Wach-Getrommelt: Kompanie aufstehen!

Wach-Getrommelt

 

Der Tempel in Jerusalem war ein imposantes Bauwerk: mit mächtigen Mauern, der äußeren Tempelbezirk, der Königspalast – die Festung. Er war der Ort der Gottesgegenwart, der Gottesbegegnung, der großen jüdischen Feste und des Kultes, der Liturgie.Herodes hatte das Bauwerk gerade noch einmal erweitert und befestigt.

 

Das Lukas-Evangelium (2.5-7; 25-36) blickt auf die Zeit der Zerstörung des jüdischen Zentrums . Es ist nicht nur die Zerstörung eines Bauwerks, sondern mit dem Bauwerk wurde der jüdische Identifikationspunkt zerstört. Israel hörte auf als eigener Staat zu existieren. Die als uneinnehmbar geltende Bergfestung Massada wurde durch eine logistische Meisterleistung der Römer eingenommen. Die gesamte Festungsbesatzung hatte sich kurz vorher das Leben genommen. Das Judentum stand vor der vollständigen Auslöschung. In diese Zeit hinein spricht jetzt das Evangelium und stellt über all diese Katastrophen noch einmal die Herrschaft Gottes, das Richteramt Jesu Christi. Es mag alles vergehen: Aber Gottes Herrschaft durch sein Wort in dem auferstandenen Jesus Christus kann mit keiner Macht dieser Welt – nicht einmal mit allen kosmischen Kräfte – ins Wanken gebracht werden.

Amen ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis all das eintrifft“

Ich denke, dass mit diesem Satz tatsächlich darauf hingewiesen wird, dass es keine Generation – ja nicht einmal das Leben eines Einzelnen- geben wird, in der es nicht zu Endzeiterfahrungen kommt. Die Endzeiterfahrungen unserer Generation scheinen geradezu von Lukas abgeschrieben zu sein. Für Christen in der ganzen Welt sind sie jedenfalls bitterste Realität geworden. In Syrien, Irak, Pakistan, Nigeria werden die Kirchen reihenweise nieder gebrannt.

Der von Westen vollständig abhängige irakische Staat hat ein Gesetz erlassen, nach dem beim Übertritt eines Mannes zum Islam die gesamte Familie automatisch muslimisch wird – umgekehrt ist der Wechsel zum Christentum bei Strafe verboten ist. In Indien wird diese Woche ein Gesetz erlassen, das es den Gerichten erlaubt den Hindu für 10 Jahre ins Gefängnis zu sperren, wenn er zum Christentum übertritt – selbstverständlich auch alle, die daran mitgewirkt haben!

Erst kürzlich hat ein entführter Priester darüber berichtet, wie der IS versuchte ihn zum Übertritt zum Islam zu zwingen. Man hat ihm genau geschildert, auf welche Weise man ihn zu Tode quälen wird, falls er nicht konvertiert. In Pakistan gibt es ein scharfes Blasphemie-Gesetz, nach dem allein schon die Beschuldigung ausreicht, ein Christ habe den Koran beleidigt, um dessen ganze Familie einer kollektiven Strafe, Prügel, Niederbrennen des Hauses und Haft auszusetzen.

Ein ägyptischer Christ hat mir berichtet, dass die Äußerung seines Lehrers, der Koran sei nicht die einzige hl. Schrift, ausreichte um von einem Studenten erschossen zu werden. Gegen den Mörder wurde noch nicht einmal ein Strafverfahren eingeleitet. In den meisten islamischen Staaten ist die Heirat einer Muslima mit einem Christen schlichtweg verboten. Versuchen Sie einmal in Ägypten, Sudan, Saudi-Arabien oder Libyien eine Bibel zu verkaufen  – Das machen sie nur einmal.

Umgekehrt beteuern die muslimischen Menschen, die dieser Tage bei uns stranden, dass sie selbst unter dem radikalen Islam leiden.

Ja, wir brauchen keinen Islam um den Untergang des christlichen Abendlandes herbei zu führen – wie manche Populisten meinen – Das schaffen wir schon selbst. Für alles hat man heute Zeit, alles ist wichtiger – als allerletztes  kommt der Gedanke an Gott, – wenn überhaupt. Wozu braucht der aufgeklärte Mensch von heute noch Gott und Kirche? In einer Zeit, in der Diakone und Kirchenbesucher als „scheiß Katholiken“ bezeichnet werden, brauchen wir keinen Islam um unsere Kirchen abzureißen oder zu Museen zu machen. Das schaffen wir schon selbst.

 

Sie sehen: Wir stehen auch in der Generation „Tempelzerstörung“ „Zerstörung der Glaubensgrundlagen“ „Christenverfolgung“.

