million Menschen umfassen, die aus aller Herren Länder – Syrien, Palästina, Eritrea, Afghanistan, Somalia kommen. Die meisten kommen mit schrecklichen Erlebnissen, sind hilfebedürftig und dankbar. Doch es wäre blauäugig und unverantwortlich, würden wir so tun, als ob es da keine Probleme gäbe und mit etwas Lächeln und etwas „Willkommenskultur“ sei alles schnell zu regeln.

Allein die Frage der Unterkunft treibt Gemeinden, Städte und Länder weit über die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Das Land Rheinland-Pfalz musste nun eingestehen, dass ein Teil der Flüchtlinge den Winter in Zelten verbringen muss. Vor Ort wird improvisiert und getan, was irgendwie möglich ist. Caritas und Sozialverbände tun, was in ihrer Macht steht. Doch Missverständnisse und ein Durcheinander auf allen Ebenen sind an der Tagesordnung.

Integration ist gefordert und fängt mit der Sprache an. Doch was, wenn jemand keine der in Europa gängigen Sprachen spricht? Integrationskurse und Sprachkurse mit täglichem Unterricht gibt es erst für anerkannte Flüchtlinge – bis dahin vergeht locker mal ein ganzes Jahr und mehr.

Die Menschen kommen zu uns mit einer ganz anderen Kultur und Lebenseinstellung. Unser Verständnis von Pünktlichkeit prallt auf ein zeitloses Tageserleben. Improvisation und Spontanität trifft auf Verwaltung, Ordnung und Gesetze.

Familienhierachie / Familientradition steht plötzlich gegen Freizügigkeit und Individualismus. Für manche Flüchtlinge ist es ein Kulturschock, wenn sie plötzlich leicht begleitete Frauen erleben, oder ihnen gegenüber eine Frau sitzt, die mehr zu sagen hat als ein Mann. Auch wenn sich die CDU-Vorsitzende Klöckner darüber wunderte, als ein Imam ihr den Handschlag verweigert hat– damit muss man wohl nunmehr rechnen.

Zu einer islamischen Heirat gehört die Vereinbarung der „Morgengabe“ – auch in Deutschland, obwohl solche Regelungen zum allergrößten Teil unwirksam sind.

Dass beim LG Darmstadt ein muslimischer Mann den Ehrenmord rechtfertigt mit der Feststellung, die deutsche Gesellschaft würde nun mal nicht verstehen, was Ehre sei – damit wird man kämpfen müssen.

Berufliche Qualifikationen sind nicht mit den unsrigen vergleichbar. Erst recht stehen sich unsere Vorschriften selbst im Wege und widersprechen den Forderungen nach einer schnellen Arbeitsaufnahme. Tatsächlich ist es teilweise kaum möglich, gesetzeskonform eine Arbeitsstelle an Flüchtlinge zu vermitteln.

Wenn Flüchtlinge den ganzen Tag mit Nichts-Tun und Langeweile verbringen, keinen Zugang zu Sprach- und Integrationskursen haben, in Unterkünften eng zusammen leben, dann stauen sich Aggressionen an. Die Flüchtlinge bringen ihre Konflikte untereinander und Vorurteile gegeneinander mit.

Wer glaubt, es gäbe nur den lieben und friedlichen Flüchtling, der wird genauso zu belehren sein, wie derjenige, der hinter jedem Flüchtling einen möglichen Terroristen sieht.

Es gibt Enttäuschungen auf beiden Seiten: Bei den deutschen Helfern – und bei den Flüchtlingen, denen man ein Bild von Deutschland gezeichnet hat, das nicht annähernd mit der Wirklichkeit überein stimmt.

Wenn Flüchtlingsströme Grenzanlagen einfach niederreißen, mit Gewalt Züge erobern, nicht mehr bereit sind, sich registrieren zu lassen und zugewiesene Aufenthaltsräume verlassen, dann hat das schon etwas von einer Invasion und ist nicht mehr nur „Ersuchen um Asyl“. Es zeigt sich eine Haltung, die nicht mehr bereit ist, Regeln anzuerkennen und einzuhalten. Es ist dann ein gewaltsames Sich-nehmen. Andererseits haben wir möglicherweise ihnen keine andere Wahl gelassen. Die Zustände in den Flüchtlingslagern in Syrien, Libanon und der Türkei waren uns doch bisher ebenso egal, wie die Lage der Menschen in Eritrea.
Muss eine Gesellschaft nicht auch das Recht haben zu sagen, dass es für einen bestimmten Zeitraum oder in einem bestimmten Umfang einfach nicht mehr fähig ist, mehr Flüchtlinge aufzunehmen? Eine maßlose Selbstüberschätzung kann in das Gegenteil von Hilfe umschlagen.

Was sagt die Bibel zu alledem?

  1. Sieh zu allererst auf den notleidenden Menschen – Gott liebt auch den Fremden und fordert dich zur Liebe zu dem Fremden auf (Dtn. 10, 12 ff ; Lk 17, 16; Lk 6, 36)
  2. Weder Jesus noch seine Jünger haben alle Kranken geheilt, oder haben allen geholfen (Mk 1,32 +34). Es gibt immer auch die Zeit, wenn Leute nach Hause geschickt wurden. Es gibt die notwendige Zeit, sich zurück zu ziehen und sich zu sortieren (Mt 14, 23)
  3. Not lindern und Krankheiten heilen, standen bei Jesus in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verkündigung des Reiches Gottes. Glauben und Tat gehörten zusammen (Mk 6, 2+5; Mt 10, 7+8). Davon traut sich niemand zu reden. Das ist sicherlich unschicklich. – Ich tue es trotzdem und bete mit den Flüchtlingen, auch Moslems. Ich lasse keinen Zweifel daran, dass mein Handeln ein Handeln im Namen Jesu Christi ist.

Das Spannungsverhältnis ist so groß, dass ich keine Antwort geben kann. Was mir bleibt, ist die Sorge um die Menschen, die Gott mir in die Arme treibt. Was mir bleibt, ist das Vertrauen in einen Gott, der letztlich der Herr der Geschichte ist. Ich weiß nichts von dem Warum und Wieso und Wohin. Aber es reicht, wenn er es weiß.

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