Er kommt.

Erkommt

Worauf warten wir im Advent?

Wenn man so auf unsere Veröffentlichungen schaut in den Medien oder auch auf das reichliche Werbematerial, dann könnte man darauf kommen, dass die Christenheit – zumindest in unserem Land – auf eine betulich-dickliche nordische Gottheit in den Farben von Coca-Cola wartet, die in dieser Zeit (und weniger zu einem bestimmten Zeitpunkt) die Reise vom Nordpol mit ihrem Luft-Rentierschlitten, gezogen vom rotnasigen Rudolph mit seinen Gefährten, zu den Menschen macht, um hier durch Verteilen von Geschenken durch den Kamin: das Glück zu bringen! (Eine ähnliche Gottheit scheinen wir vor Ostern zu erwarten: Hier erscheint ein mystischer Hase, der bunte Eier legt!)
Diese Figuren haben keinerlei Fundament in der Heiligen Schrift oder in der christlichen Tradition und man muss schon einige spitzfindige Klimmzüge machen, um sie mit der christlichen Botschaft in Übereinstimmung zu bringen. Es sind vielmehr neuheidnische Symbole einer verflachten Konsumreligion, garniert mit sentimentaler Allerweltsmoral und Herz-Schmerz-Pathos („glänzende Kinderaugen“) sowie jahreszeitlichem Dekorationskitsch, in der Advents- und Weihnachtszeit zumeist nordisch-winterlich zur Steigerung von Bequemlichkeit und Wohlfühl-Atmosphäre.
Überhaupt scheint das Warten als existenzielle Erfahrung in unserer aktuellen Welt ein Tabu und Feindbild zu sein: Alles muss stets reichlich verfügbar sein, damit nur ja keine Entbehrung empfunden wird.
Leider geht das sogar schon in manchen Kirchen so, dass im Advent Weihnachtslieder gesungen werden oder gar die Weihnachtskrippe schon aufgebaut ist.
Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn durch diese Undifferenziertheiten die Weihnachtsbotschaft ganz oder teilweise vernebelt und verkleistert wird, dass so Beihilfe zur Verdunstung des Glaubenswissens und zur Herstellung von quasi-religiöser Matschepampe geleistet wird.
Das Warten wertet doch das Ereignis auf! Auf etwas jederzeit Verfügbares braucht man nicht zu warten, es wird uninteressant. Das Warten intensiviert die gedanklich-emotionale Beschäftigung mit dem Erwarteten. Es ist darüber hinaus ein Sinnbild für unsere Lebenszeit in der Erwartung der Erlösung in die Herrlichkeit Gottes.
Christen erwarten im Advent die wahre Weihnacht, die geweihte, die geheiligte Nacht. Die Nacht, in welcher Gott selbst, das Licht am Ende jedes Tunnels, Mensch wird, um uns seine Liebe durch die Geburt des Erlösers zu schenken. Die Weihnacht ist ganz tief drinnen. Sie ist still und arm. Ihr inneres Licht ist heller als alle irdischen Lichter. Und sie wärmt und tröstet ein Leben lang. Immer, bis in Ewigkeit.

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