Semikolon

Semikolonbild

Unlängst kamen wir in einem Gespräch mit einem jüngeren Mann auf sein Tattoo an seinem Unterarm in der Nähe des Handgelenkes zu sprechen. Es hatte die Form eines Semikolons. Er klärte mich auf, dass es ein Symbol dafür sei, dass er an psychischen Beschwerden leide, dass er damit anderen, die das Symbol kennen, zeige, dass er Teil dieser Betroffenen-Gemeinschaft sei und dass er Hoffnung habe. Das Semikolon zeigt im Satzbau an, dass der Satz zwar einigermaßen vollständig, aber noch nicht abgeschlossen ist: Es geht weiter.

Er machte mich auf das semicolon-project im Internet aufmerksam. Dieses Projekt will kein Geld verdienen, sondern Menschen mit seelischen Leiden zusammenführen und Hoffnung machen. Es geht zurück auf die Amerikanerin Amy Bleuel, eine junge Frau mit christlichen Wurzeln, deren Vater sich selbst das Leben nahm. In ihrer Krise kam sie auf das Semikolon und startete 2013 mit dem semicolon-project.

Man kann einwenden, dass es vielleicht nicht unproblematisch sein kann, sich in dieser Weise der Außenwelt mit seinen Problemen zu öffnen. Auch in manch anderer Hinsicht kann man Fragen und Zweifel entwickeln, was dieses Projekt angeht.

Für den jüngeren Mann mit dem Tattoo war es ein Zeichen der Öffnung, der Selbstannahme auch in einer Krise, ein Zeichen der Hoffnung und stets eine kleine Freude und ein Trost, unterwegs auf Menschen zu treffen, die ebenfalls im Bereich der Hand, des Handgelenkes oder des Unterarmes dieses Zeichen trugen. Menschen mit Trauer, Angst, Depression, Traumatisierungen.

Auch wenn dieses Zeichen nicht direkt auf unseren liebenden Gott oder auf das Licht der Welt, Jesus Christus, hinweist, so transportiert es doch eine große Portion der Botschaft, die auch wir – gerne auch gut sichtbar! – aus unserem Glauben heraus zu verkünden haben: Du bist nicht allein, auch und gerade, wenn es Dir schlecht geht! Das Leiden und der Tod sind nicht das Ende, setzen keinen Punkt, sondern höchstens ein Semikolon. Es gibt Hoffnung, die über das sichtbare Leben hinausgeht.

Darüber hinaus ist es für mich einmal mehr erfreulich erstaunlich, dass der Geist Gottes immer wieder neue Wege, neue Symbole, neue Bewegungen anstößt, um den Menschen Hoffnung weiter zu sagen. Dieser Geist bleibt in seinem Heilswillen stets aktiv und bewegend. Ohne Ende.

Oder, wie es Udo Lindenberg in einem Lied formuliert hat: Hinterm Horizont geht’s weiter!

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