Dann aber gilt auch uns das Wort dieses ersten Advents:

Das Reich Gottes ist nahe“

Es ist nicht in irgendeiner Zukunft nahe, sondern Reich Gottes, die Herrschaft Gottes ist zum Greifen nahe. Wir brauchen sie heute wie damals nur anzunehmen und wahrzunehmen.

Gott ist da! Christus steht neben uns und ist mit uns!

Viele Dinge mögen diese Zusage vernebeln. Die Sorgen, Irritationen und Gefahren mögen die Nähe Gottes verschleiern, aber nicht verhindern. Das Reich Gottes ist an die Person Jesu Christi geknüpft. Diese Person ist auferstanden und lebt. Dieser Jesus Christi bietet uns tagein tagaus eine Hand an, dass wir sie ergreifen – dass wir seine Gegenwart in unserem Alltag zulassen.

Das Lk-Evangelium fordert auf, die Zeichen der jeweiligen Zeit zu erkennen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Zeichen unserer Zeit zu erkennen, heißt in erster Linie aufzustehen und sich zu Christus zu bekennen inmitten einer Welt und Gesellschaft die durchaus Bedrohliches an sich hat. Wenn wir unser Vertrauen in die Macht Gottes in den Vordergrund stellen, dann brauchen wir nicht zu erstarren vor Angst und gelähmt nur zu jammern. Ja, wir brauchen auch nicht alles selbst zu machen. Wir werden geradezu befreit von der Vorstellung, wir müssten allein die Probleme lösen und die Welt retten.

Nehmen wir doch nur einmal 3 Sätze in den Blick, die in jedem Gottesdienst gesprochen werden:

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser.

Die Schuld und die Sünde, die dieser Tage an Wehrlosen und Unschuldigen geschieht, ist offensichtlich. Bei all unserem notwendigen Mühen, gelingt es kaum, dass sich ein radikalisierter Mensch das Grausame seine Tuns vor Augen hält und umkehrt.

Andererseits ist unsere westliche Wirtschaftsordnung und Kultur keineswegs so schuldlos an dem Weltbrand, den wir erleben. Seit Jahrzehnten nehmen wir doch Hunger und Not nur am Rande war. Wo berichten die Medien etwas über die Tragödie, die sich z.Zt im Sudan abspielt? Afrika wird bis heute als Mülldeponie genutzt.

Gott lässt sich von all diesem Unrecht in Jesus Christus selbst treffen – er nimmt diese Schuld in sich selbst auf – genauso wie die Gottesferne und Gottesgleichgültigkeit unserer Zeit. Wie er am Kreuz von der Schuld und Sünde seiner Zeit getroffen wurde, so wird er heute von der Schuld unserer Zeit getroffen. Er nimmt sie auf und kann sie wandeln und umwandeln in Heilung – wie er den Tod in Auferstehung gewandelt hat.

nimm hinweg die Sünde der Welt – und das Reich Gottes ist nahe.

 

Erlöse uns von dem Bösen. Aus Schuld und Sünde entsteht Unrecht, Hass und Menschenverachtung. Das gilt für das Böse, das wir von außen erfahren, ebenso wie für das Böse in uns, vor dem wir selbst nicht gefeit sind und das auch in uns durchbrechen kann.

Ich habe mir die Gesichter der Mörder und Selbstmörder von Paris angesehen – Wäre ich ihnen auf der Straße begegnet, ich hätte ihnen diese Taten nicht zugetraut. Was hat diese Menschen menschenfreindlich gemacht?

Erlöse uns von dem Bösen – und das Reich Gottes ist nahe.

 

Der Friede des Herrn sei mit euch.

Dort wo wir uns der Versöhnungskraft und Gnade Gottes anvertrauen, uns ihm hingeben, da entsteht Frieden – Frieden in uns und mit Gott. Ja er kann auch den äußeren Frieden schaffen, indem er die Herzen der Menschen ändert.

Schenke uns deinen Frieden – und das Reich Gottes ist nahe.

 

Das Evangelium des heutigen Tages beinhaltet den Rat:

Wachet und betet“ – seid aufmerksam, seht zu wo und wie ihr Jesus Beispiel nachfolgen könnt. Tuen Sie einerseits, das ihnen mögliche – Greifen Sie andererseits nach der Herrschaft Gottes, die direkt neben Ihnen steht in der Person des auferstandenen Jesus Christus!

Lassen Sie uns von neuem aktiv den Glauben an Jesus Christus leben, im Blick auf das, was wir in 4 Wochen feiern wollen: Die Ankunft und Gegenwart des in allen Dingen allmächtigen Gottes

mitten in dieser Zeit,

mitten in unserem Leben,

mitten im Hier und Jetzt.

 

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