Was ist Wahrheit?

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Pontius Pilatus hat sich wohl bei dieser Frage, die er vor dessen Verurteilung an Jesus richtete, nachdenklich am Kinn gekratzt.

Dieser Tage kommt das Thema mit Wucht erneut auf unser Tablett, – „unsere Tablets“? Unter den Überschriften „chemtrailes/Verschwörungstheorien“, „fake news“, „Desinformation“, oder auch „Lügenpresse“ denken vor allem ängstlich werdende Politiker erneut über die Wahrheit nach.

Aber was ist das eigentlich?

Die Wahrheit ist das Gegenteil der Lüge und des Irrtums.

Es gibt paradoxerweise nur eine wirkliche Wahrheit, aber ebensoviele Wahrheitsempfindungen, wie es Menschen gibt. Das Wort „wahr“ steckt ja nicht zu unrecht auch in dem Wort „Wahrnehmung“.

Wahrheit empfinden wir zunächst am direktesten über unsere Körpersensationen, also über konkrete Körperwahrnehmungen, wie Schmerz, Hunger, Bewegung, Ruhe etc.

Wir vergleichen unsere Wahrnehmungen mit anderen Menschen und stellen dann Übereinstimmungen und Abweichungen fest. Diese machen uns dann eventuell sicherer oder auch unsicherer. Und letztlich trauen wir unserer eigenen Wahrnehmung nur bedingt.

Die „Wahr“-Nehmung ist durch viele Faktoren beeinflussbar und keine statische Funktion.

In politischer Hinsicht geht es stets auch darum, „den richtigen Weg“ zu finden, zu konstruieren, zu vermitteln, zu gestalten etc. Aber was ist der richtige Weg? Wer weiß das? Sind das letztlich nicht alles perspektivische Interpretationen von Wirklichkeit, die sich nicht auch als Irrtum herausstellen könnten. Hinterher?

Das Wasser fließt bergab. Und ist nass.

Erst die abweichenden Ziele von Diskutanten lassen dann das eine Wasser etwas nasser sein, als das andere und auch die Fließrichtung und -geschwindigkeit lässt sich sicher noch diskutieren.

Es gilt dann dennoch das unumstößliche Gesetz, dass Wasser letztlich bergab fließt und nass ist.

Wir erleben aktuell eine Zeit, die sich der Grenzenlosigkeit, der unbegrenzten Freiheit des Menschen annähern möchte. Das ist insgesamt ein „alter Hut“ und die Kirche nennt das die „Erbsünde“ der Selbstvergöttlichung des Menschen. Tiere tun so etwas nicht. Aber der Mensch. Und zwar schon immer.

Letztlich – nach viele Versuchen, die absolute Wahrheit des menschlichen Begrenztseins durch Lügen, Fake-news o.ä. zu beugen und zu verdrehen – trifft die archaische Wahrheit brachial auf die berstenden Lügengebäude. Dazu gehören Politikerworte genauso, wie ganz private Lebenslügen und Wohlstandskartenhäuser. Dann zeigt sich, wie tragfähig die jeweiligen Interpretationen von Wirklichkeit sind – und die Spreu trennt sich vom Weizen.

In der Regel sind es stets die Alten, die aus ihrer reichen Lebenserfahrung die ambitionierten Grenzüberwindungsattacken der Jungen mit etwas Wehmut und Sorge beobachten. Dennoch werden sie nicht gefragt. Und hinterher fürchten alle Protagonisten der menschlichen Freiheit von Begrenzungen letztlich die traditionellen Worte: „Das hatte ich Dir gleich gesagt, dass das so nicht funktioniert, wie Du das machen wolltest.“ oder „Das dachte ich mir schon.“ oder auch „Ich hatte also doch recht.“

Das alles ist in der Menschheitsgeschichte nicht neu und es ändern sich über die Zeit lediglich die personelle Besetzung und der Status der wirtschaftlichen Entwicklung von Dingen. Der Rest ist „the same procedure, as everytime“. – What goes up, must come down.

Vorhersage: Alle Kartenhäuser fallen einmal um. Auch unsere aktuellen politischen und wirtschaftlichen. Und wir haben heutzutage wahrlich viele davon.

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