Der Ort, wo sie ihn hingelegt haben

ecce locus posuerunt eum - Kirche Hasborn

Ohne Zweifel – Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Schauen Sie sich um

  • die Kirchengemeinde wandelt sich (manchmal frage ich mich, wo sie überhaupt ist)
  • unsere Gesellschaft ist in einem ungeheuren Umbruch –
  • unser ganz konkretes Leben ändert sich.

Das erfahren wir nicht nur aus der Zeitung, sondern wir haben es vor Augen.

Europa stolpert von einer Krise in die nächste. Griechenland ist weit davon entfernt, seine Probleme im Griff zu haben. Die Überschuldung der Haushalte drückt Italien, Spanien und Frankreich. England kehrt Europa den Rücken zu. Innerhalb der EU gibt es ganz große soziale Unterschiede. Durch Europa geht ein Riss, weil man nicht weiß, wie man auf die weltweiten Folgen von Krieg und sozialen Unruhen reagieren soll.

Auf den Straßen begegnen wir täglich Menschen aus aller Herren Länder mit anderer Kultur, anderem Glauben, anderen Sitten und fremder Sprache. Die allermeisten von Ihnen sind Muslime unterschiedlicher Prägung. Sie bringen ihre Vorstellungen, ihr Rollenverständnis von Mann/Frau, ihre eigenen Ansichten und Festtage mit. An den Anblick von voll verschleierten, in Burkas gehüllte Frauen möchte ich mich nicht gewöhnen. Die Herausforderung, die damit einher gehen, lassen sich nicht klein reden. Integration ist ein mühsamer Prozess ohne Erfolgsgarantie, – aber auch ohne Alternative.

  • Wer meint, jeder Fremde würde sein bestes tun, um hier wirklich anzukommen und sich zu integrieren – der ist nur naiv.
  • Wer meint, jeder Muslim sei ein Terrorist – der geht Rattenfängern auf den Leim.
  • Wer meint, es sei egal, welcher Religion man angehört – der nimmt in sträflicher Weise die Lebenswirklichkeiten in den islamischen Ländern und Theologien nicht wahr. Fast in keinem islamischen Land gibt es Religionsfreiheit. In vielen Ländern werden Christen allerhöchstens in der 3. Reihe geduldet.
  • Wer meint, der Islam sei aus sich heraus bereits eine Bedrohung – der tut all den guten und ehrlichen Menschen Unrecht.
  • Wer nur in den Kategorien „Flüchtling – Europäer – Christ – Moslem“ denkt, – der hat nicht verstanden, dass Jesus Christus nie zuerst den Zöllner, Zeloten, Ausgestoßenen, sondern immer zuerst den konkreten Menschen gesehen hat.

Ja, wir erleben die größten Umbrüche seit Jahrzehnten. Aber nicht erst seit 2 Jahren. Die Uhr einfach um 2 Jahre zurück zu drehen, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Auch vor 2 Jahren war die Welt alles andere als in Ordnung. Umbrüche gab es schon immer. Der Prophet Habakuk lebte vor 2.600 Jahren und berichtet von solchen Situation. Im 2. Jahrhundert vor Christus führte die Hellenisierung der jüdischen Kultur zu den Makkabäerkriegen. Jesus Christus wird inmitten der römischen Besatzung und Unterdrückung geboren. Nur 3 Jahrzehnte nach seinem Tod wird Jerusalem ausgelöscht. Ich könnte beliebig weiter machen…bis hin zu dem Bild aus dem Jahr 1902, das Sie oben sehen können. Was stand den Menschen im Jahr 1902 noch alles bevor?

Nicht die geschichtlichen Umbrüche oder Eruptionen sollten uns Sorge machen. Nicht das, was von Außen auf uns zu kommt, ist das wirklich Bedrohliche, sondern unsere eigene innere Konstitution. Wir hätten gar keinen Grund zu so großer Sorge, wenn unsere Gesellschaft – unsere kirchliche Gemeinde hier vor Ort einen inneren und festen Standpunkt hätte. Würden wir wirklich als Kirche Gottes mit Christus, dem Herrn, da stehen und auftreten, könnte manche Ängstlichkeit dahin schwinden. Im Sport gehen die meisten Spiele nicht verloren, weil der Gegner so stark ist, sondern weil die eigene Mannschaft so schwach ist.

Ich habe oben ein Säulenbild dargestellt, das ich in der Kath. Kirche Hasborn im Sommer erst so richtig wahrgenommen habe.

Es ist der Grundstein einer Kirche, die 1902 in Hasborn gebaut wurde.

Es ist der Grundstein auf dem das Fundament von Kirche als Gemeinschaft des Volkes Gottes ruht.

Es der Grundstein, auf dem unser – Ihr persönliches, ganzes Leben aufgebaut ist.

Dieser Grundstein ist Christus, der Herr. Da beziehe ich jetzt mal Stellung: Er ist es – und sonst niemand. Nein, diese Aussage relativiere ich nicht. Ich sage gerade nicht, es ist gleichgültig ob jemand nun an Allah, Buddha, die Götter des Hinduismus glaubt oder eben Atheist ist.

