Gerechtigkeit und Barmherzigkeit – Das Recht ströme wie Wasser

Das Recht ströme wie Wasser - Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
Das Recht ströme wie Wasser – Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Die Fastenzeit und der Misereor-Sonntag steht dieses Jahr unter dem Leitwort: „Das Recht ströme wie Wasser“

I) Recht und Gerechtigkeit

Sprecher 1) Nichts als leere Worte.

Ist es gerecht, dass die Klimaveränderungen von den reichsten Staaten verursacht werden und die größten Folgen daraus die ärmsten Länder zu tragen haben? Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass niemand hier überhaupt mit bekommt, was in Ost- und Südafrika los ist: Dort wütet eine der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten – Interessiert nicht, schließlich haben wir hier Wahlkampf und Wichtigeres zu tun!

Ist es gerecht, wenn wir alle Nase lang neue Handy`s, Tablets und PC brauchen, ohne auch nur darüber nachzudenken, dass für die Rohstoffe, seltenen Erden und Metalle im Kongo Sklaven schuften, Menschen erschossen und Bürgerkriege geführt werden?

Ist es gerecht, wenn die Industriestaaten ihren Sondermüll in Afrika ablagern oder Flüsse mit Rohölförderung verseuchen, weil dort ja nur die Schwarzen sterben?

Wer hat denn den Irak, Lybien und Syrien destabilisiert?

Ist das alles Gerecht?

Matthias: Seit Jahren herrscht himmelschreiende Ungerechtigkeit – doch es interessiert nicht wirklich. Einige Jahre habe wir versucht ein „Fastenessen“ zu organisieren. Wir haben es eingestellt, weil niemand gekommen ist. Papst Franziskuns sagte zu Beginn der Fastenzeit, dass das ganze Gerede von Barmherzigkeit leeres Geschwätz ist, wenn es nicht unmittelbare Auswirkungen auf das Portmonai der eigenen Tasche und den Geldsäckel der Finanzminister hat. Ich weiß nicht, wieviele diesen Satz umsetzen.

Dürfen wir uns wundern, wenn Leute zu uns kommen, weil wir nichts tun, damit sie in ihrer Heimat eine echte Perspektive haben? Deutschland liegt bei der Entwicklungshilfe mit 0,33% des Bruttonettoeinkommens weit hinter der Verpflichtung von 0,7% zurück. Wenn alle Deutschen, die es sich leisten können, ihre Kleider bei fairtrade, ihren Kaffee bei Gepa und ihre Iphone bei fair-phone kaufen würden, gäbe dies einen riesigen Anreiz für die Menschen in ihrer Heimat zu bleiben. Was zählt ist entweder „billig, billig“ oder „Prestige-Produkte“.

Dennoch: Unrechtsstrukturen haben keinen Bestand ! Wer nicht willens ist, Gerechtigkeit zu schaffen, den schafft die Ungerechtigkeit ab! Das Recht wird sich Bahn brechen, egal auf welche Art und Weise. Irgendwann explodiert der Vulkan. Und machen wir uns nichts vor: Gott steht nicht auf der Seite derer, denen es gut geht und die die Fäden der Wirtschaft und Finanzen in den Händen halten!

Die Königin von Saba hat es erkannt, wenn sie zu Salomo sagt: „Gott hat dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst.

Alles was wir haben und sind, ist uns gegeben, damit wir Recht und Gerechtigkeit üben. Wenn wir diesem Auftrag nicht gerecht werden, uns nicht immer wieder an den Schöpfer aller Welt und die Menschen zurück binden, dann geht es uns wie Salomo: Wir laufen anderen Göttern nach. Wir laufen den Göttern der Selbstzufriedenheit, des Eigennutzes, des Konsums, der Gleichgültigkeit und des Hedonismus nach.

Deshalb wurde Salomo gesagt: „Ich entreiße dir das Königreich“.

Gerechtigkeit heißt: Zerstörung der Unrechtsstrukturen – Zerstörung unserer Strukturen! Wenn wir die Not der Menschen in der Welt nicht sehen wollen und nicht willens sind wirklich zu helfen, dann legt uns Gott den armen Lazarus direkt vor die Haustür! Er legt uns die Flüchtlinge direkt vor die Nase! Was machen wir daraus? Wir handeln nicht anders als der Reiche, der vorbei geht und über ihn drüber steigt.


