Wahre Größe – oder: Das Kind in der Mitte

KindinMitte

Die Anhänger Jesu stellten ihm einmal die Frage, wer wohl im Himmel der Größte sei.

Sicher meinten sie damit nicht, wer dort die längste Körperhöhe hat, sondern wohl vielmehr, wer dort das meiste Ansehen, die meiste Ehre, den meisten Einfluss, die meiste Prominenz o.ä. hat.

Letztlich also geht es bei dieser Frage um Eitelkeit und Leistung: Wo ist der oder die eine besser als der oder die andere? – Und unausgesprochen zwischen den Zeilen: Wie können wir das erreichen, was müssen wir dazu tun, um in dieser Weise besser zu sein?

Jesus reagiert darauf nicht ungehalten oder frustriert, obwohl er ja jeden Grund dazu hätte: Hat er seinen Anhängern nicht immer wieder versucht, klar zu machen, dass der Himmel ganz anders „tickt“ als die Welt? Dass Ordnungssysteme in der Welt dort keine Bedeutung haben, sondern dass gilt, was die spanische Mystikerin Theresia von Avila so bezeichnet: „Der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke, als auf die Liebe, mit der sie getan werden.“

Jesus ruft ein Kind herbei, stellt es in ihre Mitte und sagt: „Wer nicht umkehrt und wird wie dieses Kind, kann nicht in das Himmelreich kommen.“ Was meint das?

Kinder vertrauen darauf, dass schon alles gut wird, dass Mama und Papa das schon irgendwie richten und sich um mich kümmern. Die Kinder wären mit der Aufgabe, die Lebensschwierigkeiten zu überblicken ja auch überfordert. Sicher reagieren sie auch frustriert, wenn die Lebensentscheider anders entscheiden, als sie es sich gewünscht haben. Aber sie unterstellen letztlich doch, dass es die Eltern schon irgendwie gut gemeint haben, denn „die haben mich doch sicher lieb.“

Vor Gott sind wir als seine geliebten Kinder groß, also sehr wichtig. Nicht, weil wir dafür Besonderes leisten können, sondern, weil er uns in die Mitte seiner liebevollen Aufmerksamkeit stellt.

„Ins Himmelreich kommen“ meint auch, „im Glauben bereits im Himmelreich sein.“ Meine gläubige Unterstellung, dass ich bereits in einem Machtbereich lebe, der von Liebe für mich erfüllt ist, schenkt mir echte innere Freude und das Gefühl, von Geborgenheit umgeben und getragen zu sein.

Das kann ich nicht herstellen. Das kann ich auch nicht steigern. Aber ich kann es in aller recht verstandener kindlicher Naivität genießen. Ich muss es nur glauben.

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