Respekt: Die Deutschen Bischöfe legen sich auf der Bischofssynode ins Zeug!

Bischofssynode-Neue Stuttarter Zeitung - AP

Ich finde es wohltuend, dass die Arbeit der Bischofssynode in Rom zu Ehe und Familie nicht im Rampenlicht steht und nicht von den Medien vollständig zerrissen und in bestimmte Ecken gedrängt wird. Sinnvolle Arbeit braucht Ruhe und Konzentration. Für manch einen hierzulande mag es gewöhnungsbedürftig sein und sein Weltbild verändern: Deutschland und seine Sorgen und Ansichten sind nicht das Zentrum des Universums – noch nicht einmal Europas! Woanders denkt man über viele Dinge ganz anders.

Gerade deshalb ist es beachtlich, was die deutschsprachige Gruppe dieser Tage verabschiedet und vorgelegt hat. Es ist mutig, klar und orientierungsstark. Hier einige Gedanken und Zitate aus der „Relatio – Circulus Germanicus“:

Falsch verstandener Dogmatismus

Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuelle orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete. Als Bischöfe unserer Kirche bitten wir diese Menschen um Verzeihung.“

Zusammenhang von Sprache – Denken – und Handeln

Den Bischöfen ist es wichtig, dass bereits eine andere Sprache in Gesellschaft gefunden wird. Eine Sprache, die Sexualität – Geschlechtlichkeit – Ehe herabwürdigt und einzig als kommerzielles Besitzen ausweist, führt folgerichtig zu einem entsprechenden Handeln. Es ist daher notwendig, eine „sachgerechte und zugleich respektvolle Sprache zu finden, die die Aspekte der biologischen Geschlechtlichkeit in den Gesamtzusammenhang von Freundschaft, Liebe, bereichernder Komplementarität und gegenseitiger Hingabe von Frau und Mann einordnet.“

Christliche Ehe als Sakrament – Glauben als notwendiger Bestandteil

Christliche Eheleute und Familien sind Teil der Familie Christi und berufen, das Evangelium durch ihr Leben zu bezeugen. Die Ehe als Sakrament kann nicht ohne Glauben der Eheleute an Gott und seine Offenbarung in Jesus Christus unterstellt werden. (Anm.: Sakrament: Sichtbar- und Erfahrbarkeit Gottes in der Welt; Zeichen und Werkzeug für die Gemeinschaft mit Gott und der Menschen untereinander). Es kann nicht ohne weiteres mehr unterstellt werden, dass in den heutigen westlichen Ländern überhaupt ein christliches Verständnis von Ehe vorhanden ist.

So muss das Axiom „Jeder Ehevertrag unter Christen ist per se ein Sakrament“ neu bedacht werden…Ein Katholik ohne Glauben an Gott und seine Offenbarung in Jesus Christus kann nicht automatisch eine sakramentale Ehe vollziehen ohne oder sogar gegen sein Wissen und seinen Willen…Zwar kommen die Sakramente nicht durch den Glauben des Empfängers zustande, aber auch nicht ohne ihn oder gar gegen ihn.“

Demnach kann eine sakramentale Ehe dort nicht entstehen, wo gerade diese Wesenseigenschaft von den Eheleuten abgelehnt wird.

Das würde nicht bedeuten, dass man von katholischer Seite die Legitimität nicht-katholischer Ehen bestreitet oder auch das Gnadenwirken Gottes in nichtsakramentalen Ehen in Frage stellen würde.“

Um das Verständnis und die Bedeutung der Ehe nach katholischem Verständnis zu schärfen, halten die Bischöfe in der heutigen Gesellschaft ein mehrere Monate dauerndes Ehekatechumenat für erforderlich. Konsequenz: Es muss nicht immer eine katholische Eheschließung sein. Vielleicht ist es besser darauf zu verzichten, die Dinge wachsen zu lassen und eine katholische Eheschließung als etwas ganz Besonderes zu achten und zu betrachten.