Toleranz ist nicht, dass alles irgendwie gleich ist und in einem einheitlichen Brei weich gekocht wird. Toleranz setzt voraus, dass es einen Standpunkt gibt. Dieser Standpunkt, dieser Grundstein und Eckstein ist Jesus Christus. Punkt!

Toleranz meint, von diesem Standpunkt ausgehend und auf ihm stehend bleibend, Menschen anderer Meinung und Glaubens nicht in ihrer Würde, in ihrer Ehre und in ihren rechtlichen Möglichkeiten zu beschneiden. Sie verlangt jedoch nicht, den eigenen Glauben in einem Einheitsbrei untergehen zu lassen. Genau das ist die falsche Botschaft, die die selbst ernannten Toleristen verbreiten wollen und mit denen ich nicht mehr mit kann.

Aus dem Christus-Geschehen heraus kann ich dann weiter gehend erkennen, dass Gottes Geist in allen Kulturen und Religionen seine Spuren und seine Liebe hinterlässt. Sein Erbarmen und seine Gnade zielen auf die gesamt Menschheit. Das geschieht jedoch nicht irgendwie neben Christus – so als könne man Christus durch Mohammed oder Buddha ersetzen -, sondern allein aus der Liebe des dreifaltigen Gottes.

Das Bild zeigt das von Dornen zerkratzte Gesicht Jesus Christi. Gott lässt sich in Jesus Christus von der Ungerechtigkeit, dem Leid und der Not dieser Welt treffen. Er steht nicht irgendwo, sondern mitten unter uns in einer existentiell bedrohlich empfundenen Situation .

Die Inschrift lautet: „Ecce locus, ubi posuerunt eumSeht den Ort, wo sie ihn hingelegt haben“.

Man hat Jesus in seiner Zeit abgeschoben, getötet und in ein dunkles Grab gelegt, dieses versiegelt und bewacht. Kalt gestellt und ausradiert. Wenn ich mich in unseren Gemeinden und der Gesellschaft umschaue, dann kann ich nicht anders als ähnliches zu empfinden:

Lange vor all diesen Krisen und Umbrüchen hat unsere Gesellschaft begonnen, Jesus Christus, Gott, den Glauben in irgendeine Ecke abzuschieben, auszuklammern, zu versiegeln und kalt zu stellen. Wo haben wir unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe hingelegt? In welchem Ecken hat unsere Gesellschaft Christus vergraben, so dass er nicht mehr stört?

Wie die Frauen, die ans Grab kommen, erschrecken wir. Wir stellen uns plötzlich die Frage, wo denn nun unser Standpunkt – unser unverrückbare Zuversicht und unser Glaube ist angesichts der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden? Sind wir überhaupt fähig, den Menschen, die zu uns kommen, Antworten zu geben? Weiß unsere Gesellschaft noch, auf welchem Fundament sie stehen will ?

Möglicherweise ist es sogar gut, dass unsere Lebensweise von außen hinterfragt wird. Vielleicht ist es sogar notwendig, dass die vielen Muslime, die hier jetzt ihren Glauben leben wollen, uns nach unserem Standpunkt, – nach unserem Glauben befragen. Vielleicht braucht unsere laue Gesellschaft die Festigkeit eines muslimischen Glaubens als Gegenentwurf zu selbstzerstörerischen Gender-Ideologien. Evtl. ist es eine notwendige Herausforderung, damit unsere Gesellschaft und wir endlich wieder in das Grab hinein gehen und die Sehnsucht nach der Mitte unseres Lebens aufsuchen.

Der Engel antwortet im Markus-Evangelium:

Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Er geht euch voraus

Das will heißen: „Jesus Christus hat längst alle Umbrüche, Ängste und Bedrohungen überwunden. Es ist gut, dass ihr nach ihm sucht. Aber er ist euch längst voraus gegangen. Ihr braucht euch gar nicht mehr fürchten, wenn ihr diesen Jesus Christus mit euch und bei euch habt.“

Im heutigen Evangelium bitten die Jünger: „Stärke unseren Glauben“

Diese Bitte ist sehr aktuell, genauso wie Antwort Jesu: Wer wirklich an die Allmacht Gottes glaubt, der versetzt zwar keine Berge, aber er überwindet scheinbar unlösbare Probleme und tiefste Ängste. Jesus Christus hat sich gerade seiner Herrlichkeit entledigt und ist Teil dieser Welt geworden – er wurde „wie ein Sklave und den Menschen gleich“ (Phil 2. 7). Darauf weist das Bild des dornen-gekrönten Hauptes Jesus hin. Wir sind nicht größer als der Meister. Die Dornen und Kratzspuren gehen weder an uns, noch an unserer Zeit vorbei – dabei bleibt es allerdings nicht: Wir haben Anteil an seinem Sieg, an seiner Herrlichkeit – an seiner Auferstehung, die bereits heute und jetzt geschehen ist und geschieht.

Der Geist Gottes ist in uns wirksam und lässt uns allen Herausforderungen zum Trotz in Ewigkeit bestehen. Daran sollten wir festhalten und guten Mutes die Umbrüche unserer Zeit annehmen – und nicht an ihnen zerbrechen.

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