Das Fest „Aller Heiligen“

Ehrenmal

Gerade gestern Abend wieder gingen viele Kinder gruselig geschminkt durch unseren Ort und begingen das sehr fragwürdige Halloween. Dieses amerikanische Wort bezeichnet den Vorabend des Allerheiligenfestes: All Hellows Evening.
Dass geschminkte Kinder durch den Ort gehen, ist an sich nichts Schlimmes, das kennen wir auch vom Karneval her.
Problematisch daran finde ich die Überhöhung des Unerlösten:
Hier wird die irdische Sterblichkeit, das unerlöste Zombie-Leben, das Gruseln vor düsterer und letztlich unheiliger Präsenz gefeiert.
Es ist eine Betonung des Nicht-Heiligen. Vielleicht sollten wir einmal etwas genauer darüber nachdenken.

Wir feiern heute das Hochfest Allerheiligen. Gerade dieses Kirchenfest hat schon viele Diskussionen, Missverständnisse, Übertreibungen und Anfeindungen erlebt.
Warum feiern wir dieses Fest eigentlich?
Was bedeutet dieses Fest für uns und für die ganze Kirche?

Die Heiligenverehrung ist bereits früh in der Kirchengeschichte belegt und entwickelte sich zunächst aus dem antiken Totenkult.

Es geht beim Gedenken an unsere Verstorbenen stets um zweierlei Aspekte:

Zum einen geht es um Erinnerung an für uns wichtige Menschen, die bemerkenswert gelebt haben und mittlerweile verstorben sind.
Zum anderen geht es um den Glauben, dass diese Menschen nicht für immer verschwunden sind, sich nicht aufgelöst haben in der Unendlichkeit, sondern, dass sie weiter existieren und wir in einer Beziehung mit ihnen stehen.

Bei den Heiligen geht es darüber hinaus um ihr Glaubensvorbild.
Nicht selten mussten sie für ihren Glauben leiden, wurden gequält, vertrieben, erniedrigt, oder mussten ihren Glauben mit dem Leben bezahlen.
Diese Menschen sind und bleiben uns als Glaubensvorbilder ein Zeichen für die demütige Macht Jesu Christi und die stärkende Kraft unseres Glaubens.
Für unsere Vorstellung von Heiliger Kirche sind diese Heiligen überhaupt nicht wegzudenken.

(Eine kurze Nebenbemerkung sei mir an dieser Stelle erlaubt:
Beim sogenannten Bildersturm in der Folge der Reformation wurden aus der Ablehnung der damaligen überbordenden Heiligenverehrung viele Kirchen zerstört, vor allem Heiligenbilder und Heiligenstatuen. Wenn wir uns jetzt – vor dem Reformationsjubiläum – einmal anschauen, wie viele Lutherbilder, Lutherstatuen z.B. in den Lutherstädten Wittenberg etc. aufgestellt wurden und es sogar schon eine Luther-Playmobilfigur gibt, kommt man schon ein wenig ins Staunen . . . )

Was bedeutet das Wort „heilig“?
Heilig, Heil kommt aus dem indogermanischen Wort Hailo, was soviel bedeutet, wie „vollständig, vollkommen, ganz, vollendet, gesund“.

Im Heil zu sein, bedeutet demnach, Gemeinschaft zu haben mit allem, was da ist, vor allem aber auch mit allen Menschen, die da sind.
Wir sehen die Kirche als einen lebendigen Organismus, wie einen Körper, als den Leib Christi an.

Alle die zu diesem Leib gehören, seien sie nun auf der Erde oder bereits bei unserem himmlischen Vater, haben Anteil an demselben Heiland und damit an demselben Heil der Heiligen.

Paulus spricht die Gläubigen in seinen Briefen ebenfalls bereits mit „die Heiligen“ an.

Das tut er genau aus diesem Grund:
Im Glauben sind wir bereits ein Teil des Corpus Christi, eine Rebe des lebendigen Weinstockes und dürfen in uns bereits das göttliche ewige Leben pulsieren spüren, das niemals enden wird.

Wenn wir die Heiligen um Fürsprache bitten, dann verstehen wir das nicht als eine Vergöttlichung oder gar Vergötzung der Heiligen.

Wir verstehen es auch nicht als ein Instanzenweg in dem Sinne, dass wir uns zunächst an die rangniedrigeren Verwalter des Heiles wenden dürften, um dann später vielleicht zu den ranghöheren weiter gelassen zu werden.

Unsere Beziehung zum dreieinen Gott ist stets direkt und braucht keine Vermittler, allerdings braucht es Glaubensgeschwister und Vorbilder.
Und wir verstehen die Heiligen als Mitgeschwister im Glauben, die wir genau so wie unsere irdischen Glaubensgeschwister um ein unterstützendes Gebet bitten können.

Sie genießen unsere besondere Verehrung nicht, weil sie als Menschen so erfolgreich waren, sondern weil sie durch ihren Glauben und ihr demütiges und liebevolles Leben ein Abbild göttlicher Wirklichkeit waren.
Sie haben so gelebt, wie Jesus Christus es in den Seligpreisungen genannt hat und damit sind sie uns Vorbild. Auch deshalb dürfen wir sie seligpreisen.

Die Abbilder unserer Heiligen sind auch im Kirchenraum wichtig:
Der Kirchenraum bedeutet für uns in seiner Größe und Schönheit ein Zeichen für das Gottesreich. Hier haben die Heiligen nicht nur einen Platz, sondern sie sind hier gar nicht wegzudenken.
Ohne unsere Glaubensvorbilder wäre der Himmel, wäre die Kirche und damit auch unser Kirchenraum unvollständig.

Wir feiern heute die Freude an der Liebe Gottes gemeinsam mit unseren Heiligen. Und das macht das heutige Allerheiligenfest zu einem ganz besonderen Fest:
Dieses Fest wird niemals enden, sondern wir werden dieses Fest der allumfassenden Gemeinschaft der Kirche über unseren Tod hinaus in Ewigkeit feiern.

 

 

 

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