Interkonfessionellen Ehen: Im Hinblick auf das Thema der interkonfessionellen Ehe müssen vor allem die positiven Aspekte und die besondere Berufung einer solchen Ehe erwähnt werden, da die nicht katholischen Christen keineswegs außerhalb der Einen Kirche stehen, sondern ihr durch die Taufe und eine gewisse wenn auch unvollständige Gemeinschaft mit der katholischen Kirche angehören“ Interkonfessionelle Ehen haben gerade im Blick auf die Ökumene ihre ganz eigene Berufung und Aufgabe.

Verantwortete Elternschaft

Eheleute sind Interpreten der Liebe Gottes. In der Weitergabe des Lebens haben sie Anteil an dem schöpferischen Wirken Gottes. Daher gehört die grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme der Elternschaft zu den Wesenselementen der Ehe. Einer kinderfeindlichen Mentalität, die Familie und Kinder hinter alle anderen Aspekte zurück stellt, ist entgegen zu wirken. Eheleute müssen ermutigt werden JA zur Elternschaft zu sagen.

Elternschaft muss immer auch verantwortet werden. Sie sollen sich im Angesicht Gottes unter Erwägung ihrer gesundheitlichen, wirtschaftlichen, seelischen und sozialen Situation, ihres eigenen Wohles und des Wohles ihrer Kinder, wie des Wohles der Gesamtfamilie und der Gesellschaft ein Urteil über Zahl und zeitlichen Abstand ihrer Kinder bilden“. Auch in diesem Bereich bedarf es der seelsorglichen Begleitung.

Wider eine willkürliche Gender-Ideologie

Nach christlichem Verständnis ist der Mensch als Mann und Frau geschaffen, und haben dieselbe personale Würde gerade auch in ihrer Verschiedenheit und in dem Moment der sich ergänzenden Kompatibilität.

Nach christlichem Verständnis einer Einheit von Leib und Seele lassen sich biologische Geschlechtlichkeit („sex“) und sozio-kulturelle Geschlechtsrolle („gender“) zwar analytisch voneinander unterscheiden, aber nicht grundsätzlich oder willkürlich voneinander trennen. Alle Theorien, die das Geschlecht des Menschen als nachträgliches Konstrukt ansehen und seine willkürliche Auswechselbarkeit gesellschaftlich durchsetzen wollen, sind als Ideologien abzulehnen“

Geschiedene und Wiederverheiratete

Gerade in Deutschland wird der Frage, ob und unter welchen Bedingungen geschiedene und wiederverheiratete Ehepartner an den Sakramenten der Versöhnung und Eucharistie teilnehmen können, mit Spannung verfolgt. Nur zu gern unterschlägt man hierzulande die berechtigte Sorge, dass Ehe nicht mehr als ein zeitliches Versuchsfeld angesehen wird, das beliebig oft ausgetauscht werden kann. Zu Recht verweisen die Kritiker darauf, dass die besondere Bedeutung von Ehe als Sakrament und Zeichen der Treue und Liebe Gottes in der Welt, vollständig verschwinden kann. Die Bischöfe empfehlen eine sehr differenzierte Sichtweise und fordern einen Weg der Unterscheidung der Situationen. Herbei lehnen sie sich an Ausführungen Johannes Pauls II an.

Das erste Kriterium gibt der hl. Papst Johannes Paul II. in FC 84, wenn er dazu einlädt: „Die Hirten mögen beherzigen, dass sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war.“ Es ist deshalb Aufgabe der Hirten, zusammen mit dem Betroffenen diesen Weg der Unterscheidung zu gehen. Dabei wird es hilfreich sein, gemeinsam in ehrlicher Prüfung des Gewissens Schritte der Besinnung und der Buße zu gehen. So sollten sich die geschieden Wiederverheirateten fragen, wie sie mit ihren Kindern umgegangen sind, als die eheliche Gemeinschaft in die Krise geriet? Gab es Versuche der Versöhnung? Wie ist die Situation des verlassenen Partners? Wie ist die Auswirkung der neuen Partnerschaft auf die weitere Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen? Wie ist die Vorbildwirkung auf die Jüngeren, die sich auf die Ehe entscheiden sollen? Eine ehrliche Besinnung kann das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemanden verweigert wird, der sein Versagen und seine Not vor Gott bringt.“

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