Die Liebe Gottes hört nicht auf

Herz Jesu

Liebe – das ist Gefühl, Emotion, Leidenschaft. Liebe ist eine Haltung, mit der ich jemandem begegne, ja eine Grundhaltung gegenüber allem, was mir begegnet – auch gegenüber Umwelt, Natur, dem Leben insgesamt.

Liebe ist nicht Blindheit, sondern nimmt die Dinge wahr, neben allen guten Seiten und dem Schönen, eben auch das Unrecht, die Fehler und die Irrwege, die der Geliebte geht. Sie sieht diese Dinge aber aus einem anderen Blickwinkel.

Der Text im 1. Kor. 13, 4 ff ist eigentlich eine Zumutung: Alles ertragen – alles glauben – alles erhoffen – allem stand halten – niemals aufhören. Das ist Illusion und Träumerei. Das schafft niemand hier. Und so redet dieser Text gar nicht von unserer Liebe, sondern von der Liebe Gottes.

Die Liebe Gottes ist voller Güte

erträgt alles – sie erträgt sogar mich

glaubt allen, weil sie in jedem von uns ihr vollstes Vertrauen setzt.

hält aller Anfechtung und Widrigkeit stand,

selbst Unrecht, Gewalt und Hasse können sie nicht auslöschen.

hört niemals auf

Unsere Liebe ist nur ein trüber Spiegel der Liebe Gottes. Sie ist kindlich, ein Abklatsch. Sie gibt uns dennoch eine Ahnung und einen Funken seiner vollkommenen Liebe.

Die Liebe Gottes ist nicht blind. Sie ist vor allem nicht machtlos. Wer die Liebe Gottes zurück weist, der bleibt sich und der Welt überlassen:

Ps. 81:Da überließ ich sie ihrem verstockten Herzen /und sie handelten nach ihren eigenen Plänen.

Im Lukas-Evangelium (Lk 4, 21) wird Jesus von seiner Heimatgemeinde abgelehnt, sie versuchen ihn zu töten, doch er geht einfach davon. Gottes Liebe ist nicht angewiesen auf uns. Sie ist nicht darauf angewiesen, dass die Leute aus Nazareth Jesus Christus annehmen und aufnehmen. Sie war auch in der Geschichte Israels nicht angewiesen, auf dieses Volk der Juden. Wo Gottes Liebe abgelehnt wird, da geht sie halt zu den anderen: zu dem Syrer – nach Sidon in Phönizien oder heute nach Asien, Afrika, Südamerika oder den Muslimen.

Eine Gesellschaft, die keinen Gott haben will, muss ohne Gott auskommen. Gott kommt ohne Deutschland aus. Aber kommt Deutschland ohne Gott aus? 

Der Vorwurf, den die islamische Welt dem Westen macht, ist gar nicht so unberechtigt: „Ihr habt Gott aus eurer Mitte verbannt!“ Oder im Bild des Evangeliums: Ihr habt Christus aus der Stadt und aus eurem Leben gejagt und versucht ihn zu vernichten! Aber Christus lässt sich von euch nicht einfach den Berg hinabstürzen! Er schreitet einfach durch euch hindurch und heilt die Wunden der Syrer und Phönizier. Er bedient sich hierbei aller Menschen guten Willens. Nein, da ist kein Hass, kein Groll und keine Rache. Die Liebe Gottes erträgt auch die Gottlosigkeit und zeigt in Liebe andere Wege – andere Haltungen.

Nächste Woche beginnt die Fastenzeit. Warum sollte man in dieser Zeit mal nicht so sehr auf seine eigenen Fehler und Schuld sehen, sondern vielmehr die Schuld und Versäumnisse unserer Zeit und Gesellschaft in den Blick nehmen, für die man bittet und betet. Im Blick auf das Evangelium vom heutigen Tag könnte man eine ganz bewusste Haltung einnehmen: Christus Du bist mir willkommen. Bleibe nicht nur bei mir, sondern bei uns allen hier, trotz all der Dinge, die schief laufen. Verlass uns nicht, bleib in unserer Mitte.