II)Barmherzigkeit
Sprecher 2) Was bist nur so krantig heute! Willst Du uns hier Angst machen? Sind wir wieder im Mittelalter, wo es nur den strafenden Gott, Gesetze, Fegefeuer und Verurteilung gibt?

Matthias Es ist tatsächlich so: Wenn Gerechtigkeit und Recht wie Wasser strömen soll, dann kann daraus ein Tsunami werden, der das Unrecht weg reißt. Gerechtigkeit für sich allein kann auch grausam sein. Deshalb steht neben der Gerechtigkeit direkt die Barmherzigkeit. Barmherzigkeit bedeutet, sich berühren lassen. Oder wie Jesus im Angesicht des Todes seines Freundes „im tiefsten erschüttert“ ist. Wenn wir von Barmherzigkeit reden, dann sehen wir die Barmherzigkeit gegenüber den Notleidenden, das Mitgefühl gegenüber dem, der unsere Hilfe braucht. Das ist das eine.Das andere ist die Barmherzigkeit, die das eigentlich gerechte Urteil abwendet. Barmherzigkeit gegenüber demjenigen, der Unrecht getan hat – Barmherzigkeit gegenüber unserer Hartherzigkeit. So wie im Evangelium: Im Mittelpunkt steht die Frau mit ihrer Schuld und ihrem Unrecht. Das eigentliche Urteil ist klar. „die sich von dir abwenden, werden in den Staub geschrieben“ – sie verwehen und vergehen wie Sand, den der Wind davon trägt (Jer 17.13 ) Doch Jesus verurteilt sie nicht, sondern ruft sie zu einem anderen Lebenstil auf. Für die Frau dürfte die Umkrempelung ihres Lebens möglicherweise eine größere Herausforderung gewesen sein, als der Momente der Todesstrafe. Barmherzigkeit ist uns zugesagt – schaffen wir die Umkrempelung unserer Lebensbedinungen und gesellschaftlichen Ansprüche?

III) Trost und Hilfe – Stellvertretung

Sprecher 2) Wem erzählst du das alles? Du tust gerade so, als seien all die Leute, die heute hergekommen sind, Verbrecher, Gauner und Betrüger? Möglicherweise tun gerade die, die jetzt da sitzen, alles, was sie machen können und was ihnen möglich ist. Was sagst du ihnen? Was gibst du ihnen heute mit auf den Weg ? Ein schlechtes Gewissen ohne Hoffnung und Sinn?

Matthias:   Ja, da hast du recht. All die treuen und guten Leute – die Gerechten, wie die Bibel sagt – können sich wirklich fragen, ob alles vergeblich ist, umsonst, zuwenig. Halten wir alle, die wir heute hier zum Gottesdienst gekommen sind an Dingen fest, die nichts bewegen? Sind alle unsere Bemühungen, Worte und Taten sinn- und aussichtslos?

Ich sage eindeutig Nein. Die Bibel kennt das Prinzip der Stellvertretung!

Wegen meines Knechtes David…verschone ich dich“ „Wegen Israel wende ich das Urteil ab und mildere es“.

Gott sagte Abraham zu, wegen 10 gerechten Leuten, Sodom und Gomora zu verschonen. Gott verzichtet auf die Vernichtung der ganzen Menschheit wegen des gerechten Noah. Schließlich ist es Jesus Christus, der die Schuld und das ganze Unrecht der Welt stellvertretend auf sich nimmt, um alle endgültig und letztlich zu retten, die sich ihm anvertrauen. In dieses Prinzip der Stellvertretung tritt jeder von ihnen ein. Jeder

der in Treue an dem dreieinen Gott festhält,

der wirklich das ihm Mögliche tut, um Gerechtigkeit zu schaffen,

der sich einsetzt und bereit ist ehrlich zu teilen und im Tiefsten barmherzig zu sein.

Ihnen allen – den stellvertretend Gerechten und Barmherzigen – , ob sie nun heute hier sind oder nicht, danke ich, so wahr der Herr, mein Gott, lebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.