Flaue Gefühle

Zwischen der Betroffenheit durch das Bild des leblosen Flüchtlingsknaben Aylan Kurdi und den Protesten gegen zu schlechtes Essen und zu schlechte Unterkunft in den Notaufnahmelagern z.B. in Hessen (Schwarzenborn und Kassel-Calden), traut man sich kaum noch, über diese Situation nachzudenken – geschweige denn, sich irgendwie zu äußern.

Es kommt das Gefühl auf, dass irgendwie alles nicht so recht gut ist, was da passiert. Dazu kommt das Gefühl, dass es keine Möglichkeit zu einem sachlichen und fundierten Diskurs in dieser Zeit der gegenseitigen Radikalisierung zwischen Fremdenidealisierung und Fremdenfeindlichkeit zu geben scheint.

Die Not und die Ängste der einen werden gegen die Not und Ängste der anderen ausgespielt. Das kann letztlich nicht gut gehen.

Wir sind im freien Fall und alle sind irgendwie hilflos.

Wir sind gute Mitmenschen, die sich dem christlichen Ideal der Nächstenliebe verpflichtet fühlen. Das Helfen in Notlagen ist für uns eine selbstverständliche Verpflichtung.

Aber was ist, wenn wir damit überfordert sein werden? Z.B. wenn nach ca. 800.000 Neubürgern (Abschiebungen von nicht anerkannten Asylbewerbern finden ja kaum statt und keiner weiß, ob es dieses Jahr bei dieser Zahl bleibt), im nächsten Jahr ebensoviele oder noch mehr kommen, denen wir auch helfen wollen, wenn sie bedürftig sind.

Gibt es für uns keine Grenzen? Das wäre eine Selbstüberschätzung.

Wenn es aber Grenzen gibt, wo liegen diese?

Was ist zu verkraften, ohne dass sich Teile der Bevölkerung überfordert fühlen und unsachlich werden?

Wie werden sich die Neuankömmlinge mit den Enttäuschungen über die zu hohen Versprechungen der Schlepper abfinden können?

Wie können sie sich beschäftigen/beschäftigt werden, damit die Dinge eine gute Richtung nehmen?

Fragen. Keine Antworten. Abwarten. Helfen. Beten.

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