Im Evangelium erwähnt Jesus 2 Propheten – Erzählungen des Alten Testaments:

  • Elija und die Witwe aus Phönizien
  • der Syrer Naaman, der zu dem Propheten Elischa kommt.

Bei Elija und der Witwe ging es um folgendes: Der König von Israel und mit ihm ein Großteil der Gesellschaft wendet sich von Gott ab, und meint ohne ihn auskommen zu können. Da überließ er sie ihrem Tun. Das genügt. Er konnte aus eigener Macht eben kein Weizen wachsen lassen – eine Hungersnot brach aus. Die Hungersnot trifft alle. Die Anhänger des Königs und diejenigen, die JHWE treu geblieben sind. Elija wird nicht etwa zu den hungernden Menschen Israels geschickt, sondern ins Nachbarland Phönizien. Die Witwe aus Phönizien – eben kein Jude – vertraut dem Wort Gottes, das Elija ihr bringt. Sie übergibt ihm alles was sie noch hat – sozusagen ihr ganzes Leben. Sie musste nicht verhungern. Ihr Mehltopf wurde nicht leer, Ihr Ölkrug versiegte nicht. Sicher geht um viel mehr als nur um einen gefüllten Bauch. Die Hungersnot ist mehr als nur der Hunger nach Brot. Es gibt auch einen Hunger nach Lebenssinn, nach Lebensfülle, nach Transzendenz und Geborgenheit über alle Weltlichkeit hinaus. Wo Gott weg geschickt wird – da geht er halt woanders hin.

Die Geschichte von Naaman ist noch toller: Naaman war ein Syrer (komisch: von denen hört man heutzutage auch wieder). Er war ein Feind der Israeliten. Er hat Raubzüge gegen Israel geführt. Er hat ein kleines israelisches Mädchen verschleppt! So ein Verbrecher! Kriegsverbrecher ! Sklavenhändler! Naaman beugt sich dem Propheten Elischa – widerwillig – und wird geheilt. Er erfährt JHWE als Herrn über Leben und Tod und er begibt sich in die Hand Gottes – in die Liebe Gottes. Er wird geheilt von seinen eitrigen Geschwüren – möglicherweise von den Geschwüren des Hasses, der Gewalt und Machtbesessenheit.

Beide Erzählungen sind nicht der Endpunkt des Weges JHWE mit Israel. Keineswegs hat JHWE sein Volk für immer verlassen, sondern beide Erzählungen sind eingebettet in die Geschichte Israels mit seinem Gott. Es ist eine Geschichte, in der Gott sein Volk eben nicht im Stich gelassen hat. Bis zum heutigen Tag – seit 3.500 Jahren – ist Gott liebend mit Israel verbunden. Gerade auch durch Zeiten der Ferne, der Untreue und Ablösung. Beide Erzählungen zeigen, dass JHWE`s Liebe eigentlich universal ist – sich an alle Menschen und Generationen richtet. Seine Liebe ist gleichzeitig ohne jede Dimension und Ausgrenzung.

Mit derselben Liebe und Treue hat er sich an uns gebunden. Dauerhaft und bleibend in Jesus Christus, der sein Herz für uns öffnet und sein Herzblut für uns hingibt. Es ist dieselbe Liebe, die den Verrat des Judas überwindet, und die demjenigen die Geschicke seiner Kirche übergibt, der ihn verleumdet hat. Es ist die Liebe, die den Verfolgungshass des Paulus, in brennende Hingabe verwandelt. Es ist dieselbe Liebe, die Stephanus befähigt für seine Verfolger zu beten und ihm den offenen Himmel zeigt.

Nein, ich weiß nicht, was aus unserer Zeit wird. Aber ich weiß:

  • Gottes Liebe erträgt alles
  • sie hat einen langen Atem
  • sie trägt das Böse nicht nach
  • sie freut sich an jedem der Wahres und Gutes tut
  • Gottes Liebe hört niemals auf.
  • Gottes Liebe umfängt jeden von uns – auch unsere Zeit mit all ihren Sonnen und Schattenseiten. Amen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.