Amoris Laetitia – Was muss bewahrt werden – Welche Wege können beschritten werden ?

pontifexkl

Die Apostelgeschichte berichtet von großen Problemen, denen sich die ersten Christen gegenüber sahen. Sie kommen aus dem Judentum und treffen auf nicht-jüdische Kulturen. Darf man als nicht-jüdischer Christ einfach so weiterleben wie bisher? Darf man bei Festen zu Ehren von irgendwelchen Göttern ungeniert mitmachen, weil das alle erwarten? Darf man diesen Göttern Opfer bringen? Ist was dabei, wenn man sich an sakraler Prostitution beteiligt? Wie verhalten sich Nicht-Juden den Juden gegenüber, wenn sie sich zu einem gemeinsamen Essen treffen? Sie sind Brüder in Christus. Müssen die Judenchristen dann Schweinefleisch essen ? Auf der anderen Seite die Forderung: Jesus war Jude, die Apostel sind Juden, die ersten Christen sind Juden. Müssen dann nicht alle erst mal Jude werden und sich dem jüdischen Gesetz, Vorschriften und Riten unterwerfen?

In unserer Zeit heute beobachten wir große Umbrüche und Veränderungen. Ehe und Familie ist nicht mehr so, wie man sie noch vor 50 oder 60 Jahren gesehen hat. Unser ganzes Leben ist nicht mehr so gestaltet, wie unsere Eltern es noch kannten. Manche behaupten, man brauche keine Ehe mehr. Andere meinen, Familie sie überall zu finden. Oder alles und jedes sei Ehe. Wieder andere halten mit unerbittlicher Härte an alt hergebrachten Grundsätzen fest und verurteilen alle, die davon abweichen wollen.

Die Jünger der Apostelgeschichte sind aus allen Gemeinden zusammen gekommen. Sie haben gestritten – miteinander gerungen. Sie taten es im Gebet, im Blick auf das Wort der hl. Schrift und in der Bitte um die Führung durch den hl. Geist.

Papst Franziskus hat ähnliches getan. Die Gemeinden wurden befragt. Die Bischöfe der ganzen Welt kamen zweimal in Rom zusammen. Die Sitzungen und Beratungen waren nicht einfach. Auch hier wurde gerungen um die Wahrheit und den richtigen Weg. Es wurde gebetet und man sich geeinigt.

Die Apostel hatten damals ein Schreiben an die Gemeinde versandt und sie von dem Ergebnis unterrichtet. Papst Franziskus hat dieser Tage das Ergebnis der Synode in dem Schreiben „Amoris Laetitia“ – Die Freude der Liebe zusammen gefasst und veröffentlicht.

Über beiden Ereignissen könnte die Frage stehen: „Wo geht es um die Verteidigung einer kalten und leblosen Doktrin (A.L.:59), um äußere Formen, die dem Wandel der Zeit unterworfenen sind – und wo geht es um den Kern der Wahrheit der christlichen Botschaft.“

Das Evangelium lässt keinen Zweifel: Wir sind verpflichtet an dem Wort Jesus Christi festzuhalten. „wer mich liebt, wird an meinem Wort festhalten“. Es ist nicht das Festhalten an dem Buchstaben des Wortes, sondern an dem richtig verstandenen Wort Gottes, das wir nicht aus uns heraus verstehen, sondern nur durch den uns geschenkten Geist Gottes: „der hl. Geist wird euch alles lehren und euch an alles erinnern“.

In diese Spannung hinein hat die Synode und Papst Franziskus einen Weg gezeigt, der durchaus gangbar und „wegweisend“ ist.

Ehe und Familie sind nicht nur irgendetwas, das der Beliebigkeit und Definitionsfreude der jeweiligen Betrachter überlassen ist. In Ehe und Familie zeigt sich etwas von Gottes Identität selbst: Gott ist Einheit – der Eine und Vollständige. Gott ist aber auch Vielfalt, ist Beziehung und personales Du: Vater und Sohn umbunden von der vollständigen Liebe – dem hl. Geist. Die Ehe ist – trotz aller Begrenzungen und Abstriche – Abbild dieser Dreifaltigkeit, ist Widerschein der unendlichen Liebe Gottes. In der Ehe kommt das Ich zum Du und dadurch wieder zu sich selbst. In der Ehe vollzieht sich Einheit in Vielfalt. In der Ehe lässt Gott uns Teilhaben an seiner schöpferischen Kraft, die eine Leben-Schaffende Kraft ist.

Weil Gottes Liebe und Treue zu uns untrennbar und unauflöslich ist – deshalb sagt die Kirche, dass auch die Ehe ein unauflösliches Band umfängt. Zärtlichkeit, Selbsthingabe, Vergebung und zusammen einen ganzen Lebensweg beschreiten – Das ist das, was Gott mit uns macht. Wo dies in der Ehe geschieht, da wird Gott in der Ehe sichtbar.

Die Ehe ist ein dynamischer Weg, der auf vielen Strecken nicht zu idealisierende Leidensstationen beinhalten kann, Tragödien nicht auslässt, bittere Wirklichkeiten, schmerzhafte Erfahrungen und sogar das Böse und die Gewalt aushalten muss.

All das hat aber Christus mit uns ausgehalten und tut es noch heute. Auch darin spiegelt sich Gottes Mit-Uns-Sein, sein Mit-Uns-Verbunden-Sein, in der Ehe und Familie wieder.

Ziel und Zweck von allem, was Gott durch Christus mit uns will, ist die unendliche Fülle des Glücks und der Freude und der Gemeinschaft. Ziel und Zweck der Ehe ist eine Lebensgemeinschaft die in einem erfüllten Leben mündet. Wieder zeigt sich hier Sakramentalität – Erscheinen Gottes in unserer Wirklichkeit.

Die Ehe hat u.a. auch Funktion und Aufgabe, der sie verpflichtet ist: Gottes Wort und frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Den Glauben konkret in der Beziehung zueinander zu leben. Ihn weiter zu geben an die nächste Generation. Ehe und Familie ist berufen Hauskirche des gelebten und weiter gegebenen Glaubens an den dreifaltigen Gott zu sein.

Diese Aspekte der Ehe und Familie kann die Kirche nicht aufgeben. Hier muss sie festhalten an dem Wort Gottes, an der Stimme Christi. Die Ehe zwischen Mann und Frau als Sakrament – als Erscheinungsform der Liebe Gottes in unserer Welt – in unabänderlicher Treue und unauflöslicher Zusage, „ist nicht ein dem Menschen auferlegtes Joch, sondern ein Geschenk für die in der Ehe vereinten Menschen. Auf diese Weise zeigt Jesus, wie Gott den Weg des Menschen immer begleitet“. (A.L.62). Hier wird eine Weg des Glücks aufgezeigt, der sich zurück bindet an die Liebe und Treue Gottes selbst – nicht an unsere selbst gemachten Vorstellungen oder unseren Narzissmus. So macht Papst Franziskus Mut zu einer bewussten, christlichen Ehe. Er macht Mut in der bestehenden Ehe.

Andererseits sieht die Synode und der Papst auch, dass es ein Scheitern gibt. Er sieht, dass es den Weg des Leidens in einer Ehe und Familie gibt. Gerade dieser Stationen sind und waren Jesus nie gleichgültig. Jesus zeigt uns zwar ein anspruchsvolles Ideal und verpflichtet uns darauf, „zugleich geht aber bei ihm nicht die mitfühlende Nähe zu den Schwachen, der Samariterin und der Ehebrecherin verloren“ (A.L.38). Der Papst möchte uns Mut machen zu Ehe und Familie. Er ruft uns gleichzeitig dazu auf, niemanden allein zu lassen, der in eine Ehe / Familie leidet, scheitert und an seinen Grenzen stößt. Die Kirche und wir alle müssen uns denen zuwenden, die gerade in diesen Situationen die Nähe Christi, den Trost der kirchlichen Gemeinschaft und die Kraft des hl. Geistes benötigen. Ein Scheitern darf nicht mit Ausschluss und Ausgrenzung beantwortet werden. Auch Geschiedene / erneut Verheiratete sind nicht exkommuniziert. Das Verlangen nach der Nähe und der Einheit in Christus, darf nicht zur Zurückweisung führen. Gerade in diesem Bereich ist das gefordert, was Franziskus für das Jahr 2016 aufgerufen hat: Barmherzigkeit!

Die Apostel damals und die Synode heute haben einen guten Weg gezeigt: Kein Zwang der einengt und nicht akzeptiert werden kann. Kein Weg der überfordert. Aber ein Festhalten am Wort Christi, Rücksichtnahme auf Empfindungen und Grenzen, und eine Zusage, die über allem Bestand hat:

Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Mein Vater und ich werden zu euch kommen und bei euch wohnen. Ihr werdet niemals zugrunde gehen und niemand kann euch meiner Hand entreißen“ Joh 10.28

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